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RESTAURO 2
Epitaphien aus der Universitätskirche
Arbeitsstand und Perspektiven

DEPOT HAINSTRASSE
Hainstraße 11 (Hinterhaus)

15. Oktober bis 21. November 2008

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag 14-18 Uhr

Führungen auf Anfrage


 


Epitaph Hoppe

 


Heideck vor Restaurierung

 


Heideck Epitaph nach Restaurierung

 


Schwendendörffer historische Aufnahme

 


Schwendendörffer Engel nach Restaurierung

 

 

 

Mit der Sprengung der Universitätskirche und des Augusteums im Frühjahr 1968 wurden die geistig-geistliche Mitte der Universität Leipzig sowie wesentliche Teile ihrer historischen Identität zerschlagen. Den aus diesen Gebäuden geretteten Kunstwerken – Gemälden, Plastiken sowie großformatigen Epitaphien - kommt heute eine herausragende Bedeutung zu, da nur noch in ihnen ein Teil dieser Geschichte der Universität für den Besucher unserer Tage anschaulich wird.

Innerhalb des Gesamtkomplexes der geretteten Kunstschätze nehmen die Objekte aus der Universitätskirche eine besondere Stellung ein: Insbesondere die Grabmonumente aus drei Jahrhunderten sind ein materielles Sediment der Universitätsgeschichte, das für nachfolgende Generationen Glaubenszeugnis, Erinnerung und Selbstvergewisserung verkörperte. Sie bilden ein sozial- und kunsthistorisch einzigartiges Ensemble. Während die mit dem mittelalterlichen Dominikaner-Kloster verknüpften Kunstwerke meistenteils restauriert sind und in der Studiensammlung besichtigt werden können, stellten die – für die Universitätsgeschichte im engeren Sinne relevanteren – neuzeitlichen Epitaphien für die Kustodie eine Hauptaufgabe der letzten Jahre dar, kunsthistorisch und restauratorisch.

Epitaphien sind wertvolle Gedächtnismale des 16. bis 18. Jahrhunderts aus Holz und Stein, errichtet für bedeutende Professoren und Rektoren, aber auch für ehemalige Studenten der Universität und ihre Angehörigen. So wurde zum Beispiel der bedeutende Rechtswissenschaftler Benedict Carpzow d. J. (1595-1666), der in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges Wegweisendes für die Begründung des deutschen Strafrechts leistete, durch ein Epitaph geehrt. Gedächtnismale für Gottfried Welsch, einem der Begründer der Gerichtsmedizin und Michael Horn, dem ersten Lehrstuhlinhaber im Fach Chemie sind ebenfalls erhalten. Gedächtnismale wurden auch ganzen Familien gewidmet, wie dem einflussreichen sächsischen Gelehrtengeschlecht der Familie Olearius, das sich seit Mitte des 16. bis hinein in das 19. Jahrhundert der protestantischen Theologie verpflichtet fühlte oder der Familie Steger (siehe Abbildung), eine der angesehensten Familien der Stadt, deren Mitglieder im Leipziger Rat und am Oberhofgericht wichtige Ämter ausübten.

Aber nicht nur universitätsgeschichtlich sind die Epitaphien von unschätzbarem Wert, sondern sie zeugen auch von großer Kunstfertigkeit. Hervorzuheben ist das Holzepitaph für den Juristen Heinrich Heideck (siehe Abbildung), welches ein qualitativ herausragendes Beispiel frühbarocker Schnitzkunst darstellt. Den hohen Standard der Bildhauerkunst des 16. Jahrhunderts dokumentiert das Epitaph für den aus Schlesien stammenden Johannes von Müller (Miller), der noch als Student 1574 in Leipzig verstarb. Ein Beispiel für das seit der Renaissance gebräuchliche Gemälde-Epitaph ist schließlich das Gedächtnismal für den Mediziner und mehrmaligen Rektor der Universität, Johannes Hoppe (um 1616-1654) (siehe Abbildung).

Zeigte die Ausstellung „Restauro I“ im Frühjahr 2005 in der Galerie im Hörsaalbau in der Mehrzahl unrestaurierte Vorzustände, stehen nun die immensen Fortschritte des Restaurierungsprojekts im Vordergrund: Ein Großteil der Objekte kann bereits im restaurierten Zustand präsentiert werden. Dank der fruchtbaren Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz konnten Spender für fast alle großen Epitaphien gefunden werden, so dass ihre Finanzierung nun gesichert ist. Die Ausstellung informiert auch über die derzeit noch laufenden Restaurierungsarbeiten, über Reinigung, Konservierung und Wiederherstellung der Kunstwerke. Außerdem wird ein Einblick in Planungsstand und vorbereitende Arbeiten für die Anbringung im Paulinum gewährt.

 

 
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