Traditionsargument

Besonders in der politischen Sprache, aber ebenfalls im Wissenschaftskontext schleichen sich gern Fehlschlüsse ein, die Logik und Tradition vertauschen und so eine einfache Behauptung in einem falschen Argument verstecken. Auch hier ist das Prinzip einfach: Weil etwas lange etabliert ist, beinahe ewig so gemacht wird, also tradiert ist, muss es stimmen.

Goethe gehört zum Kanon der deutschen Literatur. Er ist ein Klassiker und muss daher ein guter Schriftsteller sein.

Zunächst liefert der Umstand, dass Goethe zum Kanon gehört, ein Indiz für seine literarische Qualität. Sicher ist das allerdings nicht und logisch ist ein solches Argument schon gar nicht. Es stützt sich schlicht auf Tradition, auf überlieferte Ansichten.

Seit vielen Jahrhunderten gibt es eine klare Rollenteilung zwischen Mann und Frau. Die Aufgabenteilung ist richtig, weil sie sich bewährt hat und der Natur der Sache entspricht.

Hier haben wir es gleich mit zwei Fehlschlusstypen zu tun. Einerseits wird eine vermeintliche Tatsache (die historisch gesehen zudem noch falsch ist) als Prämisse genommen, aus der eine allgemeingültige Aussage abgeleitet werden soll. Das ist nicht logisch. Zudem stützt sich das Argument auf die Autorität der Natur, was ebenfalls eher eine konservative Weltanschauung ist.