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Votivgebiss aus Terrakotta,
1. Jahrhundert

 

Medizin und Geschichte
Karl Sudhoff (1853-1938)

Eine Ausstellung der Kustodie und des
Karl-Sudhoff-Instituts für Geschichte der Medizin und
der Naturwissenschaften der Universität Leipzig

GALERIE IM HÖRSAALBAU
26. September bis 15. November 2003

Mo 12.00 - 17.00 Uhr
Di - Fr 9.00 - 17.00 Uhr
Sa 9.00 - 12.00 Uhr

Einführung
Wissenschaftliches Begleitprogramm
Informationen
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Medizin und Geschichte


Sudhoff im Lazarett,
1. Weltkrieg

 

 


Bibliophile Kostbarkeiten,
16. Jahrhundert

 

 


Alpenländische Votivkröte aus Wachs,
20. Jahrhundert

 

 


Aus alten Büchern,
16.–18. Jahrhundert

 

 


Antiker Zahnersatz,
5. Jahrhundert v. Chr.

 

 

Mit Karl Sudhoff als seinerzeit bedeutendstem Fachvertreter wurde die Medizingeschichte als Disziplin erstmals institutionell an der Medizinischen Fakultät verankert. Sudhoff war stets vom Nutzen der Historie für den Arzt aus tiefem Herzen überzeugt und warb dafür unter den Studierenden wie in der Öffentlichkeit mit großem Engagement und beachtlichem Erfolg. Mit Sudhoff begann ein Professionalisierungsprozess, in dessen Verlauf sich eine leistungsfähige Wissenschaft mit internationaler Ausstrahlung entwickelte. Die Ausstellung zum 150. Geburtstag des Nestors der Medizingeschichte vermittelt einen Eindruck von den Anfängen sowie der Entwicklung des Faches. Gezeigt werden historische Fotos, Grafiken, wertvolle Bücher und insbesondere zahlreiche Objekte aus den Beständen der Institutssammlung.


Arzt und Philologe


Am 26. November 1853 als Sohn eines evangelisch-reformierten Pastors in Frankfurt am Main geboren, entdeckte Karl Sudhoff früh seine naturwissenschaftlich-philologische Doppelbegabung, die er für ein Medizinstudium einerseits und für medizinhistorische Studien anderseits zu nutzen verstand. Trotz der Beanspruchung in seiner ärztlichen Praxis, erst in Frankfurt und ab 1883 in Hochdahl bei Düsseldorf, widmete er sich konsequent der Forschungsarbeit und war damit so erfolgreich, dass er, als in Leipzig ein Professor für Medizingeschichte gesucht wurde, der einzige ernst zu nehmende Kandidat im gesamten deutschen Sprachraum war. In den über dreißig Leipziger Jahren entstanden in unermüdlicher Arbeit hunderte von Publikationen, in denen Sudhoff Zeugnisse früheren medizinischen Wissens zu sichern suchte.


Das erste Medizinhistorische Institut der Welt

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Medizingeschichte nur durch einzelne Lehrbeauftragte an den deutschen Universitäten vertreten. Die Gründung eines eigenen medizinhistorischen Instituts gerade in Leipzig (1906) verdankt sich dem Vermächtnis einer begüterten Witwe: Aus Dankbarkeit dafür, dass ihr Gatte sich hier 1878 für Medizingeschichte hatte habilitieren dürfen, hinterließ Marie Caroline Cäcilie Puschmann ihr beachtliches Vermögen zweckgebunden der Universität. Aus den Zinsen wurden die Besoldung Sudhoffs, die Ausstattung eines allmählich wachsenden Instituts sowie die Druckkosten einer eigenen Schriftenreihe und einer eigenen Zeitschrift bestritten. Sudhoffs Nachfolger Henry Ernest Sigerist war wissenschaftlich ebenso produktiv, verfolgte allerdings einen anderen methodischen Ansatz: Er gilt als Begründer der Sozialgeschichte der Medizin. Den Namen seines Gründers erhielt das Institut 1938.


Die Medizinhistorische Sammlung

Dass Sudhoff als Philologe auch Bibliophiler war, dass er daher eine Reihe wertvoller Handschriften, Inkunabeln und Frühdrucke erwarb und systematisch alle Neuerscheinungen seines Faches kaufte, dürfte nicht überraschen. Er legte jedoch nicht nur den Grundstock einer großen Bibliothek, sondern beschaffte als Anschauungsmaterial für eine lebendige Medizingeschichte auch Druckgrafik mit Medizinbezug sowie zahlreiche historische Instrumente und Geräte. Diese dienten nicht nur dem studentischen Unterricht im kleinen Kreis: Öffentlichkeitswirksam präsentiert wurden die Stücke beispielsweise anlässlich der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden 1911, deren große historische Abteilung Sudhoff verantwortete und zu der er einen zweibändigen Katalog vorlegte.


Der Paracelsus-Forscher

Von Sudhoffs Oeuvre ist seine Ausgabe der medizinischen Paracelsus-Schriften wohl die bedeutendste Leistung; niemand – schon gar keine Einzelperson – würde sich heute an ein solches Projekt wagen. Die Beschäftigung mit diesem umstrittenen Reformer, dem sich Sudhoff durch sein Bedürfnis nach Unabhängigkeit und durch die Zweiteilung seiner Interessen wesensverwandt fühlte, hat ihn sein ganzes wissenschaftliches Leben hindurch begleitet, so dass er zu seiner Zeit als weltbester Paracelsus-Kenner galt. Eine eigene Abteilung in der Ausstellung stellt diese Arbeiten vor.


 




    Wissenschaftliches Begleitprogramm

Die heutige Medizingeschichte benutzt andere Quellen und stellt andere Fragen als die Forschung zu Sudhoffs Zeiten, insofern ist der Begründer des Faches inzwischen selbst Gegenstand historischer Betrachtung. Um damalige und gegenwärtige Ansätze miteinander vergleichen zu können, finden zu den Hauptarbeitsgebieten Karl Sudhoffs öffentliche Abendvorträge mit anschließender Führung durch die Ausstellung statt:

dienstags, 18.00 Uhr,
Hörsaalgebäude am Augustusplatz, Hörsaal 6:

30.09. Mittelalterliche Chirurgie,
Prof. Riha

14.10. Paracelsus,
Prof. Kästner

28.10. Seuchen in der Geschichte,
Prof. Riha

04.11. Zahnbehandlung in der frühen Neuzeit,
Dr. Fahrenbach

11.11. Aberglaube und Volksfrömmigkeit,
Dr. Fahrenbach


 



    Informationen

Dr. Fahrenbach
fahrs@medizin.uni-leipzig.de

 



   

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