P&P 21 2025
6./7. Oktober 2025
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6./7. Oktober 2025
P&P 21 in Leipzig 6./7.Oktober 2025
Kyenote 1: Volker Dellwo: Warum Linguisten und Phonetiker mehr über Stimmenerkennung lernen sollten.
Es ist erstaunlich, wie wenig darüber bekannt ist, wie Stimmenerkennung in gesprochene Kommunikation eingebettet ist, obwohl sie nahezu ausschließlich dort stattfindet, zum Beispiel bei Sprecherwechseln in Dialogen. Gerade an diesen Übergangspunkten muss die Diskriminierung und Identifizierung von Stimmen besonders zuverlässig funktionieren, um eine kohärente linguistische Verarbeitung über Dialogsequenzen hinweg zu gewährleisten. Dieses Erfordernis hat weitreichende Implikationen sowohl für die Sprachproduktion als auch für die zugrundeliegenden Wahrnehmungsmechanismen. Im Zentrum meiner aktuellen Forschung steht daher die Hypothese, dass Stimmen bei einem erwarteten Sprecherwechsel besonders gut erkennbar sind. Mögliche Ursachen dafür sind (a) eine gezielt Modulation stimmspezifischer Merkmale in der Produktion, um stimmliche Identität zu signalisieren und (b) eine erhöhte Aufmerksamkeit bezüglich stimmliche Merkmale auf der Wahrnehmungsebene bei Sprecherwechseln. Dies betrifft insbesondere die zugrundeliegenden neuro-kognitiven Prozesse, die für die Erkennung von Stimmen verantwortlich sind. Der Vortrag skizziert theoretische Grundlagen und Hypothesen, stellt geeignete experimentelle Testverfahren vor und präsentiert erste empirische Befunde, die zeigen, dass Stimmenwechsel an unerwarteten Positionen im Dialog signifikant schwieriger zu identifizieren sind.
Keynote 2: Melanie Weirich: „Sex and the City“: Geschlechtsspezifische Variation im Kontext
Biologisches und soziales Geschlecht sind Teil unserer Identität. Die soziale Identität und damit auch die Aspekte Geschlecht und Geschlechterrolle können über phonetische Variation ausgedrückt werden. Ein Zusammenhang zwischen fine phonetic detail (wie die mittlere Grundfrequenz, Vokalformanten oder Sibilantenspektren) und Geschlecht wurde sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern gefunden. Die Gründe für diesen Zusammenhang sind vielfältig und umfassen biologische Faktoren, gelerntes Verhalten und soziale Normen. In meinem Vortrag möchte ich den Einfluss sprachexterner Faktoren auf den Ausdruck von Geschlecht in phonetischen Details diskutieren und aufzeigen, dass die Interpretation von geschlechtsspezifischer phonetischer Variation immer in einer kontextuellen Einbindung erfolgen sollte. Einen Kontexte, den ich besonders beleuchten möchte, ist der Einfluss von ostdeutscher vs. westdeutscher Sozialisierung am Beispiel zweier Städte (Jena und Trier), die in ihren (historisch gewachsenen) Geschlechterrollenbildern variieren.