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Wissenswertes Katalanisch: Feste & Bräuche

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Fragen zur Sprache, zum Land und zu Bräuchen

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Bon nadal!

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Interview mit Frau Hernández

Mara Hernández

Fragen zur Sprache, zum Land und zu Bräuchen

Fragen zur Sprache

Wo spricht man heutzutage Katalanisch und welchen Status hat die Sprache in Spanien/in Europa? 

Katalanisch wird sogar in vier europäischen Ländern gesprochen. In Spanien spricht man sie auf den Balearen, in der autonomen Region Valencia, einem Randstreifen Aragoniens, einem kleinen Gebiet der Region Murcia und natürlich in Katalonien. Dort ist sie auch Amtssprache zusammen mit dem Spanischen und Aranesischen. In Andorra ist Katalanisch sogar die einzige Amtssprache. Darüber hinaus wird sie in in der französischen Region Languedoc-Roussillon und in der italienischen Stadt L’Alguer - an der Nordwestküste Sardiniens- gesprochen.
Hinsichtlich der Anzahl der Sprecher ist Katalanisch etwa mit dem Portugisischen oder Schwedischen zu vergleichen. Insgesamt zählt sie mehr als 10 Millionen Sprecher und ist damit in den Top-15 der meistgesprochenen Sprachen der Europäischen Union. Also ist sie ja wohl keine Minderheitssprache ☺!

Kann jemand, der Spanisch gut kann (Niveau B1/B2) Katalanisch verstehen?  

Da Katalanisch eine romanische Sprache ist, die viele Gemeinsamkeiten mit dem Spanischen aufweist, wird es kein riesen Problem sein, die Speisekarte oder die Hinweisschilder zu verstehen. Es ist aber ein Irrglaube, dass man mit Spanischkenntnissen auch gleich Katalanisch verstehen wird. Es ist genauso schwierig oder einfach, als Deutscher Niederländisch zu verstehen oder als Spanier, Italienisch.

Worin bestehen hauptsächlich die Unterschiede zwischen Spanisch und Katalanisch? 

Es ist schwer zu beantworten, da die Sprachen trotz des gemeinsamen Ursprungs sehr unterschiedlich sind. Besonders auffällig sind die Unterschiede in der Aussprache und der Prosodie. Auch der Wortschatz ist ein Anderer.

Katalanisch hat eine ganze Reihe Eigenarten, die sich in keiner anderen romanischen Sprache finden. Doppelbuchstaben in der Orthographie wie z. B das ŀl (ela geminada): zwei durch einen Mittelpunkt getrennten l, die in Wörtern wie peŀlícula (Film), inteŀligent (intelligent), siŀlaba (Silbe) vorkommen. Der in vielen Wörtern fehlende Vokal am Wortende, was dazu führt, dass es auf Katalanisch oft einsilbige Wörter gibt… Einzigartig ist auch der Gebrauch des pretèrit perfet perifràstic, einer zusammengesetzten Vergangenheitsform, die mit einer besonderen Form des Verbs anar (gehen) im Präsens und einer Infinitivform gebildet wird und die häufigste Vergangenheitsform im Katalanischen ist. 

Wofür braucht man Katalanisch? (öffentlicher Dienst arbeiten? Uni? Alltag in kleinen Städten?)

Katalanisch ist, vor allem in Katalonien, in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens präsent. Es ist die Sprache der Verwaltung, des Handels und des Erziehungswesens. Die Kinder werden in der Schule fast ausschließlich auf Katalanisch unterrichtet und auch an den Universitäten sind viele Vorlesungen auf Katalanisch. Wer im öffentlichen Dienst arbeiten möchte, muss auch ein höheres Katalanisschniveau nachweisen.

Fragen zur Mentalität

Gibt es ein Lebensmotto der Katalanen? Wenn ja, wie heißt es? 

Für mich wäre ein Lebensmotto der Katalanen z. B. das der „Castellers“ – die katalanischen Menschenpyramidenbauer: „Pit i amunt!“! in etwa „Halt und weiter nach oben!“ Es beschreibt für mich die Kraft, den Mut, den Zusammenhalt und die Entschlossenheit der Katalanen.

Fragen zum Land

Wenn man nur eine Woche Zeit für einen Aufenthalt in Katalonien hätte, was sollte man unbedingt sehen?  

Katalonien ist so ein vielfältiges Land, dass ich große Schwierigkeiten habe auszuwählen. Neben der Hauptstadt Barcelona, muss man Girona gesehen haben. Z. B. das Judenviertel und die beeindruckende gotische Kathedrale würde ich auf keinen Fall verpassen wollen. Wenn möglich, sollte man die Stadt in Oktober, während der Festen von Sant Narcís besuchen. Auch Tarragona mit seinen gut erhaltenen römischen Bauten ist einen Besuch wert. Aber auch den mittelalterlichen Dörfern der Costa Brava und den wunderschönen Pyrenäen würde ich einen Besuch abstatten.

Welche Gerichte würden Sie einem Besucher in einem katalanischen Restaurant unbedingt empfehlen? Gibt es auch ein Gericht, das man besser meiden sollte?

In einem Restaurant an der Küste würde ich unbedingt „Arròs caldós“ empfehlen, ein typisches Reisgericht mit viel Fisch und Meeresfrüchten. Auf den Bergen gibt es für Fleischliebhaber auch köstliche Rindfleischgerichte.Da die Katalaner ein äusserst mikophiles Volk sind, sollte man im Herbst unbedingt „Rovellons“ probieren. Ein besonderer, schmackhafter Pilz unserer Wälder, der leider immer seltener wird. Escalivada gehört auch zu meinen Liebligsspeisen; das sind direkt über dem Feuer gegrillte Paprika und Auberginen, die später in Olivenöl und Knoblauch eingelegt werden. Alles auf „Pa und Tomaquet“ (mit frischen Tomaten bestrichenes Brot) ergibt ein tolles Abendbrot. 

Wie feiert man Weihnachten in Katalonien? (Gibt es typische Bräuche, die nur in Katalonien –und nicht in Spanien- zu finden sind? Welche? 

Komischerweise sind die typischen katalanischen Weihnachtsbräuche ziemlich skatologisch ☺.
Ganz wichtig für die Katalaner ist der Bau einer Weihnachtskrippe; dabei wird die ganze Landschaft um die Krippe herum mit dargestellt. In dieser Landschaft darf die Figur des „Caganers“ (ein Mann der seine Notdurft verrichtet) nicht fehlen.

Unter dem folgenden Link kann jeder seine eigene Krippe zusammenstellen und den Caganer dort plazieren, wo man ihn haben möchte.

Ein weiterer katalanischer Brauch ist das Schlagen des „Tió“, ein Holzstamm mit menschlischem Gesicht und katalanischer Bauernmütze, der von den Kindern in der Vorweihnachtszeit mit Leckereien gefüttert wird. Am 25. Dezember wird er unter dem Absingen des „Caga Tió“- Liedes mit einem Stock geschlagen. Nach erfolgreichem Klopfen „kackert“ der Tió den Kindern Süssigkeiten und kleine Geschenke.  

Sant Jordi

Maria Sipaila Bittner

Sant Jordi: Tag des Buches und der Rose für die Katalanen

Am 23. April sind alle Katalanen mit einem Buch oder einer Rose in der Hand unterwegs. Um die Plaҫa des Sant Jaume in Barcelona herum findet ein großer Rosenmarkt statt, und man kann überall in der Stadt Bücher kaufen. Die Tradition, einen Geliebten an diesem Tag mit Rosen zu beschenken, kann man bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Erst in den 1920er Jahren, als man den Todestag des berühmtesten spanischen Schriftstellers, Miguel de Cervantes, zu ehren begann, kam der 23. April als Tag der Literatur und des Buches dazu.

Dass der Tod von Cervantes und der Tag des Schutzpatrons der Katalanen auf denselben Tag fiel, war ein Zufall, der zwei unterrschiedliche Bräuche zusammen brachte.

Die Legende von Sant Jordi:

Seit dem 8. Jahrhundert wird der Heilge Georg (Sant Jordi) in Katalonien verehrt. Er gilt als christlicher Märtyrer, der zu seinem Glauben stand, und als Beschützer der Verliebten. Einer der bekanntesten und populärsten Legenden, die der Ursprung des Beschenkens mit Rosen an diesem Tag ist, beschreibt, wie Sant Jordi einen Drachen besiegte. Der Drache versetzte ein ganzes Dorf in Angst und Schrecken, indem er täglich zwei Lämmer und eine Jungfrau von den Dorfbewohnern verlangte. Eines Tages traf das Los die Tochter des Königs, doch als das Monster sie verzehren wollte, kam Sant Jordi und rettete sie. Die Prinzessin und die gesamte Bevölkerung trat zum Christentum über. Aus diesem Grund ist Sant Jordi in Katalonien auch der Schutzpatron der Verliebten, und die Rose das Symbol der Liebe.

Sant Jordi 2014

Maria Sipaila Bittner

Welche Bücher verschenken die Katalanen am diesjährigen Tag des Buches und der Rose?

Dieses Jahr wird in Katalonien die offizielle Liste der meistverkauften Bücher für Sant Jordi erst am 23. April veröffentlicht. Bereits vorab gelten jedoch folgende Bücher als Favoriten in den Buchläden Barcelonas. Für jeden Geschmack gibt es hier eine kleine Auswahl der literarischen Vorlieben der Spanier. Machen Sie es wie die Katalanen zu Sant Jordi und schenken Sie einem Freund ein Buch - und vielleicht bekommen Sie dann eine Rose...

Fünf der Buch-Favoriten in Katalonien:

  • La gran desmemoria (Die große Vergesslichkeit), von Pilar Urbano. Eine kritische Vision der Geschichte Spaniens in der Zeit des Demokratisierungsprozesses nach dem Tod vom Diktator F. Franco.
  • Las tres bodas de Manolita (Die drei Hochzeiten von Manolita), von Almudena Grandes. Roman. Madrid gleich nach dem Ende des Bürgerkrieges. Manolita ist ein 18-jähriges Mädchen, das in diesen schwierigen Zeiten überleben muss...
  • Yo fui a EGB (Ich ging auch zur EGB; EGB = das Schulsystem der 1980er), von Javier Ikaz. Das Buch ist eine Retrospektive der spanischen Jugend in den 1980er Jahren. Witzig, mit vielen Bildern und einem interessanten Format ist es ein tolles Geschenk für „Insider, die auch zur EGB gingen“.
  • Dies de frontera (Grenz-Tage), von V. Pagès Jordà, Sant-Jordi-Preisträger 2013. Roman über ein typisches Paar der heutigen Zeit, Leute die nichts „für immer“ haben. Über die Unsicherheit der Arbeit, der Beziehungen, der Zukunft.
  • 9 N 2014, von Jaume Barberás. Der katalanische Journalist stellt in diesem Buch die aktuelle soziale und finanzielle Situation Spaniens kritisch dar. Kein Roman, sondern ein Aufruf an die Spanier, die eine bessere Zukunft selber erarbeiten müssen...

 

Bon nadal!

Maria Sipaila

Weihnachten in Katalonien

Wie in vielen Regionen Spaniens haben auch die Katalanen einen eigenen Brauch zur Weihnachtszeit: den Tiò de Nadal oder besser bekannt als „Caga tió“. Dieser Weihnachtsbrauch heidnischen Ursprungs könnte uns etwas eigenartig vorkommen, denn schon der Name scheint mit der Weihnachtszeit und der Geburt Christi nicht sehr viel zu tun zu haben („Caga tió“ heißt wortwörtlich „Kacke, Holzklotz“), jedoch erfreut sich dieser Brauch großer Beliebtheit, vorwiegend bei den Kindern.

Der Tió ist ein hohler Baumstamm mit fröhlichem Gesicht bemalt, zwei kurzen Beinen und einer roten Kappe, der schon am 8. Dezember (Mariä Empfängnis) die Häuser der Katalanen schmückt. Von diesem Tag an und bis zum Heilgabend füttern ihn die Kinder mit Äpfeln, Nüssen und Brot und sorgen dafür, dass sein Magen immer größer wird.

Nach dem festlichen Weihnachtsessen am 24. Dezember treffen sich Kinder und Eltern vor dem Tió, der schon von den Eltern mit einer Decke und vielen Süßigkeiten darunter hergerichtet wurde. Die Kinder bekommen einen Holzknüppel. Dann geht es richtig los: Lieder werden gesungen und zu dem Ruf „caga tió“ schlagen die Kinder auf den Holzklotz. Die Eltern holen unter der Decke immer neue kleine Geschenke und Süßigkeiten hervor, die sie an die Kinder weitergeben. Dies wiederholt sich solange, wie die Kinder singen und es unter dem Baumstamm Süßigkeiten gibt. Manchmal müssen die Kinder den Raum verlassen, „um die Holzknüppel aufzuwärmen“ bzw. damit die Eltern Nachschub an Turrones, Schokolade und Nüssen unter die Decke schieben können. Wenn zum Schluss der Tió nur noch Zwiebel oder Knoblauchzehen „kackt“, ist das Spiel zu Ende.

Hier ist der Text eines der vielen Lieder, die man beim Schlagen singt. Es kann für deutsche Ohren sehr unsittlich klingen, vielleicht gewöhnungsbedürftig, wenn man es hört. Aber wie man immer wieder hört, andere Länder (oder Regionen), andere Sitten...

Hier der Text eines der vielen Lieder:

Caga tió, d'avellanes i de pinyó. 
Pixa vi blanc de les festes de Nadal.
Ara vénen festes, festes glorioses.
Menjarem conill i llebres si en tenim.
Caga tió, caga tió, si no vols cagar,
et donaré un cop de bastó. 

Übersetzung:

Scheiß Tió, die Haselnüsse und Pinienkerne.
Piss Weißwein vom Weihnachtsfest.
Jetzt kommt das Fest, das glorreiche Fest.
Wir werden Kaninchen und Hasen essen, wenn wir sie haben.
Scheiß Tió, scheiß Tió, wenn du nicht scheißen willst,
dann werde ich Dir einen Schlag mit dem Stock geben.