Die an der Deutschen Nationalbibliothek verwaltete GND (Gemeinsame Normdatei) dient zur dauerhaften und eindeutigen Referenzierung von Personen, Körperschaften, Orten bzw. Geografika, aber auch Sachschlagwörtern und Werktiteln. Hier kann sich in Zukunft auch die Community der Performing Arts und der darauf bezogenen Forschung stärker mit ihren Themen einbringen, was die Gründung einer Arbeitsgruppe Performing Arts / GND erfordert. Dazu dienen auch die im folgenden aufgeführten Aktivitäten.

Beziehungen knüpfen – Im Workshop „Die GND nutzen in Forum Performing Arts, Previwe auf den GND-Explorer, credit: DNB CC-by-sa.

Workshop “Die GND nutzen”

Nach dem Auftakt des Forums Perfoming Arts am 28.1.2022 setzt die Community der Performing Arts den Austausch im  Online-Workshop „Die GND nutzen“ am 16.5.2022 von 10.30 bis – 13.00 Uhr fort.

Im ersten Teil wird die Nutzung der GND am praktischen Beispiel gezeigt. Für einen niedrigschwelligen und praxisnahen Zugang aus den Bereichen Theater und Tanz stehen das Theatermuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf sowie das Deutsche Tanzarchiv Köln, die ihre jeweilige Nutzung der GND und ihre Arbeitsweise vorstellen werden. Nach einer Pause führen im zweiten Teil des Workshops die Kolleg*innen der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) in die Metadatendienste zur GND ein. Sie beantworten Fragen zu:

  • Welche Selektionen sind standardmäßig und kostenfrei?
  • Können Selektionen maßgeschneidert werden?
  • Welche Schnittstellen gibt es?
  • Welche Datenformate werden angeboten?
  • Ihre Frage …

Die Metadatendienste der DNB können jederzeit direkt über die Website in Anspruch genommen werden. Grundkenntnisse in Metadaten- und der Datenverarbeitung werden für die Teilnehmenden empfohlen, um das Angebot voll umfänglich nutzen zu können. Im Workshop selbst können Fragen unmittelbar beantwortet werden.

Programmüberblick:

  • 10:30 Uhr Begrüßung und Einführung
    Referent*in: Patrick Primavesi (Institut für Theaterwissenschaft, Leipzig) sowie Barbara Fischer (Deutsche Nationalbibliothek, Leipzig)

Teil 1

  • 10:45 Uhr Anwendungsbeispiel A: Die GND am Theatermuseum
    Referent*in: Margret Schild (Theatermuseum, Düsseldorf)
  • 11:10 Uhr Anwendungsbeispiel B: Die GND am Deutschen Tanzarchiv
    Referent*in: Miriam Mende und Thomas Thorausch (Deutsches Tanzarchiv, Köln)
  • 11:30 Uhr Pause

Teil 2

  • 12:00 Uhr Die Datendienste der DNB zur GND
    Referent*in: Jochen Rupp und Sarah Hartmann (Deutsche Nationalbibliothek, Frankfurt am Main)
  • 12:45 Uhr Ausblick auf kommende Aktivitäten des Forum Performing Arts
    Referent*in: Melanie Gruss (Institut für Theaterwissenschaft, Leipzig)
  • 13:00 Uhr Workshop Ende

 

Dokumentation:

Ereignisdaten?! Auftaktveranstaltung des Forums Performing Arts in der Gemeinsamen Normdatei (GND)

Für das Anlegen, Verwalten, Erschließen und Sichtbarmachen von Wissensbeständen in digitalen Umgebungen sind Standards hilfreich, die zugleich Auffindbarkeit und Vernetzung gewährleisten. So ermöglichen Normdaten z.B. für Personen oder Orte deren eindeutige Benennung für ganz unterschiedliche Wissensbereiche. Inwiefern aber fördern solche Standards auch die Erforschung der Performing Arts? Was sind die besonderen Anforderungen und Potentiale in diesem Bereich? Wie können der Aufbau von digitalen Wissensnetzwerken und der Einsatz von Standards hier noch verbessert werden? Diese Fragen adressiert die Auftaktveranstaltung des Forums Performing Arts in der GND.

Am 28.01.2022 fand mit etwa 100 Teilnehmer*innen die digitale Auftaktveranstaltung zur Etablierung eines Forums Performing Arts in der GND statt. Nach der Begrüßung durch Melanie Gruß (Universität Leipzig / NFDI4C) und Barbara Fischer (DNB), führten Jürgen Kett (DNB) und Patrick Primavesi (Universität Leipzig / NFDI4C) in einem Gespräch in die Thematik ein. Die Gemeinsame Normdatei (GND) dient zur dauerhaften und eindeutigen Referenzierung von verschiedensten Entitäten – Personen, Körperschaften, Geographika, Werktitel und Sachbegriffe (Schlagworte). Die GND wird nicht nur von Bibliotheken, von und für die sie zunächst erarbeitet wurde, genutzt, sondern auch von anderen Einrichtungen, wie Archiven, Dokumentationseinrichtungen, Forschungseinrichtungen, Museen, Sammlungen, zu deren Aufgaben das Sammeln, Erschließen, Erforschen und Zugänglichmachen des Kulturerbes gehört. Im Rahmen der inhaltlichen Öffnung der GND in den Kulturbereich können die Fachcommunities ihren spezifischen Bedarf formulieren, sich aktiv an der Weiterentwicklung beteiligen.

credit für den Film: DNB, CC BY SA

Diese Veranstaltung diente dazu, mit den Akteuren der Performing Arts ins Gespräch zu kommen. Welche Festlegungen zur Standardisierung der Erschließung der interessanten Entitäten jenseits von Normdaten müssen zunächst innerhalb der Fachcommunity getroffen werden? Und wo besteht Anpassungs-, Ergänzungs- und Erweiterungsbedarf in Hinblick auf die GND? Wie lässt sich beides umsetzen?
Vier Fragen, die über Mentimeter-Umfragen von den Teilnehmenden beantwortet wurden, gaben einen Eindruck über deren Hintergrund. 

credit für alle Abbildungen: DNB, CC BY SA

Die Ergebnisse der vier Umfragen im Rahmen der Veranstaltung sind recht leicht zu interpretieren. Das Publikum war recht divers und definierte sich selbst mehrheitlich entweder als Forscher*in oder als Datenmanager*in. Vorwiegend definierten sie ihre Daten als Sammlungsdaten, dicht gefolgt von Datenmix. Für die Mehrheit war „Eindeutigkeit“ das zentrale Charakteristikum von Normdaten und bei der letzten Frage hätten sich viele Teilnehmenden mehr Antwortoptionen gewünscht, aber so ging der Trend – nolens volens – zu Gunsten des Abgebildeten mit Attributen zu Zeit, Ort, Akteuren und Inszenierung.

Block 1 Forschungsperspektive

Patrick Primavesi und Alexandra Portmann (Universität Bern) thematisierten in ihren beiden Vorträgen die Frage der Normierung der Begriffe Inszenierung und Produktion entlang der verschiedenen Epochen der Theatergeschichte bis in die Gegenwart. Dem sich ändernden Theaterverständnis, den jeweiligen Praktiken und Formen sollten auch die Begriffe und Kategorien in den Metadaten entsprechen: Das bisher dominante Modell der Werkinszenierung bleibt zu erweitern um die Kategorie Inszenierungswerk, um damit auch freiere Werkadaptionen, Performances und andere eher temporäre theatrale Formen referenzieren zu können. Eine Normierung von Begriffen wie Inszenierung und Produktion bzw. die Abgrenzung zwischen verschiedenen Werken bzw. zwischen Werk und Manifestation muss so angelegt sein, dass sie mit allen Genres, Sparten und unterschiedlichen theaterhistorischen Kontexten kompatibel ist. Auch das Prozesshafte von Theaterproduktionen muss berücksichtigt werden, woraus sich weitere Fragestellungen und Klärungsbedarfe ergeben: Ab wann handelt es sich um ein Werk, wie werden Vorstufen und Veränderungen abgebildet? Wann ist eine Produktion abgeschlossen? Wie geht man mit den Bezeichnungen der Funktionen um? Was geschieht, wenn diese Bezeichnungen nicht mehr passen bzw. die Akteure sich nicht damit identifzieren? Welche Software und welche Datenmodelle eignen sich für die Dokumentation dieser Prozesse oder werden genutzt? Wo ist Normierung sinnvoll, wo eher nicht?

Vortragsfolien als pdf:

Patrick Primavesi, Universität Leipzig: Theaterereignisse und Normdaten: von der Werkinszenierung zum Inszenierungswerk (und weiter), credit: Patrick Primavesi, CC BY SA

Alexandra Portmann, Universität Bern: Wann beginnt/endet eine Produktion? Über die Herausforderung der Dokumentation von Prozessen in der theaterwissenschaftlichen Forschung, credit: Alexandra Portmann, CC BY SA

credit für den Film: Patrick Primavesi, CC BY SA

Block 2 Erschließungsperspektive

Michaela Scheibe und Friederike Willasch (beide an der Staatsbibliothek zu Berlin) berichteten über gängige Datenmodelle zur Erfassung von Ereignisankündigungen am Beispiel eines Theaterzettels. Hintergrund sind Überlegungen zur Vorgehensweise bei der Erfassung des umfangreichen Theaterzettel-Bestands der Staatsbibliothek zu Berlin. Verschiedene Erschließungstiefen sind möglich: Die Theaterzettel einer Institution können als Zeitschrift, die einzelnen Zettel zusätzlich als „Hefte“ und die Aufführungen schließlich als unselbstständige Werke (Aufsätze) erfasst werden – wesentliche Informationen über eine Aufführung können mit Verknüpfungen zu Normdaten nachgewiesen werden. Problematisch bleibt die Erfassung auch beim aufwändigen Maximalmodell, da die Aufführungen und ihre Akteur*innen (mit den jeweiligen Rollen/Funktionen) eigentlich eine eigene Entität mit auf das Ereignis ausgerichteten Erfassungsmöglichkeiten erfordern. Eine Erfassung als Manifestation im Verbundkatalog stößt hier an Grenzen.  
Im FID Darstellende Kunst (Vortrag von Julia Beck und Franziska Voß, beide and der Universitätsbibliothek Frankfurt) werden u.a. heterogene Daten aus unterschiedlichen Quellen aggregiert, modelliert, ggf. angereichert und so strukturierte Sucheinstiege angeboten – Ressourcen, Personen / Körperschaften, Ereignisse, Werke / Produktionen, das Themenportal Theaterzettel. Normdaten sind für die Verlinkung der unterschiedlichsten Datenbeständen innerhalb des FID DK, aber auch darüber hinaus äußerst hilfreich und erlauben es, Verbindungen zu folgen oder Netzwerke zu generieren, die bei der Erfassung in der einzelnen Einrichtung so (noch) nicht absehbar waren.  Der FID DK ist sowohl virtuell wie in der Realität eine Schnittstelle (Datendrehscheibe) zwischen Datengebenden und Nutzenden. Ziele des FID DK sind es existierende Datensilos aufzulösen, die Ergebnisse der Dokumentation und der Forschung nachhaltig sichern und zugänglich machen.

Vortragsfolien als pdf:

Michaela Scheibe und Friederike Willasch, Staatsbibliothek Berlin: Manifestation vs. Content – Ansätze und Grenzen derzeitiger Datenmodelle für ereignisorientiertes Sammlungsgut (Theaterzettel, Programmhefte, Plakate etc.), credit: Michaela Scheibe / Friederike Willasch, CC BY SA

Julia Beck und Franziska Voß, Universitätsbibliothek J. Senckenberg Frankfurt am Main: Auf der Suche nach „Gespenstern“. Aggregation von Ereignisnormdaten im FID Darstellende Kunst, credit: Julia Beck / Franziska Voß, CC BY SA

credit für den Film: Scheibe/Willasch, CC BY SA

credit für den Film: Beck/Voß, CC BY SA

Block 3 Die GND

Die Vorträge von Renate Behrens und Chantal Köppl (beide an der Arbeitsstelle für Standadisierung an der Deutschen Nationalbibliothek) behandelten verschiedene Aspekte der Mitgestaltung bzw. Mitarbeit in der GND. Eine Mitarbeit der Fachcommunity kann in Form einer Arbeits- oder Interessengruppe erfolgen. Wie geht man hier strategisch günstig vor? Was bietet sich als Einstieg an? Die Erarbeitung von praktischen Arbeitshilfen, wie es z.B. bei RNAB, dem Regelwerk für die Erfassung von Autorgrafen und Nachlässen auch für kleine Einrichtungen, wo die Erschließung nicht die Haupttätigkeit ist, erfolgreich realisiert wurde, oder ein Austausch und zunächst die Festlegung von Bedarfen und Prioritäten, was die Community am dringendsten braucht? Die Empfehlung war, eher in kleinerem Rahmen zu beginnen und auf diesem Weg die GND in der Fachcommunity bekannter zu machen und so von den Vorteilen und auch der Notwendigkeit der Mitarbeit bzw. Mitgestaltung zu überzeugen.
Man kann die GND auch schon jetzt auf verschiedene Weise nutzen: angefangen von der Recherche über verschiedene Portale, der Übernahme von IDs bzw. von (Teil-)Beständen der GND in die eigene Datenbank, über Korrekturvorschläge an bestehenden Normdaten bis hin zur aktiven Beteiligung im GND-Netzwerk in Form von GND-Agenturen. Die Teilnehmenden wünschten sich bei der jetzt schon möglichen Einreichung von Korrektur- und Ergänzungsvorschläge ein personalisierteres Feedback bzw. auch die Rückmeldung, wie über die Vorschläge entschieden wurde. 

Vortragsfolien als pdf:

Renate Behrens, Deutsche Nationalbibliothek: Liberté, Égalité, Fraternité. Community-übergreifende Diskussion zur Entität „Werk und Ereignis“, credit: DNB, CC BY SA

Chantal Köppl, Deutsche Nationalbibliothek: Beteiligungsmöglichkeiten für neue Communities im GND-Netzwerk, credit: DNB, CC BY SA

credit für den Film: Behrens, CC BY SA

credit für den Film: Köppl, CC BY SA

Resumee der Breakout sessions

Im Anschluss an die ersten beiden Vortragsblocks wurden in jeweils vier Breakout-Sessions zwei Fragen diskutiert. Barbara Fischer und Melanie Gruß fassten die Ergebnisse der dort sehr angeregt geführten Diskussionen zusammen:

1. Wie könnte der Dialog zwischen Forschung und Sammlung gefördert werden?

  • Sich austauschen und zusammenarbeiten (in der Realität und virtuell) zwischen Sammlung und Forschung, aber auch institutsintern mit anderen Bereichen, anderen Anwendern der eingesetzten Tools.
  • Das Netzwerk erweitern: Künstler*innen, Produzierende, Gremien und Vereine
  • Gemeinsame Entwicklung von Projektanträgen und Einwerben von Fördermitteln
  • Gemeinsame Infrastruktur für Sammlung und Forschung, auch bei unterschiedlichen Trägern (Stadt, Land, Bund, privat)
  • Ganz wichtig: Wer moderiert den Dialog und wer fungiert als Ansprechpartner?

credit für die Abbildung: DNB, CC BY SA

2. Welche gemeinsame Forschungs- und Sammlungsstruktur und welche Referenzpunkte (Normdaten) brauchen wir dafür?

  • Was für ein Datenmodell (und welche Entitäten) brauchen wir? Inszenierungswerk als verbindendes Element wurde häufig genannt, brauchen wir die Entität Ereignis?
  • Vorhandene Datenmodelle ansehen und ggf. anpassen (nachnutzen)
  • Abgrenzung: Was muss in die GND, was nicht? Welche anderen Tools kann man parallel / alternativ nutzen (z.B. Wikidata)?

credit für die Abbildungen: DNB, CC BY SA

Verabredungen

Es besteht ein großer Bedarf und auch die Bereitschaft, sich auszutauschen und zusammenzuarbeiten. Wie geht es nun weiter?

  • Regelmäßige Treffen und Austausch, mit dem Ziel der Erarbeitung bzw. Anpassung von Datenmodellen für die Performing Arts (Ansprechpartner: Orga-Team des Forums)
  • Vorangehen auf den für Communities möglichen Beteiligungswegen im Netzwerk der GND, auch zur Etablierung einer fachspezifischen Interessensgruppe
  • Konzeption und Einrichtung einer Inszenierungs- bzw. Produktionsdatenbank, auf der Basis existierender Ansätze (dazu ist ein Antrag für Projektförderung in Vorbereitung, – Ansprechpartner Patrick Primavesi und Melanie Gruß, auch in Rahmen der NFDI4C)
  • Ausbau der Vernetzung mit Künstler*innen, produzierenden Einrichtungen und Gremien / Verbänden etc.. Wie kann man auch aktuelle, laufend digital produzierte Daten zu Produktionen und Inszenierungen (der Theater, z.B. aus Ticketing-Systemen) zukünftig für Sammlung und Forschung nutzbar machen? 

Die Veranstaltung wurde gemeinsam organisiert und durchgeführt von der AG ARCHIV der Gesellschaft für Theaterwissenschaft (gtw), der Deutschen Nationalbibliothek (DNB), dem Fachinformationsdienst Darstellende Kunst (FID DK), der Gemeinsamen Normdatei (GND), dem Institut für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig, dem NFDI4Culture-Konsortium der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI e.V.), der Staatsbibliothek zu Berlin/Preußischer Kulturbesitz und dem Theatermuseum Düsseldorf.

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