Biographie Ernst Jaeger

I. Persönliche Angaben zu Ernst Jaeger

Ernst Jaeger wurde am 22. Dezember 1869 in Landau in der Pfalz als Sohn des Kaufmanns Jakob Georg Jaeger (1833-1877) und dessen Frau Friederika Elisabetha Jaeger, geb. Simon, (1838-1869) geboren. Jaeger besuchte von 1879-1888 das humanistische Gymnasium seiner Heimatstadt.
Im Jahr 1888 trat Jaeger seinen einjährigen, freiwilligen Militärdienst im preußischen Infanterie-Regiment Nr. 132 Straßburg an.
Am 19. September 1896 heiratet er Wilhelmine Schmidt (geb. 22. September 1874). Am 14. August 1897 wurde der erster Sohn Walther Jaeger geboren, er fiel im Ersten Weltkrieg an der Westfront (St. Quentin) am 18. August 1918. Im darauf folgenden Jahr wurde der zweite Sohn Ernst-Walter am 4. Dezember 1919 geboren, er besuchte später die Thomasschule in Leipzig.
 Geheimrat Professor Dr. jur., Dr. rer. pol. h. c. Ernst Jaeger verstarb am 12. Dezember 1944 in Leipzig.

II. Juristischer Werdegang

Die Studienzeit und das Referendariat
Nach dem Abitur studierte Jaeger bis 1892 in Straßburg, Heidelberg, Leipzig und Erlangen.
1893 wurde er in Erlangen bei Konrad Hellwig, bei dem Jaeger auch die Vorlesungen zum Konkursrecht besuchte, mit seiner Dissertationsschrift „Die Voraussetzungen eines Nachlasskonkurses“ zum Doktor der Rechte. Von 1892 bis 1895 leistete Jaeger in Landau seinen juristischen Vorbereitungsdienst ab. Sein zweites Staatsexamen absolvierte er 1895 in Speyer am Rhein.

Vom Richteramt zur außenordentlichen Professur
Im Anschluss an den Vorbereitungsdienst begann Jaeger seine Assessortätigkeit im bayrischen Justizdienst. Am 01. Oktober 1898 wurde er zum Amtsrichter in seiner Heimatstadt Landau ernannt. Seine im Jahr 1987 erschienene Monographie „Der Konkurs der offenen Handelsgesellschaft“ wurde so wertschätzend von der juristischen Fachwelt aufgenommen, dass Jaeger ohne Habilitationsverfahren am 01. April 1899 einen Ruf als Extraordinarius für das bürgerliche Recht von der Universität Erlangen erhielt.

Der Ruf nach Würzburg und nach Leipzig

Im Oktober 1900 folgte er dem Ruf der Universität Würzburg auf eine ordentliche Professur für Zivil- und Zivilprozessrecht. In Würzburg widmete sich Jaeger einer systematischen Gesamtdarstellung des deutschen Konkursrechts . Das Ergebnis dieser Arbeit war der 1901 erschiene Kommentar zur Konkursordnung (KO), der zur Insolvenzordnung wiederaufgelegt wurde und heute in aktuellen Auflagen fortgesetzt wird. Jaeger verfolgte das Ziel, die Rechtsmaterie des Konkursrechts wissenschaftlich zu durchdringen und einer zweckmäßige Rechtsanwendung zugänglich zu machen. Jaegers Kommentar zur Konkursordnung ging damit über die bloße Darstellung des aktuellen Stands von Rechtsprechung und Rechtslehre hinaus (Bernhard, ZZP 1950, 1 f.).
Im Jahr 1905 erhielt und folgte Jaeger dem Ruf der Universität Leipzig auf den Lehrstuhl für Zivil- und Zivilprozessrecht an der damals angesehensten deutschen Rechtsfakultät. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1935 galt seine „Liebe und Sorge“ (Bernhard, ZZP 1950, 1) der Leipziger Juristenfakultät, die er von 1913-1914 und 1919-1920 auch als Dekan leitete.

III. Wissenschaftlicher Einfluss Jaegers

Mit der ersten Auflage seines Kommentars zur Konkursordnung, der in der Fachliteratur als „Meisterkommentar“ betitelt wurde (Künne, Gläubigerschutz, 1939, 89), und dem nicht minder erfolgreichen Kommentar zum Anfechtungsgesetz (1905) sowie seinem Lehrbuch des Deutschen Konkursrechts (1924), schaffte sich Jaeger ein enormes Ansehen in der juristischen Fachwelt, so dass er bei Entscheidungen des Reichsgerichts zur Konkursordnung stets gewürdigt wurde. „Wohl selten hat ein Gelehrter die Rechtsprechung des Reichsgerichts derart beeinflusst, wenn nicht gar beherrscht, wie es Jaeger getan hat.“ (Künne, Gläubigerschutz, 1939, 89). Der wissenschaftliche Einfluss Jaegers erstreckte sich auch über die nationalen Grenzen hinaus. So vertraute sich die japanische Regierung bei der Erneuerung ihrer Konkursordnung der Kompetenz Jaegers an. Die japanische Konkursordnung vom 24. April 1922, der als wesentliches Vorbild die deutsche Konkursordnung diente, wurde weitreichend von Jaeger geprägt (Bernhard, ZZP 1950, 1).
Jaeger galt als „erste Autorität auf dem Gebiete des Konkursrechts“ (Künne, Gläubigerschutz, 1939, 89; Bernhard, ZZP 1950, 1f.).

IV. Werke

- „Die Voraussetzungen eines Nachlasskonkurses“, Erlangen, 1893
- „Der Konkurs der offenen Handelsgesellschaft“, Tübingen, 1897
- „Kommentar zu Konkursordnung“ , Berlin, 1. Auflage, 1901, 2. Auflage, 1904, 3. Auflage, 1913, 4. Auflage, 1913, 5. Auflage, 1916, 6. Auflage, 1931,
7. Auflage, 1936
- „Kommentar zum Anfechtungsgesetz“ 1.Auflage 1905, 2.Auflage 1938
- „Die Gläubigeranfechtung außerhalb des Konkursverfahrens“, 1905
- „Die offenen Handelsgesellschaft im Zivilprozess“, Berlin, 1915
- „Reichszivilgesetze : eine Sammlung der wichtigsten Reichsgesetze über Bürgerliches Recht und Rechtspflege ; für die Hochschule und die Praxis mit systematischem und alphabetischen Gesamtregister“,  München u. a., 1919
- „Schwarz-Rot-Gold in der deutschen Geschichte. Kulturhistorischer Beitrag zur Flaggenfrage“, Berlin 1923
- „Sächsische Landesgesetze“ (Hrsg.), Leipzig 1925
- „Lehrbuch des Deutschen Konkursrechts“ , Berlin 1932

Jaeger war Mitherausgeber der „Zeitschrift für Deutschen Zivilprozess“ und der Zeitschrift „Konkurs und Treuhand“.
Die Zeitschrift für Insolvenzrecht „KTS – Konkurs Treuhand Sanierung“, heute als „ KTS- Zeitschrift für Insolvenzrecht" fortgeführt, wurde von Jaeger zusammen mit Leopold Levy begründet.

(Christopher Schmidt)

 

 


letzte Änderung: 23.11.2012 

Ernst-Jaeger-Institut für Unternehmenssanierung und Insolvenzrecht