Ignoranzargument

Diese Art des logischen Fehlschlusses arbeitet mit einer Beweislastumkehr. Etwas muss stimmen oder wahr sein, weil das Gegenteil nicht bewiesen wurde (oder nicht bewiesen werden kann). Eine Behauptung ist also wahr, wenn keine Gegenbeweise vorliegen. Etwas muss sein, weil das Gegenteil nicht beweisbar ist.

Der Weltfußballverband ist von Korruption durchzogen, weil die FIFA ihre Unschuld nicht beweisen kann.

Oder:

Homöopathie muss wirken, weil nicht beweisbar ist, dass sie nicht wirkt.

Wie die Sachlage auch immer ist: Logisch ist ein solches Argument nicht. Rechtlich gilt die Unschuldsvermutung (in dubio pro reo), wissenschaftlich kann die Abwesenheit von Beweisen ebenfalls nichts belegen. Es handelt sich hier um sehr auffällige Beispiele. Solche Argumente der Ignoranz schleichen sich allerdings, besser versteckt und breiter verteilt, gern in längere Texte ein. Sie sind besonders arglistig, weil sie den Kern kritischen Denkens auszuhebeln versuchen und die Bringschuld für Beweise umkehren. Argumente der Ignoranz widersprechen zudem allen wissenschaftlichen Methoden. Mit der Abwesenheit von Gegenbeweisen etwas zu beweisen, würde beinahe jede Behauptung ermöglichen.