Problemviertel, Brennpunkt, gefährlicher Gegenstand

Ein unvoreingenommer Blick auf die Eisenbahnstraße in Leipzig scheint kaum möglich. Zu laut und sichtbar sind die Stimmen, die von Schlägereien, Schießereien oder Drogenhandel berichten und eine diffuse Unsicherheit verbreiten. Ob AnwohnerInnen, LeipzigerInnen, oder nie Dagewesene: Die Straße gilt als gefährlich.

Das derart dominante Narrativ über die Eisenbahnstraße im Leipziger Osten motivierte Natalie Schmidt zu einer kritischen und differenzierten Auseinandersetzung. Im Podcast geht sie auf die Geschichte und aktuelle Situation der Straße ein und hält Eindrücke und Erfahrungen von drei Menschen fest, die aus migrantischer, studentischer und ostdeutscher Perspektive auf die Eisenbahnstraße berichten können.

Links und Quellen:

  • Belina, B., & Wehrheim, J. (2011). “Gefahrengebiete”: durch die Abstraktion vom Sozialen zur Reproduktion
    gesellschaftlicher Strukturen. Soziale Probleme, 23(2), 207-229.
    https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-364686
  • Ullrich, Peter ; Tullney, Marco : Die Konstruktion ‚gefährlicher Orte‘. Eine Problematisierung mit Beispielen aus Berlin und Leipzig. – In: sozialraum.de. – ISSN 1868-2596 (online). – 4 (2012), 2. https://www.sozialraum.de/die-konstruktion-gefaehrlicher-orte.php
  • Update: Die schlimmste Straße Deutschlands, ProSieben, https://youtu.be/ogFPlp6RLq0
  • Eisenbahnstraße Leipzig – Crimespot oder Multikulti-Wunderland?, ZDF, https://youtu.be/lb6A1RGIfJo
  • Dokumentation “Eisenbahnstraße”, SAEK Leipzig, https://youtu.be/ri78aCHvHEc
  • Racial Profiling und Rassismus: So sieht der Alltag auf der Leipziger Eisenbahnstraße aus, zett.de, https://ze.tt/racial-profiling-und-rassismus-so-sieht-der-alltag-auf-der-leipziger-eisenbahnstrasse-aus/
  • Gefährlicher Gegenstand: Eisenbahnstraße #2, unofficial pictures, https://unofficial.pictures/shop/gefaehrlicher-gegenstand-eisenbahnstrasse-2/
  • Waffenverbotszone in Leipzig– der Verdacht soll untersucht werden, DLF Kultur, https://www.deutschlandfunkkultur.de/waffenverbotszone-in-leipzig-der-verdacht-soll-untersucht.1001.de.html?dram:article_id=471137

 

 

Leben in Zeiten von Corona – Eine neuartige Normalität?

Seit fast einem Jahr hat COVID-19 die Welt im Griff, und noch immer wissen wir nicht alles über das Virus – oder wann wir es los sind. Trotz der richtigen Feststellung, dass wir also alle „nur auf Sicht fahren“ können, wird schon seit Längerem von einer neuen Normalität gesprochen. Aber was bedeutet das eigentlich? Was genau ist die Summe der einzelnen Teile, die diese „neuartige“ Normalität ausmachen? Oder muss man vielleicht doch eher von vielen neuen Normalitäten sprechen?

Justina Fink und Theresa Siebach gehen diesen Fragen anhand von gesammelten Sprachnachrichten nach.

 

Links, Quellen und Verweise

  • Arbeitsgruppe Bielefelder Soziologen (Hg.). 1973. Alltagswissen, Interaktion und gesellschaftliche Wirklichkeit. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.
  • Goffman, Erving. 1974. Die Territorien des Selbst, in Ders. Das Individuum im öffentlichen Austausch. Mikrostudien zur öffentlichen Ordnung, Frankfurt am Main: Suhrkamp. S. 54-71.
  • Meyer-Drawe, Käte. 2016. WennBlicke sich kreuzen, in Jung, Matthias, Michaela Bauks, und Andreas Ackermann, Hrsg. 2016. Dem Körper eingeschrieben: Verkörperung zwischen Leiberleben und kulturellem Sinn,Wiesbaden: Springer VS. S. 37-54.
  • Opitz, Sven. 2020. Atmosphären des Selbst in Zeiten von COVID-19, in Keitel, Christian, Michael Volkmer, und Karin Werner. 2020. Die Corona-Gesellschaft Analysen zur Lage und Perspektiven für die Zukunft,Bielefeld: transcript. S.125-134.
  • Artikel zu „Normalität“ in der Wikipedia vom November 2020: https://de.wikipedia.org/wiki/Normalit%C3%A4t
  • verwendete Audio/MusikAnna Vahrami –Current TimeAnna Vahrami –Human Body https://soundcloud.com/anna-terzikian
  • Sound aus dem BBC-Soundarchiv (bbc.co.uk–©copyright[2020]BBC)
  • Audio aus dem Tagesschau-Archiv

Hafenstadt Leipzig

In und über Leipzig kursieren viele Narrative. „Leipzig hat mehr Brücken als Hamburg oder Venedig“ oder „Die Sicht vom Wasser auf die Stadt ist eine andere“ sind zwei eher unscheinbare Beispiele, die sich aber vermehrt in Stadtführern oder Städteporträts finden lassen. Auch wenn sie nur Erzählungen sind – in ihrer Wirkung sind sie durchaus real. Die Autorin Anna Kerstin Kraft ist sich sicher: Die Stadt soll als eine Hafenstadt imaginiert werden, auch ohne Zugang zum Meer. Ihre ethnografischen Eindrücke hat sie in Form eines (hörbaren) Essays festgehalten.

Empfehlung: Vor dem Hören eine Badewanne einlassen und Weißwein kaltstellen.

 

Literatur & Links:

Blick aus dem Fenster

Wie verändert sich der Zugang zu unseren Nachbarn, wenn wir in der Corona-Pandemie plötzlich vorrangig zuhause sind? Sind wir wirklich allein? Oder ermöglicht das Statische nicht auch ein genaueres Hingucken- und Kennenlern-Können? Das Feature von Carolin Büscher setzt sich mit dem “Blick aus dem Fenster” als neuer Beobachtungs- und Öffentlichkeitsform in Zeiten der Quarantäne auseinander. Collagenhaft wird anhand von persönlichen Notaten, Fundstücken aus der Literatur, Philosophie und Popkultur sowie Positionen aus der Nachbarschaftssoziologie erzählt, wie sich durch diesen Zugang unser Verhältnis und Verständnis von Nachbarschaft verändern kann.

 

(Special thanks an: Fiona Maier, Angela Fischer, Peter Komarowski, Frauke Siebels)

Quellen & Zitate

  • Peter Handke: „Die Verlassenheit“ und: „Vom Ende des Flanierens“
  • Karl Krolow: „Blick aus dem Fenster“
  • Leonard Cohen: „I Wonder How Many People in this City“
  • Jean-Paul Sartre, “Der Blick” in: Das Sein und das Nichts. Versuch einer phänomenologischen Ontologie, Deutsch v. Hans Schöneberg u. Traugott König, Reinbek 1994
  • Siegfried Kracauer. „Aus dem Fenster gesehen“ in: Straßen und Berlin und anderswo, Berlin 1964
  • René König, Großstadt, Stuttgart 1973
  • Hans Oswald, Die überschätzte Stadt, Freiburg 1966
  • Bernd Hamm, Betrifft: Nachbarschaft, Düsseldorf 1973
  • ZAZ: „Dans ma rue“
  • King Crimson: „I talk to the wind“
  • Kettcar: „Balkon gegenüber“

Frauen* in der Sphäre der elektronischen Musikproduktion

In Leipzig gehört die Verhandlung von Geschlechtergleichberechtigung innerhalb der Clubkultur zum gängigen Diskurs und kann als Teil des subkulturellen Selbstverständnisses verstanden werden. Eine große Anzahl feministischer Gruppen und Netzwerke sowie der Anspruch eines ausgeglichenen und diversen Bookings waren maßgeblich daran beteiligt, dass weibliche* DJ’s in den letzten Jahren mehr Sichtbarkeit erlangten. Ein deutliches Ungleichgewicht bezüglich der Repräsentation von Frauen* lässt sich jedoch im Bereich der Musikproduktion beobachten. Hier sind es noch immer Wenige, die eigene Musik produzieren und auf Labels veröffentlichen können. Im Podcast gehen Carlotta Jacobi und Emily Bandt der Frage nach, welche Zugänge und Schwierigkeiten es für Frauen in der Sphäre der elektronischen Musikproduktion gibt. Dafür haben Jacobi und Bandt zwei Leipziger Produzentinnen zu ihren Erfahrungen interviewt: Charlotte, DJ, Produzentin und Mitbegründerin des feministischen Netzwerkes Feat. Fem sowie Lydia Eisenblätter, die als DJ, Produzentin und Labelbetreiberin tätig ist.

 

Links & Quellen

Warum Audio und wie funktioniert das in der Lehre?

Podcasts und Sozialwissenschaften – it’s a match! Den Forschenden ermöglichen sie, empirisches Material und die eigenen Interpretationen noch einmal vielfältiger und direkter zu präsentieren, und zugleich nicht nur spezifisch akademisches Publikum zu erreichen. Für Hörer:innen wiederum sind Podcasts leicht zugänglich und handhabbar und ermöglichen einen niedrigschwelligen Zugang zu wissenschaftlichen Perspektiven.

Im Seminar “Sprechen, Hören, Denken” haben wir das Format Podcast genutzt, um die Methode der Ethnografie – und die didaktischen Mittel ihrer Aneignung – zu erweitern. Die Ethnografie beruht (neben Texten) schon immer auf verschiedenen Medien und Erhebungsformen wie Zeichnungen, Fotografien, Videos oder Mitschnitten von Netzkommunikation. Das spezifische Moment der menschlichen Stimme und die Möglichkeit zur Audioethnografie, die Podcasts bieten, sind aber noch nicht systematisch für den Einsatz in Forschung und Lehre erarbeitet worden. Wir wollten diese Form des „sprechenden Denkens“ (Klenk, 2020) deshalb genauer ausloten.

Wie die Studierenden in Kleingruppen eigene Themen bearbeitet und durch forschendes Lernen eigene thematische und methodische Schwerpunkte gesetzt haben, und welche Voraussetzungen und Anpassungen dazu notwendig waren, besprechen die Leiter:innen des Seminars Anna Rebecca Bertram, Thomas Schmidt-Lux und Andreas Bischof in dieser “Nullnummer” unseres Feeds.

Das Gespräch haben wir im Sommer 2020 anlässlich des (digital stattfindenden) “Tag der Lehre” an der Uni Leipzig aufgenommen. Das am Ende erwähnte Poster mit Audios der Studierenden findet sich hier.