MoBile – Der Beitrag sprachlicher und exekutiver Prozesse zur kognitiven und akademischen Leistung bei ein- und zweisprachigen Grundschulkindern

Beschreibung:

Zweisprachige Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund zeigen bereits während der Grundschulzeit schwächere schulische Leistungen als einsprachige Gleichaltrige. Diese Schwierigkeiten zweisprachiger Schülerinnen und Schüler werden häufig auf defizitäre Kenntnisse in der Instruktionssprache zurückgeführt, also bei Grundschulkindern in Deutschland auf mangelhafte Deutschkenntnisse. Neben diesen Nachteilen zweisprachiger Kinder gibt es in der kognitionspsychologischen Literatur aber auch Hinweise darauf, dass zweisprachige Kinder gegenüber einsprachigen Vorteile im Bereich der exekutiven Funktionen (EF) haben.

Ausgehend von diesem Stand der Forschung verfolgt das hier beschriebene Projekt zwei Ziele. Im ersten Projektteil möchten wir unter anderem folgende Fragen beantworten: Können Kinder mit guten EF – unter denen zweisprachige Kinder im Vergleich zu einsprachigen überrepräsentiert sind – Schwächen in ihren sprachlichen Kompetenzen teilweise kompensieren? Welche Zusammenhänge gibt es zwischen Sprachstatus (ein- vs. zweisprachig), sprachlichen Kompetenzen und EF und was sind ihre distinkten und gemeinsamen Beiträge zu schulischen Leistungen? In einem längsschnittlichen Design werden im Abstand  von ca. 4 Monaten die sprachlichen, kognitiven und schulischen Fähigkeiten (Lesen, Schreiben und Mathematik) einsprachig deutsch und zweisprachig deutsch-russisch bzw. deutsch-türkisch aufgewachsener Kinder im dritten Schuljahr (8-9 Jahre) erhoben. Im Bereich der kognitiven Fähigkeiten werden je zwei Indikatoren für die drei Teilbereiche der EF (Arbeitsgedächtnis, Inhibition, Kognitive Flexibilität) sowie als Kontrollvariable die nonverbale Intelligenz erfasst.

Die Vorteile zweisprachiger Kinder gegenüber einsprachigen im Bereich der Exekutiven Funktionen werden von manchen Autoren als nicht hinreichend belegt angesehen. Um das Verständnis dafür zu vertiefen, wie genau und unter welchen Umständen bilinguale Vorteile entstehen, konzentriert sich der zweite Teil des Projekts auf die genauere Untersuchung der zugrundeliegenden kognitiven Prozesse beim Lösen komplexer EF-Aufgaben bei zweisprachig- versus einsprachig-aufgewachsenen Kindern. In einem experimentellen Desgin untersuchen wir die Nutzung verbaler Selbstinstruktion einerseits und aufmerksamkeitsbezogene Prozesse andererseits. Inwiefern hängen Blickbewegungsmuster als Indikator für Aufmerksamkeitsprozesse bei Ein-und Zweisprachigen mit der Performanz bei EF-Aufgaben zusammen? Was sind die Unterschiede im Einsatz verbaler Selbstinstruktion bei ein- und zweisprachigen Kindern? In zwei Testsitzungen werden mit deutsch-sprachigen und deutsch-russisch-sprachigen Grundschulkindern (3. Schulklasse) die komplexe Planungsaufgabe Tower of London sowie der affektiv bedeutsame Iowa Gambling Task durchgeführt. Die Messung erfolgt am Computer und mit Eye-Tracking werden die Blickbewegungen der Kinder erfasst. Die nicht direkt beobachtbaren Selbstinstruktionen werden mittels eines verbalen Interferenz-Paradigmas untersucht.

Mitarbeiter(Innen) im Projekt:

M.Sc. Susanne Enke

Prof. Dr. Henrik Saalbach

Dr. Catherine Gunzenhauser

M.Sc. Lenka Pokorna

Prof. Dr. Julia Karbach

LL.M. Irina Krotova

B.A. Alina Winter

Bei Interesse an Mitarbeit in diesem Forschungsprojekt im Rahmen von Abschlussarbeiten lesen Sie bitte folgende Richtlinien (link).

Informationen zum Projekt:

Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

(Laufzeit: 01.08.2017 – 31.07.2020)

Description:
The contribution of linguisitc and executive processes to the cognitive and academic achievement in mono- and bilingual primary school students.

Already in primary school, bilingual students with an immigrant background show academic achievements significantly below those of their monolingual peers. Those difficulties are most probably due to a low proficiciency in the language of instruction. Beside those disadvantages bilinguals are facing, cognitive psycholoy has shown advantages of bilingual children in the domain of cognitive control processes, known as executive functions (EF), compared to monolinguals.

The project described here has two objectives. In the first part of the project, we would like to answer the following questions: Can children with high EF competencies – under which bilingual children are over-represented in comparison to monolinguals – partially compensate for deficits in their language skills? Which relationships do exist between language status (mono- vs. bilingual), language skills and EF and what are their distinct and shared contributions to academic achievement? In a longitudinal design with two obersavtions at intervals of 4 months, we will assess the linguistic, cognitive and academic skills (reading, writing and mathematics) in German monolingual students (3rd grade) and bilingual children with a German-Russian or German-Turkish background. Concerning ​​cognitive abilities, two indicators for each of the three components of EF (working memory, inhibition, cognitive flexibility) and non-verbal intelligence as a control variable will be assessed.

Some authors have challenged the view of a bilingual advantage in EF, arguing that the evidence for a bilingual advantage is mixed. Therefore, to further the understanding of how exactly and under which circumstances bilingual advantages emerge, the second part of the project focuses on the more detailed investigation of the underlying cognitive processes in solving complex EF tasks in bilingual versus monolingual children. In an experimental design, we examine the use of verbal self-instruction on the one hand, and attention-based processes on the other. To what extent are eye movement patterns – as an indicator of attentional processes – in monolinguals and bilinguals related to performance in EF tasks? What are the differences in the use of verbal self-instruction in mono- and bilingual children? In two test sessions, the complex planning task Tower of London and the emotionally significant, hence “hot”, Iowa Gambling Task are carried out with German-speaking and German-Russian-speaking elementary school children (3rd grade). The computer-based measurement will be accompanied by eye-tracking to record children’s eye movements. A verbal interference paradigm will help to examine the not directly observable self-instructions.

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