Nominalstil

Sätze im Nominalstil sind durch Nomen (Substantive) und Substantivierungen geprägt. Die Verwendung entsprechender Begriffe ist nicht per se falsch oder unschön – es kommt vielmehr auf die Häufung an. Werden Sätze oder gar ganze Texte mit Substantivierungen im Stil von „das Hervorrufen“, „das Aufzeigen“ oder „die Verursachung“ übersät, leidet die Lesbarkeit. Häufig gibt es andere, einfache Formulierungen, die mehr mit Verben arbeiten, aktivierend wirken und den Lesefluss beschleunigen. Zudem produzieren aneinandergereihte Nomen komplizierte Bezüge, was schwer lesbar und fehleranfällig ist (etwa „das Aufspüren des Fehlers duch das Auswerten des Quellcodes“; lassen wir die Nomen weg, ensteht die Reihe „das des durch das des“).

Aufgabenbeschreibung

Die folgenden Satzbeispiele enthalten stilistische Mängel oder Ungenauigkeiten (und sind alle aus Texten, die kurz vor der Publikation noch einmal lektoriert und hier teilweise verfremdet wurden). Im Eingabefeld können Sie sich ausprobieren und die Sätze nach Belieben umbauen. Tipp: Seien Sie bei schwierigen Fällen konsequent und formulieren Sie den gesamten Satz neu, statt nur einzelne Teile zu „reparieren".

Nominalstil Übung 1

Die Klarstellung des Gesetzes betont seit dem 01. September 2009 die Möglichkeit zur Willensäußerung für den Fall der Einwilligungsfähigkeit durch eine Patientenverfügung.

Ihre Lösung

Vorschlag 1

Seit dem 01. September 2009 ist das Gesetz anders/neu formuliert. Nun wird betont, dass eine Willensäußerung dann möglich ist, wenn der Patient dies in seiner Patientenverfügung festgelegt hat.

Vorschlag 2

Seit dem 01. September 2009 ist das Gesetz anders/neu formuliert. Nun wird betont, dass eine Willensäußerung in Form einer Patientenverfügung dann möglich ist, wenn der Patient dazu noch in der Lage ist.

Erläuterung

Insgesamt liest sich der Satz sperrig und ruft komplizierte, uneindeutige und teils falsche Bezüge auf. Eine „Klarstellung des Gesetzes“ etwa als Genitivkonstruktion ist schwer nachvollziehbar. Wer hat was klargestellt? Es wurde vermutlich eher novelliert (Fachtermini: genaue Bedeutung und korrekte Verwendung beachten). Eine „Klarstellung“ kann nichts betonen, sondern nur infolge einer Klarstellung kann das Gesetz etwas betonen oder hervorheben. Die Verbindung aus Einwilligungsfähigkeit und Patientenverfügung ist nicht ganz eindeutig: In der Verfügung wird nicht verankert sein, ob der Patient einwilligungsfähig ist, was aber durch „für den Fall“ so verstanden werden könnte.

Aufgabenbeschreibung

Die folgenden Satzbeispiele enthalten stilistische Mängel oder Ungenauigkeiten (und sind alle aus Texten, die kurz vor der Publikation noch einmal lektoriert und hier teilweise verfremdet wurden). Im Eingabefeld können Sie sich ausprobieren und die Sätze nach Belieben umbauen. Tipp: Seien Sie bei schwierigen Fällen konsequent und formulieren Sie den gesamten Satz neu, statt nur einzelne Teile zu „reparieren".

Nominalstil Übung 2

Die Einblicke in die Entwicklung bioethischer Positionen im Italien der vergangenen zwei Jahrzehnte ermöglichen vor diesem Hintergrund Aufschlüsse über Tendenzen der Kulturgenese eines für Fragen der Ordnung zentralen Themenfeldes.

Ihre Lösung

Vorschlag 1

Die in Italien geführten bioethischen Debatten der letzten zwei Jahrzehnte zeigen/verdeutlichen Tendenzen und Entwicklungen, die für die Ordnung und ihre Begründung von entscheidender Bedeutung sind.

Erläuterung

Die präzise Verwendung von Verben „aktiviert“ die Sätze und gibt ihnen Dynamik. Zudem provozieren viele Nomen unklare Bezüge, die sich allerdings im Nomendschungel verstecken. Hier: die „im Italien der Jahrzehnte“ oder „die Kulturgenese eines Themenfeldes“.

Aufgabenbeschreibung

Die folgenden Satzbeispiele enthalten stilistische Mängel oder Ungenauigkeiten (und sind alle aus Texten, die kurz vor der Publikation noch einmal lektoriert und hier teilweise verfremdet wurden). Im Eingabefeld können Sie sich ausprobieren und die Sätze nach Belieben umbauen. Tipp: Seien Sie bei schwierigen Fällen konsequent und formulieren Sie den gesamten Satz neu, statt nur einzelne Teile zu „reparieren".

Nominalstil Übung 3

Anwesende auf der Baustelle haben deswegen bspw. die Pflicht zum Tragen von Sicherheitsschuhen und Schutzhelmen.

Ihre Lösung

Vorschlag 1

Anwesende auf der Baustelle sind deswegen verpflichtet, Sicherheitsschuhe und Schutzhelme zu tragen.

Vorschlag 2

Wer sich auf einer Baustelle bewegt, ist daher verpflichtet, Sicherheitsschuhe und Helm zu tragen.

Erläuterung

Die „Pflicht zum Tragen" lässt sich aktivischer und schöner mit einem Verb ausdrücken. Auch die „Anwesenden" ist eine umständliche Formulierung. Schließlich: Jeder Helm soll den Kopf schützen. Es braucht also eine gute Begründung für den Begriff Schutzhelm (was jedoch nicht falsch ist).

Aufgabenbeschreibung

Die folgenden Satzbeispiele enthalten stilistische Mängel oder Ungenauigkeiten (und sind alle aus Texten, die kurz vor der Publikation noch einmal lektoriert und hier teilweise verfremdet wurden). Im Eingabefeld können Sie sich ausprobieren und die Sätze nach Belieben umbauen. Tipp: Seien Sie bei schwierigen Fällen konsequent und formulieren Sie den gesamten Satz neu, statt nur einzelne Teile zu „reparieren".

Nominalstil Übung 4

Dieses Defizit in der Aufmerksamkeit für die Umgebung veranlasste beispielsweise das Verbot zur Interaktion mit Mobiltelefonen während des Autofahrens.

Ihre Lösung

Vorschlag 1

Die geringere Aufmerksamkeit für die Umgebung veranlasste beispielsweise das Verbot, während des Autofahrens ohne Freisprechanlage zu telefonieren.

Vorschlag 2

Während des Autofahrens ohne Freisprechanlage zu telefonieren, lenkt ab und ist deshalb verboten. Es sei denn, man nutzt eine Freisprechanlage.

Erläuterung

Eine (beim Autofahren verbotene) Interaktion mit dem Telefon ist kurz und bündig mit "telefonieren" umschrieben. Die Einschränkung (die Freisprechanlage) lässt sich einfach einflechten oder sogar in einen zweiten Satz verschieben.

Stilistik
Was guter Stil ist, liegt oft im Auge des Betrachters. Gerade die Wissenschaft kämpft häufig um die richtige Mischung aus Genauigkeit und ästhetischem Anspruch.