Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2021

Die Lehrveranstaltungen des Sommersemesters starten aufgrund der anhaltenden Pandemie erneut digital.
Sie werden von mir vor Beginn der Lehrveranstaltungen am 12. April 2021 per E-Mail über die Werkzeuge und Formate (Moodle, Videokonferenzen, Leseabschnitte etc.) der gemeinsamen Arbeit in Vorlesung und Seminaren informiert.  

donnerstags, 9:15 Uhr–10:45 Uhr

[HS 9] – digital – asynchron – per Video



2. Semester BA Kernfach , 4. Semester StEx Gym, OS (Modul 04-003-3005) ; für Seniorenstudium geöffnet

Die Vorlesung bietet anhand exemplarischer Zugriffe einen Überblick über die wichtigsten literarischen Felder und Texte der deutschen Literatur des Mittelalters, also der Zeit vom 9. bis 15. Jahrhundert. Dies sind: Antikenroman – Artusroman – Heldenepik – Gralroman – Tristanroman – Minnesang – Sangspruch und die sogenannte geistliche Literatur. Zudem gibt sie einen Einblick in grundlegende Forschungsparadigmen der Mediävistik. Methodische Fragen und Textlektüren sollen zeigen, dass das Mittelalter einen bemerkenswerten Anfangspunkt der deutschen Literatur mit mehreren bis heute gültigen Klassikern setzt (das Nibelungenlied, der Tristanroman, Walthers Lieder und Wolframs Texte u.a.), dass manche Phänomene des Literaturbetriebs ganz anders sind, manche aber durchaus vergleichbar mit der Literatur der nachfolgenden Jahrhunderte und auch der Gegenwart. Die Liebe wird Thema der Literatur, man lernt Literatur zu lesen, nicht nur zu hören, die Wissenschaft schreibt lateinisch – was heißt das für die deutsche Literatur und ihre Autoren? Literatur wird in den Jahrhunderten des Mittelalters vornehmlich handschriftlich verbreitet, der Buchdruck beginnt erst in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Was bedeutet dies für einen ‚Buchmarkt‘ des Mittelalters? Bilder begleiten oftmals einen Text, Literatur wird in verschiedenen Bildmedien aufgegriffen und thematisiert.
Die Vorlesung möchte zeigen, dass und warum ‚das Mittelalter‘ für ein Germanistik-Studium – und zwar auch für zukünftige Lehrer_innen – ein notwendiger Baustein ist. Wir werden dabei bewusst einige gängige Vorurteile dem Mittelalter gegenüber aufgreifen und widerlegen oder zumindest deutlich relativieren. 700 Jahre deutsche Literatur sind nicht mit ein oder zwei Schlagworten zu (be-)greifen oder gar zu diskreditieren; in manchen Zuschreibungen folgen wir heute noch bisweilen unreflektiert prominenten Einzelmeinungen des 19. Jahrhunderts oder wir bezeichnen die Texte als „vormodern“ und meinen damit nicht nur eine zeitliche Einordnung vor einer Epoche der Moderne, sondern klassifizieren damit gewissermaßen unterhalb einer als modern gedachten Qualitätsstufe. Das ist auf jeden Fall irreführend und missverständlich, ich halte es sogar für falsch. Die literarischen Felder und Texte vor Luther erweisen sich als äußerst differenziert, reflektiert, überraschend, komisch und in vielem als unglaublich aktuell.

Als Textgrundlage fungiert ein Reader, der die Texte und Textausschnitte aus der mittelalterlichen Literatur versammelt, die in der Vorlesung besprochen werden.
(Informationen dazu in der ersten Vorlesung am 15. April 2021 auf der Moodle-Plattform).

Literatur zur Einführung: HARALD MÜLLER, Mittelalter, 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage, Berlin/Boston 2015; THOMAS BEIN, Deutsche Literatur des Mittelalters. Eine Einführung in die Germanistische Mediävistik, Berlin 2020 (Grundlagen der Germanistik 64); CHRISTIAN KIENING, Zwischen Körper und Schrift. Texte vor dem Zeitalter der Literatur, Frankfurt a.M. 2003. 

donnerstags, 15:15–16:45 Uhr

[SR 224] – digital – synchrone und asynchrone Formate im Wechsel

2. Semester BA Kernfach (Modul 04-003-3005)
 

Anhand dieses kurzen Verstexts Konrads von Würzburg sollen grundlegende Paradigmen mittelalterlicher Sprache und Literatur erarbeitet werden. Die Erzählung um einen Kaiser Otto, einen ermordeten Truchsess sowie einen mutigen und entschlossenen Ritter stellt mehrere Fragen, die wir im Seminar klären wollen. Wer ist dieser Heinrich von Kempten? Was macht ein Truchsess? Welche Rolle spielt Gewalt für eine Konfliktlösung? Warum fasst sich der Kaiser immer wieder an seinen Bart und welche Bedeutung hat die rote Farbe des Bartes? Wer besitzt in diesem Text Autorität und wieso springt der nackte Ritter aus dem Zuber? Ist das komisch oder skandalös? Aus welcher Warte beurteilen wir den Text? Konnte das Mittelalter vielleicht doch lachen?
Mit diesem Text Konrads sollen Phänomene der Grammatik des Mittelhochdeutschen eingeübt, aber auch kulturelle Fragen des Mittelalters diskutiert und geklärt werden. Das Übersetzen und das Verständnis eines kurzen Verstextes aus dem 13. Jahrhundert stehen im Zentrum, dabei werden existierende Übersetzungen ins Neuhochdeutsche in die Analyse mit einbezogen und auf ihre aktuelle sprachliche Form und Brauchbarkeit hin überprüft.

Informationen zur Textausgabe und zu weiteren Materialien (Moodle-Plattform) werden in der ersten Sitzung (Videokonferenz) am 15. April 2021 bekanntgegeben.

dienstags, 17:15–18:45 Uhr

[SR 224] – digital – vermutlich synchron als Videokonferenz


4. Semester BA Kernfach (Modul 04-003-3009)
 
Wirnt von Grafenberg erzählt in seinem Artusroman von Gaweins Sohn Wigalois, der seinen Vater sucht, einer jungen Frau helfen will und dabei verschiedene âventiuren bestehen muss. Im Seminar lesen und entschlüsseln wir den Text, um uns ein Bild von diesem Ritter mit dem Rad zu machen.
Der Artusroman ist eine Erfindung des Mittelalters. Ritter von besonderem Wert und herausragender Tugend gehören der Runde um König Artus an, sie lösen Aufgaben, sie reiten in den Wald, sie turnieren und gehen immer wieder tödliche Gefahren ein, phantastische Wesen und Räume spielen dabei dominante Rollen. Ist das heute noch relevant? Warum interessieren wir uns für einen Jungen, der sich auf einen Tugendstein setzt und damit helle Aufregung am Artushof auslöst? Der von der saelde begleitet ist – was ist das? Interessant wird diese Literatur, wenn man sie nicht nur als Unterhaltungsliteratur liest und sich über die bisweilen sehr kunstvoll inszenierte action freut, sondern wenn man die Texte abstrahiert und so einfache Dinge wie den Tugendstein nach seinem gesellschaftlichen Wert bemisst. Was deutet ein solches Instrument für eine Gemeinschaft der Besten an? Es ist Gradmesser für Vorbildhaftigkeit, doch Fehler sind in der Artusgesellschaft durchaus möglich. Und plötzlich taucht Gott auf und Wigalois kämpft gegen den Teufel. Wir wollen den Roman lesen und interpretieren und uns diese Frage nach der Aktualität vornehmen.

Textausgabe (bitte anschaffen): Wirnt von Grafenberg, Wigalois. Text der Ausgabe von J.M.N. Kapteyn, übersetzt, erläutert und mit einem Nachwort versehen von SABINE SEELBACH und ULRICH SEELBACH, Berlin/New York 2005.
Weitere Literatur wird im Seminar bekanntgegeben. 

donnerstags, 17:15–18:45 Uhr

[SR 224]  – digital – synchrone (Seminargespräch als Videokonferenz) und asynchrone Formate (Eigenarbeit, Lektüren, Recherchen) werden sich abwechseln

4. Semester BA Kernfach (Modul 04-003-3009)

Die Übung ist als bewusste Ergänzung zum Wigalois-Seminar konzipiert. Hier werden wir methodische und praktische Aspekte der Arbeit am Text (und das meint den Primärtext/den Roman des 13. Jahrhunderts, und die relevante Forschungsliteratur) intensivieren und diejenigen Arbeitsschritte einüben, die zum Verfassen einer schriftlichen Hausarbeit nötig sind (Erfassen der Forschungsliteratur, Gliederung der Hausarbeit, Einleitung u.a.). Denn Prüfungsleistung in diesem Modul ist eine Hausarbeit, die im Verlaufe des Semesters in der Übung konkret vorbereitet werden soll. Wir werden das Instrumentarium des wissenschaftlichen Arbeitens erproben und in konkreten Anwendungen einüben und diskutieren. Welche Fragen stellt ein Text (Primärliteratur – Sekundärliteratur)? Wie kann ich daraus ein Thema für eine Hausarbeit machen? Welche und wie viel Literatur benötige ich? Welche Forschungsliteratur ist relevant für ein Thema? Wie integriere ich die Ergebnisse der Forschung in meine Hausarbeit? Ist in der Forschung nicht schon alles einmal formuliert worden? Gibt es noch etwas Neues zu entdecken? Und wie? Wie formuliere ich eine These? Wie sieht eine Gliederung aus, was umfasst eine Einleitung? Wie zitiere ich, was muss ich belegen? Wie gehe ich mit digitalen Quellen um? Was steht in den Fußnoten, was und wie im Literaturverzeichnis …? All diese Elemente werden in einzelnen Arbeitsschritten und in der gemeinsamen Diskussion erörtert, im Gespräch mit den Kommiliton_innen soll die beste Variante erkundet werden. Wir werden dabei auch einen Blick in die mittlerweile zahlreichen Ratgeber und Handbücher zum Thema werfen („Die erste Hausarbeit – FAQ“, „Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten… Bewährter Ratgeber jetzt in Farbe“, „Handbuch wissenschaftliches Schreiben. Eine Anleitung von A bis Z“) und diese auf ihre Brauchbarkeit hin prüfen.
Schließlich wollen wir uns auch darüber Gedanken machen, in welcher Form wissenschaftliche Ergebnisse heutzutage – unter digitalen Gegebenheiten und in einer mittlerweile globalen Ausrichtung des Lebens – attraktiv zu formulieren sind (Essay, Hausarbeit [als Kurzform eines wissenschaftlichen Aufsatzes], Poster-Präsentation, mündlicher Vortrag, blog …). Hier sollten wir im gemeinsamen Seminargespräch, das in der Videokonferenz durchaus gut funktionieren kann, die Möglichkeiten diskutieren und ausprobieren.

Textausgabe: wie Seminar Wigalois.
Weitere Materialien werden auf einer Moodle-Plattform zur Verfügung gestellt. 

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