Kurzvita – Theodor Litt

Theodor Litt wurde am 27. Dezember 1880 in Düsseldorf geboren. Sein Elternhaus war bildungsbürgerlich geprägt; sein Vater war Oberlehrer und später Professor an der Oberrealschule Düsseldorf. Von 1890 bis 1899 besuchte er das Humanistische Gymnasium in Düsseldorf, um im Anschluß in Bonn von 1899 bis 1904 in einem Lehramtsstudiengang alte Sprachen, Geschichte und Philosophie zu studieren. 1904 beendete er sein Studium mit seiner Promotion in Altphilologie mit einer in lateinischer Sprache abgefaßten Dissertation, um anschließend seine Lehrtätigkeit zuerst in Bonn, dann in Köln als Oberlehrer am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium aufzunehmen. Die Erfahrung des 1. Weltkrieges wurde für ihn zum Auslöser seiner Hinwendung zur Philosophie und wissenschaftlichen Pädagogik. Sein universitärer Werdegang vollzog sich nun in raschen Schritten: Bereits 1919 erhielt er eine außerordentliche Professur für Pädagogik an der Universität Bonn und ein Jahr später übernahm er den Lehrstuhl für Philosophie und Pädagogik an der Universität Leipzig als Nachfolger Eduard Sprangers, der an die Universität Berlin wechselte. 1931/1932 war Litt Rektor der Leipziger Universität.

In der Weimarer Zeit machte sich Litt durch grundlegende Werke einen Namen. Weitreichende Bedeutung für Philosophie, Soziologie und Staatsrechtslehre erlangte vor allem seine 1919 erstmalig publizierte Grundlegung der Kultur- und Sozialphilosophie „Individuum und Gemeinschaft“, ein Werk, das 1924 und 1926 jeweils in völlig neu bearbeiteten Auflagen erschien, Litt als Kulturphilosophen bekannt machte und ihn in eine Reihe mit Ernst Troeltsch, Ernst Cassirer und Georg Simmel stellte.

Seine kulturpädagogische Perspektive führte ihn zu einer kritischen Einstellung gegenüber den zahlreichen reformpädagogischen Bewegungen. Sein auf dem Weimarer Kongreß 1926 gehaltener und anschließend veröffentlichter Vortrag „Die gegenwärtige Lage der Pädagogik und ihre Forderungen“ sowie sein klassisches Werk „Führen oder Wachsenlassen“ geben hiervon ein beredtes Zeugnis. Generell erhält sein in der Weimarer Republik entstandenes Werk eine Absage an alle irrationalistischen, romantischen und organologischen Weltanschauungen. Hierdurch war bereits eine Gegnerschaft Litts zum Nationalsozialismus begründet.

Zudem verstand sich Litt als kompromissloser Verteidiger der Freiheit von Forschung und Lehre, wie er generell die unverzichtbare Eigenständigkeit der unterschiedlichen Kulturgebiete betonte.

Auf dieser Grundlage geriet Litt als konsequenter Charakter in eine oppositionelle Haltung zum Nationalsozialismus und wurde von dessen Vertretern auch von Anfang an als inhaltlicher Antipode verstanden.

1936 schließlich sah er für sich nur noch die Möglichkeit, sich auf eigenen Antrag hin vorzeitig emeritieren zu lassen; dem wurde 1937 stattgegeben. Seine – vorrangig auf dessen Anthropologie zielende – Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in Vorträgen und Publikationen führte Litt allerdings auch nach diesem Zeitpunkt weiter. 1941 erhielt er schließlich von der Gestapo Auslandsreise- und Redeverbot.

Aufgrund seiner Gegnerschaft zum NS-Regime konnte Litt sogleich nach Ende des Zweiten Weltkrieges an der Universität Leipzig seine Lehrtätigkeit wieder aufnehmen. Er erkannte aber schnell die ähnlichen totalitären Strukturen und erfuhr auch erneut Einschränkungen in seiner Lehr- und Vortragstätigkeit. Im Oktober 1947 folgte er deshalb einem Ruf an die Universität Bonn, um dort eine Professur für Philosophie und Pädagogik und die Leitung des neugeschaffenen Instituts für Erziehungwissenschaft zu übernehmen.

Auch nach seiner Emeritierung 1952 hielt Litt weiterhin vor sehr großer Hörerzahl Vorlesungen und setzte seine ungewöhnlich breite Vortragstätigkeit über die gesamte Bundesrepublik bis zu seinem Tod im Jahre 1962 fort.

Neben der Weiterführung seiner anthropologischen und geschichtsphilosophischen Fragestellungen entwickelte Litt nach 1945 in expliziter Auseinandersetzung mit totalitären Systemen eine Konzeption politischer Bildung für die Demokratie und entwarf eine den Herausforderungen der modernen Industriegesellschaft korrespondierende Bildungstheorie.

Über die Vielzahl der wissenschaftlichen Ehrungen hinaus wurde sein öffentliches Engagement als Philosoph und Pädagoge in der Bundesrepublik durch die Aufnahme in die Friedensklasse des Ordens Pour le Mérite (1952) und die Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes (1960) gewürdigt.