home Die Ausstellungen Ausstellungsarchiv

 

Klick für Zoom
 

 

Werner Tübke
Arbeiterklasse und Intelligenz

Buch und Ausstellung
3. September – 5. November 2006
Ausstellung im Museum der bildenden Künste Leipzig

In Kooperation mit der Kustodie der Unversität Leipzig und der Galerie Schwind, Leipzig

Podiumsdiskussion, Mittwoch, 25. Oktober 2006, 19 Uhr
mit Erich Loest (Schriftsteller, Leipzig) und Prof. Karl-Siegbert Rehberg (Technische Universität Dresden)
Moderation: Prof. Frank Zöllner (Universität Leipzig)
Museum der bildenden Künste Leipzig, Katharinenstr. 10
Eintritt 5,--/3,50 Euro

 

Kustodieshop




 


© VG Bild-Kunst, Bonn 2006
© Abbildungen: Christoph Sandig, Bernd Wittwer, Kustodie der Universität Leipzig, Universität Leipzig

 

 

Das monumentale Wandbild Arbeiterklasse und Intelligenz, das 1970 für das Foyer des Rektorats des Leipziger Universitätshauptgebäudes in Auftrag gegeben und 1973 von Werner Tübke vollendet wurde, ist der breiteren Öffentlichkeit trotz seiner allgemeinen Zugänglichkeit erstaunlich unbekannt geblieben. Der Abbau des Bildes im Frühjahr 2006 im Zusammenhang mit der Campusumgestaltung bietet nun Gelegenheit, das Werk neu ins Bewusstsein zu rücken, bevor es für längere Zeit und bis zur Fertigstellung des Universitätsneubaus ins Depot des Museums der bildenden Künste verbracht wird. Das Gemälde bildet den Mittelpunkt einer monographischen Ausstellung mit vorbereitenden Studien, Aquarellen, Gemäldeentwürfen und Dokumenten aus dem Nachlass des Künstlers. Sie werden zum größten Teil erstmals präsentiert. Gleichzeitig sind einige Arbeiten aus dem zeitlich parallelen Schaffen Werner Tübkes zu sehen.

Anlässlich der Ausstellung gibt die Kustodie der Universität die umfangreiche Werkmonographie „Werner Tübkes Arbeiterklasse und Intelligenz - Studien zu Kontext, Genese und Rezeption“ heraus (Michael Imhof Verlag, Petersberg, ca. 28 x 24 cm, 128 S., 82 Abb., fest geb., ISBN 3-86568-199-9). Das Buch enthält neben Detailaufnahmen vom Wandgemälde und historischen Fotos aus der Entstehungszeit bisher unpubliziertes Material (Skizzen, Entwürfe, Zeichnungen). In den Beiträgen sechs verschiedener Autoren werden das Gemälde und die Umstände seiner Entstehung aus historischer und kunstgeschichtlicher Perspektive beleuchtet. Erhältlich ist die Werkmonographie in der Ausstellung im Museum der bildenden Künste sowie nach Ausstellungsende über die Kustodie.

Das 13,80 m lange Gemälde im ehemaligen Rektoratsgebäude der damaligen Karl-Marx-Universität stellte das größte öffentlich zugängliche Werk des Künstlers in Leipzig dar. Inhalt, Aussage und Funktion dieser staatlichen Auftragsarbeit gaben und geben Anlass zu kontroversen Diskussionen. Zwar knüpft das Gemälde mit seinem Farbenreichtum, der detaillierten, handwerklich geschickten Ausarbeitung der Figuren und einer außergewöhnlichen Komposition an die Alten Meister der Renaissance, des Manierismus und des Barock an – und entsagt somit den gewöhnlichen Stilmitteln des sozialistischen Realismus. Jedoch müssen die Umstände seiner Entstehung auch kritisch betrachtet werden: Das Bild wurde im Auftrag der SED-Kreisleitung gemalt, trägt einen programmatischen Titel und portraitiert, neben Universitätsangehörigen, die Leipziger SED-Parteifunktionäre.

Der Ansatz der Publikation ist ein historischer: Im Vordergrund der Betrachtung stehen zunächst die Voraussetzungen des Bildes auf den verschiedensten Ebenen, auch vor allem in politischer bzw. kulturpolitischer Hinsicht. Prof. Dr. Günther Heydemann (Historisches Seminar der Universität Leipzig, Professur für Neuere und Zeitgeschichte) untersucht das zeitgeschichtliche Umfeld des Machtwechsels von Ulbricht auf Honecker und die Kulturpolitik der DDR in jener Epoche; die Situation der Universität Leipzig in den Jahren um 1970 skizziert Prof. Dr. Dr. Dr. h. c. Günther Wartenberg (Institut für Kirchengeschichte der Universität Leipzig und Vorsitzender der Kommission für Universitätsgeschichte). Den architektonischen Kontext des Wandbildes sowie die ideologischen Vorgaben für die künstlerische Ausstattung des sozialistischen Campus in seinen verschiedenen Entwicklungsstadien analysiert Prof. Dr. Thomas Topfstedt (Institut für Kunstgeschichte der Universität Leipzig, Professor für Kunstgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts). Der Hauptteil des Buches ist der künstlerischen Genese des Leipziger Wandbildes gewidmet. Die Vorgaben für den Künstlerwettbewerb, die Evolution der Komposition über verschiedene Entwurfsstadien, das erhaltene, weitgehend unpublizierte Skizzen- und Studienmaterial sowie die Dokumentationsfotos der malerischen Ausführung untersucht Ulrike Garvert M. A., die sich diesem Thema bereits im Rahmen ihrer Magisterarbeit am Institut für Kunstgeschichte gewidmet hatte. Auch die Frage kunsthistorischer Vorbilder Tübkes wird hier aufgeworfen. Dr. sc. Günter Meißner, Autor einer großen Tübke-Monographie des Jahres 1989, die in enger Zusammenarbeit mit dem Maler entstand, schildert die Stellung des Wandbildes im Gesamtwerk Tübkes. Dr. Rudolf Hiller von Gaertringen (Leiter der Kustodie der Universität Leipzig) wirft Fragen zur Bildgattung im Hinblick auf Gruppenportrait und Historienmalerei auf und diskutiert das Problem der ideologischen und der ikonographischen Voraussetzungen des Bildes.

 
home I Inhalt I Kontakt I Impressum I 16.11.2006