Neben den staatlichen Hilfen, nutzen die Unternehmen auch weitere Möglichkeiten, um während der Corona-Pandemie und den daraus resultierenden Umsatzeinbußen, genügend liquide Mittel zu erlangen, um beispielsweise fällige Rechnungen oder die Löhne der Mitarbeiter fristgerecht zahlen zu können. Eine Möglichkeit der Finanzierung stellt dabei das Factoring dar.

Factoring

Beschreibung

Factoring ist eine Form der Finanzierung, bei der ein Unternehmen seine Forderungen gegenüber seinen Kunden an ein Factoring Institut, den sogenannten Factor, verkauft. Diese Forderungen sind dem Unternehmen beispielsweise durch Dienstleistungen oder Warenlieferungen entstanden. Das Unternehmen bekommt nach dem Verkauf der Forderungen die liquiden Mittel der Forderungen nicht von den Debitoren, sondern vom Factor. Meistens schon vor Fälligkeit der Rechnungen. Diese Liquidität wird gerade während der Corona-Pandemie in den Unternehmen gebraucht, um fällige Rechnungen begleichen zu können und den Unternehmensbetrieb aufrecht erhalten zu können.

 

Rechtsgrundlage

Das Factoring wird in ein echtes und ein unechtes Factoring unterschieden. Das echte Factoring ist dadurch gekennzeichnet, dass der Factor die Dienstleistungsfunktion, die Finanzierungsfunktion und die Delkrederefunktion übernimmt. Dadurch ist das echte Factoring ein Forderungskauf nach §§ 433, 453 BGB. Bei dem unechten Factoring hingegen übernimmt der Factor das Ausfallrisiko nicht. Deswegen handelt es sich bei dem unechten Factoring um ein Kreditgeschäft mit Darlehensgewährung nach § 488 Abs. 1 S. 1 BGB. Außerdem ist das Factoring laut § 1 Abs. 1a Nr. 9 KWG als eine Finanzdienstleistung anzusehen.

 

Anforderungen an die Unternehmen

Das Unternehmen hat grundsätzlich die Anforderungen des Factors zu erfüllen. Diese Anforderungen sind abhängig von dem Factoring Institut und werden im Factoring Vertrag verankert. Grundsätzlich sollten die Unternehmen jedoch folgende Voraussetzungen erfüllen: 

  • Die Laufzeit der Forderungen beträgt maximal 120 Tage bei Inlandsforderungen und 180 Tage bei Auslandsforderungen.
  • Die Forderungen dürfen keine Rechte von Dritten beinhalten und beim Entstehen muss die Höhe feststehen.
  • Die Debitoren des Unternehmens dürfen keinem starken Wechsel ausgesetzt sein.
  • Es muss sowohl von Bonität als auch Seriosität der Kunden ausgegangen werden.

 

 

 

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Fristen

Eine Voraussetzung des Factorings ist die rechtliche Festigung der Forderungsabtretung mittels eines Factoring Vertrags. Dieser Vertrag wird über einen bestimmten Zeitraum geschlossen. Dieser Zeitraum ist in der Regel etwa 2 Jahre, kann jedoch auch automatisch verlängert oder längerfristig geschlossen werden.
Neben dem Abschluss des Vertrags und der darin festgehaltenen Laufzeit, gibt es Ansprüche an die Laufzeiten der Forderungen. Wie im Abschnitt ,,Anforderungen an die Unternehmen'' bereits erwähnt, sollte die Laufzeit der Inlandsforderungen 120 Tage und die Laufzeit der Auslandsforderungen 180 Tage nicht überschreiten.

 

Liquiditätswirkung

Den Unternehmen werden etwa 80% bis 90% der Rechnungssumme, abzüglich der Factoringgebühr, ausgezahlt. 10% bzw. 20% werden auf ein Sperrkonto gebucht, welches als Sicherheit für eventuelle Reklamationen und Skonti bzw. Rabatte dient.
Bei der Finanzierung kann in zwei unterschiedliche Formen unterschieden werden. Bei dem Fälligkeitsfactoring erhält das Unternehmen die 80% bis 90% der Rechnungsbeträge zum durchschnittlichen Fälligkeitstag. Bei dem Vorfälligkeitsfactoring hingegen, erhält das Unternehmen die 80% bis 90% der Rechnungsbeträge direkt nach Erstellung der Rechnungen. Es erhält somit einen Vorschuss und sofort die liquiden Mittel seiner Forderungen.

 

Kosten

Beim Factoring entstehen dem Unternehmen Kosten.
So ergeben sich bei dem Vorfälligkeitsfactoring Kapitalkosten für die Bevorschussung. Diese fallen für den Zeitraum von Inanspruchnahme bis Zahlungseingang an. Neben diesen Zinszahlungen leistet das Unternehmen dem Factor eine Gebühr für die Risikoübernahme sowie ggf. für weitere angebotene Dienstleistungen. Diese Factoringgebühr beträgt etwa 0,5% bis 2,5% der angekauften Rechnungsbeiträge, dies hängt jedoch u.a. von der Bonität der Debitoren ab und kann daher auch höher oder niedriger ausfallen.

 

Besonderheiten

Das Factoring weist neben der Finanzierungsfunktion, also dem Ankauf von Forderungen, noch zwei weitere Funktionen auf.

  • Eine weitere Funktion ist dabei die Delkrederefunktion. Diese unterscheidet das echte Factoring von dem unechten. Damit ist gemeint, dass der Ankauf der Forderungen dafür sorgt, dass das Factoring Institut das Risiko der Zahlungsunfähigkeit der Kunden übernimmt (Ausfall- oder Delkredererisiko). Das Ausfallrisiko trägt somit nicht mehr das Unternehmen, sondern der Factor. Dieses Risiko wird mittels der Factoringgebühr kompensiert.
  • Neben der Finanzierungs- und Delkrederefunktion hat der Factor auch eine Dienstleistungsfunktion. Das bedeutet, dass der Factor Dienstleistungen im Unternehmen, wie beispielsweise das Mahn- & Inkassowesen, die Rechnungserstellung oder Beratungsfunktionen übernehmen kann.

 

Quellen                  

Grundmann, Wolfgang (2019): Leasing und Factoring - Formen, Rechtsgrundlagen, Verträge, 2. Aufl., Wiesbaden: Springer Gabler.            

Reeb Dr. jur., Hartmut (1994): Recht der Kreditfinanzierung, Reprint 2018, Berlin/Boston: Oldenbourg Wissenschaftsverlag.              

Schlitt, Michael (2014): Finanzierungsstrategien im Mittelstand, 1. Aufl., Wiesbaden: Springer Gabler.