Über das Jean-Monnet-Centre “Problems of Representation”

Anliegen

Das Projek Jean-Monnet-Centre “Problems of Representation, Perspectives from Eastern and Central Europe” zielt darauf ab, zu verstehen, wie Akteure aus Politik und Zivilgesellschaft die Krise der Repräsentation interpretieren.

In diesem Projekt interessieren wir uns für den Grad der Repräsentation mittel- und osteuropäischer Länder auf EU-Ebene, die Wahrnehmung oder Darstellung von Repräsentation und die konzeptionellen Aspekte von Repräsentationskrisen.

Die meisten Forschungsarbeiten im Bereich der Repräsentationskrisen beschränken sich bislang auf die USA, das Vereinigte Königreich und insbesondere Deutschland.

Die Repräsentationskrise ist jedoch in Mittel- und Osteuropa besonders akut.

Wir gehen von drei Modellen der Krise der Repräsentation aus
Krise der Repräsentation auf einer deskreptiven Ebene

Eine Krise auf der deskriptiven Ebene bedeutet, dass die soziodemografischen Merkmale der Bevölkerung in den Vertretungsorganen und in Führungspositionen gleichermaßen vertreten sind (z. B. Geschlecht, Herkunft, Region).

Beispiel: Während die elf mittel- und osteuropäischen (MOE) Mitgliedstaaten rund 20 Prozent der EU-Bevölkerung ausmachen, gingen nur 9,2 Prozent aller Ersternennungen in Schlüsselpositionen an Bürger aus der osteuropäischen Region.

Krise der Repräsentation auf einer inhaltlichen Ebene

Es kommt zu einer inhaltlichen Krise, wenn die Interessen und Werte der vertretenen Bevölkerung nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Beispielsweise sind die meisten Mitglieder des Europäischen Parlaments liberaler als die durchschnittliche Bevölkerung der EU-Länder (insbesondere der osteuropäischen Länder), beispielsweise in Bezug auf Geschlechterfragen und Migration.
Probleme mit der inhaltlichen Vertretung beeinträchtigen die Output-Legitimität eines demokratischen politischen Systems erheblich.

Krise der Repräsentation auf einer inhalichen Ebene

Es liegt eine Krise auf der inhaltlichen Ebene vor, wenn die Interessen und Werte der vertretenen Bevölkerung nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Beispielsweise sind die meisten Mitglieder des Europäischen Parlaments liberaler als die durchschnittliche Bevölkerung der EU-Länder (insbesondere der osteuropäischen Länder), beispielsweise in Bezug auf Geschlechterfragen und Migration.
Probleme mit der inhaltlichen Vertretung beeinträchtigen die Output-Legitimität eines demokratischen politischen Systems erheblich.

Krise der Repräsentation auf einer responsiven Ebene

Responsivität liegt beispielsweise vor, wenn die Interessen der Bürger durch politische Entscheidungen berücksichtigt werden.

So könnte beispielsweise die Ungleichheit der Vertretung in mittel- und osteuropäischen Ländern, die im Allgemeinen weniger wohlhabend sind als die älteren EU-Mitgliedstaaten, besonders relevant sein.
Dies könnte jedoch auch innerhalb dieser Länder selbst gelten, insbesondere wenn es um das Wohlstandsgefälle zwischen städtischen und ländlichen Gebieten geht.

Partner des Forschungsprojektes

Das Jean-Monnet-Zentrum wird internationale Sommerschulen, gemeinsame Webstreams und Workshops fördern, insbesondere in Zusammenarbeit mit den folgenden Universitäten und Institutionen:

  • SYRI Institute, Brno
  • Rzeszow Universität, 
  • Karls-Universität Prag, 
  • Universität von Sarajevo
  • Irris-Institut, Institute for Research Developement und Strategies of Society, Slovenien

Wissenstransfer und Lehre

  • 4 Workshops mit Wissenschaftlern und lokalen Akteuren in Leipzig, Ljubljana, Brünn und Cluj
  • 4 Interviews mit Interessenvertretern aus Politik, Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und öffentlicher Verwaltung
  • Eine Sommerschule für fortgeschrittene Studierende aus der gesamten EU und in Bosnien und Herzegowina
  • Zwei konzeptionelle Publikationen

Beirat des Projektes

Die Arbeit des JMCoE wird von einem Beirat kritisch begleitet. Seine Mitglieder beschäftigen sich in Politik oder Gesellschaft mit dem Thema des Zentrums. Sie erfahren als Erste von unseren Forschungsergebnissen, liefern Ideen und geben Ratschläge. Damit soll der Nutzen der Europastudien für die Auseinandersetzung mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Problemen erhöht werden.

  • Dr. Carsten Berg, The ECI Campaign,
  • Annika Fleischer, Europahaus Leipzig, e.V.,
  • Dr. Carsten Herzberg, Potsdam, mitmachen e.V., JUBU – Jugendbeteiligung bei Bürgerbudgets,
  • Alexandra Mehnert, Mitglied des Europäischen Parlaments,
  • Markus Schlimbach, Vorsitzender, DGB Sachsen,
  • Erik Wolf, Generalsekretär des sächsischen Gewerkschaftsverbands Verdi,
  • Katharina Wolf, Sächsischer Landesverband der Europa Union Deutschland e.V.


Anliegen des abgeschlossenen Jean-Monnet-Spitzenforschungszentrum Die Europäische Union und ihre ländliche Peripherie in Ostmitteleuropa

„Das Jean-Monnet-Spitzenforschungszentrum Die Europäische Union und ihre ländliche Peripherie in Ostmitteleuropa an der Universität Leipzig soll die Beteiligung am demokratischen Leben in der EU und eine aktive Unionsbürgerschaft fördern.“

Es setzt bei der lokalen und regionalen Gesellschaft in ländlichen Räumen Ostmitteleuropas mit einem Fokus auf jungen Menschen an. Das Zentrum will dazu beitragen, Lücken der EU-Forschung zu füllen, indem es die Einstellungen, Praktiken und Potenziale der EU-Bürgerschaft in der Peripherie interdisziplinär analysiert und dabei neue Methoden, Instrumente und Ansätze nutzt.

Beteiligte Forschungsrichtungen

Expertinnen und Experten aus der Politikwissenschaft, Soziologie, Zeitgeschichte und Ethnologie der Universität Leipzig und des Leibniz Instituts GWZO bündeln dafür ihre Forschungs-, Lehr- und Transferaktivitäten und intensivieren ihre Vernetzung mit Wissenschaftseinrichtungen in Ostmitteleuropa.

Arbeitsprogramm

Zum Arbeitsprogramm gehören:

  • eine öffentliche Vortragsreihe mit namhaften Personen aus Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Medien,
  • mehr als 30 Lehrveranstaltungen zu EU-Themen für Studierende in mehr als 50 Fächern,
  • 12 Exkursionen,
  • eine Ringvorlesung zur EU und ihren Bürgern,
  • viele Bürgerdialoge,
  • drei internationale Sommerschulen,
  • sechs Transferworkshops für Vertreter von Politik, Zivilgesellschaft und Verwaltung in Hauptstädten Ostmitteleuropas,
  • Hilfestellungen in sieben Sprachen für die lokale und Landespolitik zur besseren Vernetzung mit der EU-Politik,
  • Hilfestellungen für die EU,
  • sowie Publikationen zu Forschungsergebnissen und Handlungsempfehlungen.
Beirat

Die Arbeit des Spitzenforschungszentrums wird von einem Beirat kritisch begleitet. Seine Mitglieder sind auf verschiedenen Ebenen parlamentarisch, exekutiv oder gesellschaftlich mit dem Thema des Zentrums befasst. Sie erfahren als Erste von unseren Forschungsergebnissen, geben Ideen und Hinweise. So soll der Nutzen der Europastudien für die Bewältigung aktueller politischer und gesellschaftlicher Probleme erhöht werden. Mitglieder sind:

  • Dr. Peter Jahr, MdEP seit 2009, Mitglied des Landwirtschafts- und des Petitionsausschusses, Mitglied im Stadtrat in Lunzenau, Vorsitzender des Evangelischen Schulvereins Lunzenau e.V. (Träger der freien Evangelischen Oberschule in Lunzenau), Vorsitzender der Land-Union Sachsen,
  • Leonhard Weist, Vorstandsmitglied beim LandesSchülerRat Sachsen,
  • Constanze Krehl, MdEP seit 1994, Mitglied im Ausschuss für Regionalentwicklung des Europäischen Parlaments, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande,
  • Susann Mannel, Leiterin des Bereichs „Jugend stärken“ des Soziokulturellen Zentrums „Die VILLA“ in Leipzig,
  • Katja Meier, Sächsische Staatsministerin für Justiz, Demokratie, Europa und Gleichstellung,
  • Petr Mikšíček, Filmemacher, Fotograf und Autor, Mitgründer des Stiftungsfonds „Erneuerung des Erzgebirges“, das unter anderem grenzüberschreitende Projekte mit Schülern unterstützt, Koordinator des Kulturfestivals „Königsmühle“, Autor von drei Büchern zur Region,
  • Katharina Wolf, Gründungsvorsitzende des sächsischen Landesverbands der Europa Union Deutschland e.V., 2019 als Frau Europas“ ausgezeichnet.
Überdies gehören zu unserem Forschungs- und Praxisnetzwerk: