Flapsiger Stil

Falsche Metaphern oder überzogene Betonungen provozieren oft den Eindruck einer flapsigen, unseriösen Haltung. Galante oder lustige Passagen in einen wissenschaftlichen Text einzubauen, gehört zur hohen Schule; man sollte daher vorsichtig sein und im Zweifel die seriösere, trockenere Version wählen.
Auch bei der Verwendung einzelner Wörter sollte die Präzision nicht leiden. In einer betriebswirtschaftlichen Arbeit etwa wäre es ähnlich ungünstig, von “Unkosten” zu sprechen wie in der Psychologie vom “Unterbewussten”. Es handelt sich um “Kosten” und das “Unbewusste”, auch wenn in der Alltagskommunikation die beiden anderen Begriffe durchaus gebräuchlich sind. Idikatoren für einen flapsigen Stil sind zudem Begriffe wie hinlänglich, bekanntlich oder geflissentlich, wobei alle drei (und alle weiteren möglichen) nicht falsch sein müssen. Ihre zielsichere Verwendung ist entscheidend.

Aufgabenbeschreibung

Die folgenden Satzbeispiele enthalten stilistische Mängel oder Ungenauigkeiten (und sind alle aus Texten, die kurz vor der Publikation noch einmal lektoriert und hier teilweise verfremdet wurden). Im Eingabefeld können Sie sich ausprobieren und die Sätze nach Belieben umbauen. Tipp: Seien Sie bei schwierigen Fällen konsequent und formulieren Sie den gesamten Satz neu, statt nur einzelne Teile zu „reparieren".

Flapsiger Stil Übung 1

Dass trotz aller postmoderner Theoriebildung das Subjekt, also der Mensch, nicht verschwindet, liegt auf der Hand bzw. läuft auf der Straße.

Ihre Lösung

Vorschlag 1

Die postmoderne Kritik am klassischen Subjekt sollte nicht missverstanden werden. Der Mensch als solcher verschwindet freilich nicht; nur die tradierte philosophische Idee des autonomen Subjekts wird theoretisch in Zweifel gezogen.

Erläuterung

Das Wortspiel „liegt auf der Hand bzw. läuft auf der Straße“ ist ein recht flacher sprachlicher Witz, der im Normalfall aus dem stilistischen Rahmen des restlichen Textes heraus- und dadurch auffällt. Solche hervorstechenden Wortspiele werden meist als schlechter Stil interpretiert.

Aufgabenbeschreibung

Die folgenden Satzbeispiele enthalten stilistische Mängel oder Ungenauigkeiten (und sind alle aus Texten, die kurz vor der Publikation noch einmal lektoriert und hier teilweise verfremdet wurden). Im Eingabefeld können Sie sich ausprobieren und die Sätze nach Belieben umbauen. Tipp: Seien Sie bei schwierigen Fällen konsequent und formulieren Sie den gesamten Satz neu, statt nur einzelne Teile zu „reparieren".

Flapsiger Stil Übung 2

Es ist hinlänglich bekannt, dass ein permanent wachsendes Bruttoinlandsprodukt die Umweltzerstörung verstärkt.

Ihre Lösung

Vorschlag 1

Eine permanent wachsende Wirtschaft verbraucht auch mehr Ressourcen. Es scheint zunächst naheliegend, dass dies auf Kosten der Umwelt geht.

Vorschlag 2

Wie Müller (2012) und Maier (2013) gezeigt haben, belastet ein permanent wachsendes Bruttoinlandsprodukt die Umwelt erheblich.

Erläuterung

„Bekanntlich" singalisiert, dass man etwas vielleicht vom Hörensagen oder von Freunden kennt. Auch wenn es nicht immer falsch sein muss, auf diese oder ähnliche Vokabeln zurückzugreifen, sind sie doch nur bedingt wissenschaftlich und sparsam einzusetzen.

Aufgabenbeschreibung

Die folgenden Satzbeispiele enthalten stilistische Mängel oder Ungenauigkeiten (und sind alle aus Texten, die kurz vor der Publikation noch einmal lektoriert und hier teilweise verfremdet wurden). Im Eingabefeld können Sie sich ausprobieren und die Sätze nach Belieben umbauen. Tipp: Seien Sie bei schwierigen Fällen konsequent und formulieren Sie den gesamten Satz neu, statt nur einzelne Teile zu „reparieren".

Flapsiger Stil Übung 3

Frauen sind in den Ingenieurwissenschaften normalerweise Mangelware.

Ihre Lösung

Vorschlag 1

Frauen sind in den Ingenieurwissenschaften unterrepräsentiert.

Vorschlag 2

Frauen sind in den Ingenieurwissenschaften weniger stark vertreten.

Erläuterung

Frauen sollten nicht als (Mangel-)Ware umschrieben werden. (Der Beispielsatz entstammt der Chemnitzer Freien Presse.)

Stilistik
Was guter Stil ist, liegt oft im Auge des Betrachters. Gerade die Wissenschaft kämpft häufig um die richtige Mischung aus Genauigkeit und ästhetischem Anspruch.