home Ausstellungsarchiv 13. Druckgrafik-Symposion

 

 

13. Sächsisches Druckgrafik-Symposion -
Arbeitsergebnisse

Die Teilnehmer

     

Joanna Bielawska
"w lozku"
 

Joanna Bielawska (Jahrgang 1977) aus Lodz hat die Druckgrafik schon vor längerem als ureigenes persönliches Ausdrucksmittel entdeckt und sich auf den Hochdruck „spezialisiert“: neben dem Holzschnitt vor allem Linolschnitt, zusätzlich auch experimentelle Materialdrucke. In Hohenossig entstanden zahlreiche großformatige Linolschnitte, ein Holzschnitt sowie konstruktivistisch geprägte Kleinformate mit interessanten, mittels Irisdruck erstellten Farbverläufen. Für die Mappe wurde ein zweifarbiger Linolschnitt mit dem Titel Czas Relaksu ausgewählt. Das Blatt zeigt ein etwa zu einem Viertel gefülltes Glas mit Strohhalm auf weinroter Standfläche vor einer grauen Wand. Standfläche und Hintergrund sind mittels zweier aneinandergefügter Platten unterschiedlicher Farbe gegeben, aus denen das Glas als Negativform ausgespart ist, der obere Teil aus der grauen, der untere Teil aus der roten Platte. Die im Glas bewahrte Flüssigkeit sowie der Strohhalm sind Bestandteil der roten Platte, wobei letzterer über den grauen Hintergrund gedruckt ist.

 


Young-Sook Cha
"Elegie"
 

Young-Sook Cha (Jahrgang 1957), die aus Korea stammt und nun in Leipzig lebt, nutzte das Symposion als Experimentierraum. Ihre individuelle, im Bereich der Malerei und der Handzeichnung entwickelte Stil- und Formensprache setzte sie in farbige Radierungen um, wobei sie in der Regel zwei Platten übereinander druckte. Das Ergebnis waren Blätter mit luftigen Formen und teilweise intensiver Farbigkeit, die meist ein Gefühl der Leichtigkeit hervorrufen. Das hochformatige Blatt mit dem Titel Befreiung zeigt vor beigefarbenem Grund schwarz konturiert einen offenbar geborstenen Käfig sowie den daraus entwichenen Vogel, der sich oben links auf einer nahezu horizontal ins Bild gesetzten, leiterartigen Struktur niedergelassen hat. Auch hier kamen zwei Platten zum Einsatz, wobei der beigefarbene Hintergrund unter Verwendung von white ground und die schwarze Umrisse als geätzte Linien mit Reservage-Anteilen ausgeführt wurden.

 


Günter Firit,
"Himmelsleiter"
 

Mit Günter Firit (Jahrgang 1947), nun bei München lebend, konnte ein besonders erfahrener und anerkannter Künstler für das Symposion gewonnen werden, den eine ostdeutsch geprägte, durch dramatische „Verwerfungen“ gekennzeichnete Biographie für sich genommen zu einem Mittler zwischen Ost und West werden läßt. Seine Ausreise in die BRD im Jahre 1986 ging auch mit künstlerischen Veränderungen einher: Nachdem zunächst vor allem die Malerei im Mittelpunkt seines Schaffens gestanden hatte, widmete er sich nun vermehrt der Druckgrafik, wobei die Einrichtung einer eigenen Druckwerkstatt von Hohenossig aus mit Rat und Tat begleitet wurde.
Firit entführt den Betrachter in seine mythische, zuweilen auch mystische Bildwelt voller Symbole. Das Blatt mit dem Titel Himmelsleiter zeigt links im Bild eine ebenso dürre wie lange Leiter, die – leicht nach links lehnend und über eine blaugrüne Fläche geführt – ein blauschwarzes Firmament mit dünner Mondsichel erreicht. Auf der blaugrünen Fläche – ob Atmosphäre oder Landschaft gemeint ist, läßt der Künstler offen – tummeln sich in freiem Flug allerlei luftige Geist- und Fabelwesen, während sich unten links ein vogelartiges kleines Tier anschickt, die Leiter zu erklimmen. Technisch ist das Blatt mit einer einzigen Platte realisiert, die allerdings verschiedenen Arbeitsgängen unterzogen wurde: Anfangs wurden die weißen Geisterformen mit Asphaltlack abgedeckt, dann mit Hilfe von Aquatinta der Horizont angelegt, am Schluß einzelne Umrisse mit der Kaltnadel herausgearbeitet. Abschließend wurde eine Hochdrucküberrollung mit gelblicher Farbe darübergelegt.

 


Karin Pietschmann,
"Deponie"

 

Karin Pietschmann (Jahrgang 1966) studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Prof. Kuhrt Malerei und Grafik, seit Herbst 2004 ist sie hier Meisterschülerein bei Prof. Hachulla.
Die Künstlerin ist eine Vertreterin der „schwarzen Kunst“ im eigentlichen Sinne: Ihr Spezialgebiet ist die Radierung, wobei sie ihre Platten nach allen Regeln der Kunst – und manchmal auch unkonventionell – in einer Vielzahl von Arbeitsschritten „traktiert“. Zahlreiche Probedrucke werden zwischengeschaltet, um jede Veränderung genau zu kalibieren – und manchmal wieder rückgängig zu machen. Das Ergebnis sind eminent grafische Blätter von großer Ausdruckskraft. Das Mappenblatt Deponie zeigt eine dieser kargen „Industrielandschaften“, die – obschon von Menschenhand geschaffen – menschliches Leben als Fremdkörper erscheinen lassen: Von links schiebt sich als keilförmige Silhouette ein unförmiger Müllberg ins Bild, rechts ragen verloren einige Masten in den Himmel, die Bildmitte gibt den Blick frei auf einen fernen Horizont, über dem ein vom Plattenton geprägtes Grau zugleich die Stimmung zusammenfaßt. Die Komposition entstand in einem komplexen Prozeß des Anlegens und Verwerfens. Beim ersten Arbeitsgang wurden verschiedene Formen als Reservage angelegt, dann wurden verschiedener Schatten in Aquatinta verstärkt, im Anschluß folgten verschiedene Arbeitsgänge mit der Kaltnadel, darunter aggressiv wirkende „Hiebe“ und tiefschwarze Linienbündel zur Verstärkung der Formen.

 


Peter Wagler,
"Kleiner Ausschnitt aus China"
 

Peter Wagler (Jahrgang 1964), geboren in Dresden, ließ schon früh künstlerische Interessen erkennen, übte aber zunächst eine Reihe anderer Tätigkeiten aus, bevor er sich für den Künstlerberuf entschied. Das Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden (1992-1995) mündete in die Annahme als Meisterschüler bei Prof. Gert Wunderlich an der Hochschule für Graphik und Buchkunst in Leipzig.
Wagler entfaltet seine heitere, zuweilen auch ironische Kunst in zumeist eher kleinen, allenfalls mittleren Formaten, die den Betrachter zu genauem Hinsehen zwingen. In der querformatigen Arbeit mit dem Titel Ewige Kinderspiele – Himmel und Hölle erscheinen links und rechts kindlich-kreisförmige Mondgesichter, die an sein Blatt Kleiner Ausschnitt aus China erinnern, in der Bildmitte scheinen sich zwei Säuglinge gegenüber zu sitzen, während die unterlegten Datums- und Stundenangaben nebst dazu proportionalen Zeitstrichen auf die Arbeit Spaziergänger und Spaziergängerin verweisen. Die Arbeit ist mittels einer einzigen Platte gedruckt, die mit Kaltnadel und white ground bearbeitet ist.

 
home I Inhalt I Kontakt I Impressum I 27.01.2004