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RESTAURO 1
Epitaphien aus der Universitätskirche.
Neue Projekte

GALERIE IM HÖRSAALBAU
Wegen Bauarbeiten Zugang über Augustusplatz
zwischen Hochhaus und Hauptgebäude der Universität

14. April bis 25. Mai 2005
Eröffnung am 13. April um 19:00 Uhr

Öffnungszeiten
Montag 12-17 Uhr
Dienstag bis Freitag 9-17 Uhr
Samstag 9-12 Uhr

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Epitaphien im Innenraum der Universitätskirche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Rechtes Medaillon vor der Restaurierung

 


Rechtes Medaillon nach der Restaurierung

 

 

 


»Posaunen-Engel« vom Epitaph des Georg Tobias Schwendendörffer (1598–1681), errichtet 1685, ehem. Nordwand des Hauptchores der Universitätskirche St. Pauli

 


Engel vom Epitaph des Georg Tobias Schwendendörffer (1598–1681), errichtet 1685, ehem. Nordwand des Hauptchores der Universitätskirche St. Pauli

 


Bildtafel vom Gedächtnismal von Johannes Hoppe

 

Mit der Sprengung der Universitätskirche und des Augusteums im Frühjahr 1968 wurden die geistig-geistliche Mitte der Universität Leipzig sowie wesentliche Teile ihrer historischen Identität zerschlagen. Den aus diesen Gebäuden geretteten Kunstwerken – Gemälden, Plastiken sowie großformatigen Epitaphien - kommt heute eine herausragende Bedeutung zu, da nur noch in ihnen ein Teil dieser Geschichte der Universität für den Besucher unserer Tage anschaulich wird. Innerhalb des Gesamtkomplexes der geretteten Kunstschätze nehmen die Objekte aus der Universitätskirche eine besondere Stellung ein: Insbesondere die Grabmonumente aus drei Jahrhunderten sind ein materielles Sediment der Universitätsgeschichte, das für nachfolgende Generationen Glaubenszeugnis, Erinnerung und Selbstvergewisserung verkörperte. Sie bilden ein sozial- und kunsthistorisch einzigartiges Ensemble. Während die mit dem mittelalterlichen Dominikaner-Kloster verknüpften Kunstwerke meistenteils restauriert sind und in der Studiensammlung besichtigt werden können, stellen die – für die Universitätsgeschichte im engeren Sinne relevanteren – neuzeitlichen Epitaphien für die Kustodie eine Hauptaufgabe der kommenden Jahre dar, kunsthistorisch und restauratorisch.

Hinter den Kulissen sind hier in den vergangenen Jahren wichtige Fortschritte erzielt worden. Fragmentiert und lange Jahre provisorisch gelagert, konnten die Werke im Frühjahr 2004 in ein universitätseigenes Kunstdepot überführt werden. War schon seit dem Sommer 2002 eine erneute Erfassung sämtlicher Fragmente in Angriff genommen worden, so traten die Arbeiten nun in eine neue Phase: Die sorgsam sortierten und im neuen Depot auf dem Boden ausgelegten Teilstücke lassen das jeweilige Epitaph schon jetzt vor dem geistigen Auge wiedererstehen. Dies stellte zugleich eine wichtige Voraussetzung für künftige Restaurierungen dar, die nun zunehmend in Angriff genommen werden.

In der Ausstellung werden sieben Einzelprojekte der Stein-, Holz- und Gemälderestaurierung vorgestellt. Zu sehen sind einzelne Skulpturen, Figurengruppen und Gemälde sowie andere originale Teilstücke in unterschiedlichen Stadien der Reinigung, Wiederherstellung und kunsthistorischen Erschließung. Text- und Bildfahnen liefern erläuternde Information, historische und biographische Fakten und skizzieren die Restaurierungsproblematik. Eine Abbildung des Gesamtepitaphs in seiner ursprünglichen Form macht den Originalzustand deutlich. Angaben zur Biographie des Erinnerten und zur künstlerischen Form des Monuments erläutern den Hintergrund seiner Entstehung und liefern Ansätze zur Deutung. Hinweise zur materiellen Beschaffenheit des Epitaphs, zum Projekt sowie zu bereits ausgeführten oder geplanten Maßnahmen führen in die Restaurierungsproblematik ein.

Von besonderer kunsthistorischer Bedeutung ist in der Ausstellung das Epitaph des Juristen Heinrich Heideck (1570 – 1603) aus dem frühen 17. Jahrhundert. Das hölzerne Monument, bestehend aus drei in Weiß und Gold gefassten ovalen Reliefmedaillons mit reich verziertem Rahmen, ist ein herausragendes Stück frühbarocker Schnitzkunst. Es überrascht nicht nur durch seine ungewöhnliche Form, sondern auch durch seine besondere Kunstfertigkeit, die über die Grenzen Sachsens hinaus zu weisen scheint: In der Ovalform der Medaillons, dem großen Schwung der Voluten als auch in der Lebendigkeit der Festons und der Figuren scheint es vom Florentiner Manierismus inspiriert. Die kunstvoll geschnitzten Szenen zeigen das Jüngste Gericht, die Erweckung der Tochter des Jaires sowie die Vision des Ezechiel. Durch die jahrelange Lagerung im Depot war das Kunstwerk Feuchtigkeit und Schädlingen ausgesetzt und hat starke Beschädigungen davon getragen. Während mit dem rechten Medaillon (Abb. 2 und 3 vor und nach der Restaurierung) bereits ein erstes Ergebnis der Restaurierung präsentiert werden kann, ist der linke Teil noch im unrestaurierten Zustand.

Das barocke Steinepitaph des Georg Tobias Schwendendörffer (1597 – 1681), Juraprofessor und Rektor an der Leipziger Universität, gehörte zu den größten und aufwendigsten der Universitätskirche St. Pauli (ursprüngliche Höhe ca. 5 Meter). Durch Auslagerung im zweiten Weltkrieg und den Ausbau vor der Sprengung ist es in mehrere Teile zerbrochen, jedoch in seiner Gesamtheit erhalten geblieben. Die Farbigkeit ist feierlich auf zwei Farbtöne reduziert: Die Architektur ist schwarz, während Figurenschmuck und Ornamente weiß gehalten sind. Das repräsentative steinerne Denkmal aus Alabaster ist ganz der christlichen Motivwelt verpflichtet und verbindet den Glauben an die Auferstehung Christi mit der Auferstehungshoffnung für den Verstorbenen. Zugeschrieben wird das Epitaph dem Leipziger Bildhauer Johann Jacob Löbelt; jedoch ist angesichts der Weltläufigkeit der Familie nicht auszuschließen, dass damit italienischen oder flämischen Vorbildern nachgeeifert werden sollte. Im Rahmen einer ersten Restaurierungsphase wurden zwei durch die lange provisorische Lagerung stark verschmutze Rahmenfiguren gereinigt. Der „Posaunenengel“ (Abb. 4) befindet sich derzeit im halbgereinigten Zustand, während ein weiterer Engel (Abb. 5) bereits gesäubert, aber im zerbrochenen Zustand gezeigt wird. In weiteren Arbeitsschritten sollen die einzelnen Fragmente wieder zusammengefügt werden.

Zu den seit der Renaissance beliebten traditionellen Gemäldeepithapien zählt das Gedächtnismal des Leipziger Universitätsprofessors Johannes Hoppe (1616 – 1654). Die hochrechteckige Bildtafel ist von einer schwarz-gold gehaltenen Architekturrahmung umgeben, die sowohl frühbarocke als auch spätmanieristische Elemente aufweist. Hier wird keine biblische, sondern vielmehr eine emblematisch geprägte Szene gezeigt. In einer parkähnlichen, arkadisch wirkenden Landschaft schwebt ein Putto herab auf ein am Fuße eines Kreuzes liegendes geflügeltes Herz. Dieses ist von Dornenranken umwunden, einer der Flügel ist gebrochen. Das Gemälde steht als Emblem für die heilende Kraft des Kreuzes für die Wunden des Herzens und wirbt für ein seliges Sterben im Vertrauen auf Christus und die Auferstehung. Das Monument konnte vollständig geborgen werden, aus konservatorischen Gründen können in der Ausstellung zunächst aber nur Hauptgeschoss mit Gemälde und Sockel gezeigt werden. Die Bildtafel ist durch alte Fraßstellen vom Holzwurm beeinträchtigt und zeigt einige Ausbrüche und Einlaufrisse, die Malschicht selbst befindet sich jedoch in einem relativ guten Zustand. Eine gründliche Reinigung steht noch bevor.

Die Ausstellung schildert die verschiedenen Stationen der Kunstwerke im Laufe ihrer Geschichte: die Anbringung der Werke in der Kirche, ihre Auslagerung im zweiten Weltkrieg, den Ausbau im Vorfeld der Kirchensprengung 1968 sowie ihr weiteres Schicksal bis heute. Sie ist die erste einer Ausstellungsreihe mit dem Titel „Restauro“, die den Restaurierungsprozess begleiten und der Öffentlichkeit einen Einblick in derzeit laufende und geplante Restaurierungsprojekte geben sowie die Ergebnisse dem interessierten Publikum zugänglich machen soll.

 


 


   

Pressegespräch ist am 13. April 2005 um 11:00 Uhr

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