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Theologische Fakultät

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Forschungstätigkeit an der Fakultät

Allgemeine Bemerkungen

Die Forschungstätigkeit der Theologischen Fakultät geschieht in vielfältiger Form und auf unterschiedlichen Ebenen:

Im Vordergrund stehen zunächst die größeren wissenschaftlichen Projekte der Professoren und ihrer Mitarbeiter und die von ihnen betreuten Qualifikationsschriften. Dazu werden in den einzelnen Instituten im Rahmen von Sozietäten theologische Fachgespräche organisiert, in denen einzelne Projekte kritisch diskutiert und unterschiedliche Fachperspektiven eingebracht werden. In der Regel führen diese größeren Projekte zum Abschluss, indem die Studien im Druck erscheinen und – wo es beabsichtigt ist – die wissenschaftliche Qualifikation (Dr. theol., Dr. theol. habil.) erreicht wird.

Eine zweite Ebene wissenschaftlicher Forschung ist mit Aufsätzen, Vorträgen und Weiterbildungsveranstaltungen verbunden, in die viele Kollegen der Fakultät in wissenschaftlichen und kirchlichen Gremien eingebunden sind. Dabei entstehen immer wieder auch relativ kurzfristige Anfragen und knappere Studien, die im vorliegenden gedruckten Forschungsbericht in der Regel nicht enthalten sind, die sich aber in der ausführlichen Internetfassung finden.

Eine dritte Ebene wissenschaftlicher Tätigkeit stellen die laufenden Editionsaufgaben dar, in die die Fakultät eingebunden ist. Eine Fülle von Periodika und wissenschaftlichen Reihen wird von Hochschullehrern der Theologischen Fakultät herausgegeben. Beispielhaft seien genannt:

  • Lutherjahrbuch
  • Lutherbibliographie
  • Reihe „Biblische Gestalten“
  • Reihe „Arbeiten zur Bibel und ihrer Geschichte“
  • Kirchengeschichtliches Jahrbuch „Herbergen der Christenheit“
  • Leqach. Mitteilungen und Beiträge der Forschungsstelle Judentum
  • Reihe „Beiträge zu Spiritualität und Liturgie“
  • Reihe „Leucorea-Studien zur Geschichte der Reformation und der Lutherischen Orthodoxie“
  • Reihe „Arbeiten zur Theologie- und Kirchengeschichte“

Außerdem sind viele Mitarbeiter als Mitherausgeber von Fachzeitschriften, wissenschaftlichen Jahrbüchern usw. eingebunden.
Eine vierte Ebene wissenschaftlicher Tätigkeit ist mit der Organisation von Tagungen und Expertengesprächen verbunden. So veranstaltet beispielsweise das Liturgiewissenschaftliche Institut der VELKD regelmäßige wissenschaftliche Jahrestagungen, an denen Fachvertreter von verschiedenen theologischen Fakultäten und kirchliche Fachleute teilnehmen.

Eine fünfte Ebene wissenschaftlicher Arbeit, die zunehmend wichtiger wird, ergibt sich aus dem Eingebundensein und der Mitwirkung an interdisziplinären und internationalen Forschungsprogrammen und Studienprojekten.

Disziplin- und fakultätsübergreifende Schwerpunkte

Die theologische Forschung wird im wesentlichen nach wie vor durch die Akzentuierungen bestimmt, die in den einzelnen Instituten der Fakultät gesetzt werden. Dennoch zeichnen sich bei der Fülle der unterschiedlichen Einzelprojekte deutliche Schwerpunkte ab, denen teils über die Instituts-, teils über die Fakultätsgrenzen hinweg wissenschaftlich nachgegangen wird. Dabei ist zu denken an:

  • Das Forschungsprojekt „Das Kind in Israel“, das als Beitrag zum Thema Kind und Kindheit im Alten Orient interdisziplinär Beachtung findet.
  • Forschungen zur Reformationsgeschichte (inklusive bestimmter Schwerpunkte in der Territorialgeschichte). Hierbei ist neben verschiedenen Einzelstudien besonders auf das interdisziplinär ausgerichtete Projekt „Politische Korrespondenz des Herzogs und Kurfürsten Moritz von Sachsen“ als Teil des Gesamtprojekts „Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte“ zu verweisen (gemeinsam mit der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig).
  • Theologische Bachforschung, angesiedelt in der Systematischen Theologie mit Verbindungen zur Kirchen- und Liturgiegeschichte, zur Musikwissenschaft und zu Tätigkeiten der Neuen Bachgesellschaft.
  • Theologische Anthropologie und Ethik als Lehr- und Forschungsvorhaben des Instituts für Systematische Theologie in Kooperation mit Wissenschaftlern der medizinischen Ethik usw. (Grenzen des Lebens, Behinderung).
  • Religion als Thema theologischer und soziologischer Forschung. Dabei geht es sowohl um den Stellenwert von Religion in Religionskritik und Theologie wie auch um empirische Religionsforschung. Dazu gehören mehrere Projekte aus den Instituten für Systematische Theologie, Praktische Theologie und der Religionspädagogik.
  • Fakultäts- und Universitätsgeschichte, verankert im Institut für Kirchengeschichte und zugleich in Gemeinsamkeit mit allen anderen Instituten, nicht zuletzt mit dem Institut für Alttestamentliche Wissenschaft.

Institut für Alttestamentliche Wissenschaft

Allgemeine Hinweise

Das Institut für Alttestamentliche Wissenschaft verfolgt eine Reihe von längerfristigen Publikationsprojekten, die um die folgenden Forschungsschwerpunkte gruppiert sind:

  • nachexilische Prophetie
  • Weisheitsliteratur
  • Kind und Kindheit in Israel
  • Tod und Jenseits im Alten Israel und seiner Umwelt
  • Geschichte und Religionsgeschichte Palästinas/Israels
  • Alltagskultur

Dazu gehören:

a) Kommentierung der biblischen Bücher Sacharja, Josefsgeschichte (Gen 37-50), 1. und 2. Makkabäerbuch, das Buch Baruch

b) die Herausgabe der

  • Zeitschrift leqach (Mitteilungen und Beiträge der Forschungsstelle Judentum)
  • Arbeiten zur Bibel und ihrer Geschichte
  • Biblische Gestalten
  • Encyclopedia of Material Culture in the Biblical World

Ausgewählte Forschungsprojekte

Forschungsprojekt: Das Kind in Israel und in seinen Nachbarkulturen im 1. Jahrtausend v. Chr.
PD Dr. Andreas Kunz-Lübcke, Prof. Dr. Rüdiger Lux (kunz@rz.uni-leipzig.de), (lux@rz.uni-leipzig.de)
Im Unterschied zu den Äußerungen populärer Vertreter der Kindheitsforschung, die die Situation der Kinder im vorindustriellen Zeitalter alles andere als positiv beschrieben haben, konnten neuere Untersuchungen zum Thema Kind und Kindheit im Alten Orient, Altägypten und der Antike zeigen, dass die klassischen Mittelmeerkulturen Kindern ein großes Interesse entgegengebracht haben und dass sie im Unterschied zum mittelalterlichen Europa Kinder und Kindheit wahrgenommen haben. Die Untersuchungen haben hervorheben können, dass sich einerseits die biologisch-medizinischen, pädagogischen, ethischen und sozialen Vorstellungen vom Kind von modernen Konzeptionen unterscheiden und dass anderseits die Erwachsenen der Alten Welt Kinder hochschätzten.
Für Israel fehlt eine zusammenhängende Untersuchung zum Kind und zur Vorstellung von Kindheit. Das Forschungsprojekt wird sich in einer vergleichenden Untersuchung unter anthropologischer, pädagogischer, sozialer und ethischer Perspektive des Themas annehmen. Mittels dieser Leitbegriffe sollen die Vorstellungen von Kind und Kindheit in Israel in alttestamentlicher Zeit in ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden zu modernen Konzeptionen vom Kind und der Kindheit und zu den Kindheitsvorstellungen der Alten Welt untersucht werden. Auf dieser Grundlage werden sich die Verbindungs- und die Trennungslinien sowohl zwischen Israel und seinen Nachbarkulturen als auch zwischen Israel und der heutigen Zeit kennzeichnen lassen.

Encyclopedia of Material Culture in the Biblical World (EBW)
Prof. Dr. Angelika Berlejung (berle@rz.uni-leipzig.de) editor-in-chief
Die Enzyklopädie ist als die vollständige (und nun englische) Neubearbeitung des „Biblischen Reallexikons“ konzipiert, das 1937 (BRL) in der ersten und 1977 in der 2. Auflage (BRL2) von Kurt Galling (Tübingen) herausgegeben worden war. Das neue Standardwerk wird 2010 beim Verlag Mohr & Siebeck/Tübingen erscheinen. In Modifikation des „alten“ BRL wurden zahlreiche neue Stichworte aufgenommen, für die erst noch Grundlagenforschung betrieben werden muss (z.B. Medizin).
Zudem ist die Sammlung und Aufarbeitung des umfangreichen Materials notwendig, das seit den 70er Jahren in Palästina/Israel durch die archäologische Forschung zu Tage kam. Das EBW wird unter Beteiligung führender Archäologen aus 15 Ländern erarbeitet und neben den 130 Lemmata zahlreiche archäologische Karten, Umzeichnungen und (nur auf der beigelegten DVD) Photos enthalten.

Drittmittelgeförderte Forschung

Als größere Drittmittelprojekte können gelten: Das DFG-Projekt „Das Kind in Israel und in seinen Nachbarkulturen“ des Instituts für Alttestamentliche Wissenschaft (Prof. Dr. Rüdiger Lux, PD Dr. Andreas Kunz-Lübcke).

Weitere Drittmittel sind zur Vorbereitung und Durchführung des internationalen und interdisziplinären Symposions „Tod und Jenseits im Alten Israel und in seiner Umwelt, 16.03. – 18.03.2007 in der Villa Tillmanns zu Leipzig“ von der Gerda-Henkel-Stiftung eingeworben worden (Prof. Dr. Angelika Berlejung).

Institut für Neutestamentliche Wissenschaft

Allgemeine Hinweise

Die Forschungsprojekte gelten den Schwerpunkten:

  • Wissenschaftliche Editionen und Kommentierungen von wesentlichen Texten des hellenistischen Judentums und des frühen Christentums (u.a. Pseudepigraphen, Paralipomena Jeremiae, Septuaginta).
  • Neutestamentliche Briefliteratur (Pastoralbriefe, Galaterbrief, Hebräerbrief, Jakobusbrief).
  • Lukanische Theologie (Apostelgeschichte).
  • Editionsprojekte (Symposien, Aufsätze u.ä.)
  • Jesusforschung – Buchprojekt „Jesus“ (Prof. Dr. Jens Schröter).

Dies sei als Beispiel kommentiert:
Für die Reihe „Biblische Gestalten“ wurde der Band zu Jesus übernommen. Es handelt sich dabei um einen der zentralen Bände der neutestamentlichen Abteilung der Reihe. Die Jesusforschung hat in den zurückliegenden Jahren, vor allem durch Anstöße aus der amerikanischen Forschung, neuen Auftrieb erhalten. Dies hat vor allem zu einer neuen Diskussion über methodische Fragen geführt. Neue Erkenntnisse sind zudem durch die Ausgrabungen in Galiläa in den letzten beiden Jahrzehnten zutage getreten. Die sehr umfangreiche Literatur zur Jesusforschung aus den zurückliegenden Jahren sowie die archäologischen Ergebnisse sind innerhalb des auf ein breiteres Publikum zugeschnittenen Bandes zu verarbeiten.

Ausgewählte Forschungsprojekte

Kritische Textedition und Übersetzung der Paralipomena Jeremiae im Rahmen der SBL Series Writing from the Ancient World, Scholars Press, Atlanta, hrsg. v. J. Fitzgerald (Miami). Critical Edition and Translation of the Paralipomena Jeremiae
Prof. Dr. Jens Herzer (herzer@uni-leipzig.de)
Dem Anliegen der Reihe entsprechend soll der griechische Text mit einem dem aktuellen Forschungsstand entsprechenden textkritischen Apparat herausgegeben werden. Hinzu kommt eine Übersetzung des Textes, eine ausführliche Einleitung zur Schrift insgesamt sowie im Anschluss an die Textedition ein Kommentar. Das Buch erscheint in englischer Sprache. Damit soll die erste und durch die Forschung überholte Ausgabe von R. Kraft/A. E. Purintun abgelöst werden.

Herausgabe des Werkes „Antike christliche Apokryphen“
Prof. Dr. Jens Schröter (schroetj@rz.uni-leipzig.de), Prof. Dr. Christoph Markschies
Das Standardwerk der deutschen Übersetzung neutestamentlicher bzw. antiker christlicher Apokryphen wird neu aufgelegt. Die Herausgeberschaft wird von den beiden Genannten verantwortet. An dem Projekt sind zahlreiche Autoren beteiligt. Die Fertigstellung des ersten Bandes erfordert erheblichen Koordinations- und Kommunikationsaufwand mit Autoren, technischen Bearbeitern und Verlag. Dabei ist natürlich stets die inhaltliche Konzeption zu überdenken und weiterzuentwickeln.

Institut für Kirchengeschichte

Schwerpunkte der Forschung ergeben sich durch die Abteilungen des Instituts:
Abteilung Spätmittelalter und Reformation
Im Zentrum stehen die Wittenberger Reformation des 16./17. Jahrhunderts, die sächsische Kirchen- und Landesgeschichte sowie die Bildungsgeschichte Mitteldeutschlands einschließlich der Universität Leipzig in Vorbereitung auf die 600-Jahrfeier 2009. Vorarbeiten galten der Entwicklung der Universität zwischen 1958 und 1990 als Teilabschnitt in der für 2009 konzipierten mehrbändigen „Geschichte der Universität Leipzig“ sowie dem Melanchthonjubiläum 2010. Als Beispiele sei das Vorhaben der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig genannt, die bis 1527 vorliegende Edition der „Akten und Briefe des Herzogs Georg von Sachsen“ fortzusetzen (Prof. Dr. Günther Wartenberg gemeinsam mit Prof. Dr. Helmar Junghans, Dr. Christian Winter, Dr. Heiko Jadatz). Abgeschlossen wurden Bd. 1 und 2 einer auf drei Bände angelegten „Lateinisch-deutschen Studienausgabe“ von Schriften Martin Luthers (Prof. Dr. Günther Wartenberg, Dr. Michael Beyer gemeinsam mit Prof. Dr. Wilfried Härle, Heidelberg, und Prof. Dr. Johannes Schilling, Kiel). Weiter vorbereitet wurde die Fortsetzung von „Melanchthon deutsch“ (Prof. Dr. Günther Wartenberg, Dr. Michael Beyer gemeinsam mit Prof. Dr. Volker Leppin, Jena, Dr. Stefan Rhein, Lutherstadt Wittenberg, PD Dr. Stephan Meier-Oeser, Bretten, und Pfarrer Dr. Fischer, Bretten). Das Institut beteiligt sich (Dr. Michael Beyer) an einer mehrbändigen lateinisch-italienischen Auswahlausgabe von Werken Philipp Melanchthons, die gemeinsam mit italienischen Forschern, dem Verlag Claudiana, Turin, und dem Melanchthonhaus Bretten vorbereitet wird. Parallel dazu wird z. Zt. einer der Bände, der Melanchthons Epitome philosophiae moralis enthält, auch für eine lateinisch-deutsche Ausgabe bearbeitet.

Abteilung Neuere und Neueste Kirchengeschichte

Schwerpunkte der Forschung bilden die Geschichte des Christentums in der Zeit der Aufklärung und des Staatskirchentums und die Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts in interkonfessioneller Perspektive. Dazu gehört auch die Erforschung der Geschichte protestantischer Minderheitenkirchen in Europa in der Neuzeit. In Abstimmung mit der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kirchliche Zeitgeschichte wurde mit der Planung und Erarbeitung von Studien zur Kirchengeschichte der Zeit um 1968 begonnen.

Abteilung Territorialkirchengeschichte

Fortgesetzt wurden die Arbeiten am „Sächsischen Pfarrerbuch“, die Mitarbeit am Vorhaben des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V. in Dresden „Sächsische Biographie“ und die Vorbereitungen für eine 2. Auflage der „Kleinen Kirchengeschichte Sachsens“.

Abteilung Christliche Archäologie und Kirchliche Kunst

Auf der Basis von Exkursionen, Detailuntersuchungen, Seminaren, Führungen, Vorträgen und Fachberatung vor Ort wird die Kenntnis zu Topographie, Bausubstanz und Ausstattung von Kirchen vornehmlich im sächsischen Raum weiter vertieft. Kontakte zum Landesamt für Denkmalpflege in Erfurt und zum Institut für Kunstgeschichte der Universität Halle wurden zur Vernetzung der Arbeit im mitteldeutschen Raum geknüpft und ausgebaut.

Institut für Systematische Theologie

Ausgewählte Forschungsprojekte

Interdisziplinärer Forschungsdialog des Leipziger Forums „Naturwissenschaften – Philosophie – Theologie“
Sprecher: Prof. Dr. Annette G. Beck-Sickinger (Institut für Biochemie) und Prof. Dr. Matthias Petzoldt (Institut für Systematische Theologie, mgpetzoldt@theologie.uni-leipzig.de).
Aus der ersten öffentlichen Ringvorlesung an der Universität Leipzig im Wintersemester 2003/04 zum Thema „Gott im Gehirn? Neurotheologie und die Phänomenologie religiöser Erfahrung“ ist das Publikationsprojekt „Brain Science and the Phenomenology of Religious Experience. Interdisciplinary Dimensions“ hervorgegangen (Herausgeber: PD Dr. Christoph Jäger).

Im Wintersemester 2005/06 begann die zweite öffentliche Ringvorlesung unter dem Thema „Paradigma Evolution: Chancen und Grenzen eines Erklärungsmuster“. Die Texte der Vorträge werden als Buch veröffentlicht.

Projekte zur theologischen Forschung von Person und Werk Johann Sebastian Bachs (Prof. Dr. Martin Petzoldt, petzoldt@theologie.uni-leipzig.de): Vollständige Kommentierung der geistlichen Vokalwerke Johann Sebastian Bachs; bereits erschienen „Bach-Kommentar Bd. I“, Stuttgart-Kassel 2004; im Erscheinen begriffen „Bach-Kommentar Bd. II“, Stuttgart-Kassel 2007.

Interdisziplinäres Projekt: Ethik in der Medizin. Ethics in Medicine.
Leben, Lebensschutz und Embryonenschutz, Menschenwürde. Ethische Probleme am Lebensanfang und am Lebensende. Das Verständnis von Gesundheit und Krankheit.
Leitung: Prof. Dr. Gunda Schneider (gschneid@rz.uni-leipzig.de)

Institut für Praktische Theologie

Allgemeine Hinweise

Die Forschungsarbeit gilt hier den Schwerpunkten:

  • Liturgiewissenschaftliche und homiletische Fragen (Einzelstudien zur evangelischen Gottesdienstgeschichte, Buß- und Bettag, Tagzeitengebete, Berneuchener Bewegung, Die Rede von der Sünde in der gegenwärtigen Predigt...);
  • Praktisch-theologische Kirchentheorie (Gemeindeaufbau, Themen der gegenwärtigen kirchlichen Strukturreformen, Edition der Arbeiten von Dietrich Mendt...);
  • Themen aus Seelsorge und Spiritualität;
  • Historische Positionen der Praktischen Theologie mit Gegenwartsrelevanz.

Ausgewählte Projekte

Johannes Block: „Die Rede von der Sünde in der gegenwärtigen Predigt und Homiletik“ (Speaking of Sin in contemporary Preaching and homiletic Theology)
Das Forschungsprojekt ist in der praktisch-theologischen Disziplin „Homiletik“ angesiedelt und gliedert sich grundsätzlich in einen analytischen und in einen konzeptionellen Hauptteil. Im Forschungsinteresse des analytischen Hauptteils steht die Durchsicht von Predigtmanuskripten der Gegenwart im Blick auf die Rede von Sünde; dabei sollen charakteristische homiletische Strategien nachgewiesen und beurteilt werden. Im Forschungsinteresse des konzeptionellen Hauptteils steht die neuartige Skizzierung einer hamartiologisch orientierten Homiletik; dabei soll die theologische und anthropologische Notwendigkeit der Rede von Sünde begründet und entfaltet werden – nicht zuletzt deshalb, um das anhaltende Symptom einer „billigen“ und „harmlosen“ evangelischen Predigt zu überwinden.

Mit dem Projekt soll eine Forschungslücke geschlossen werden. Ausdrückliche Publikationen zum Thema „Predigt der Sünde“ liegen rund einhundert Jahre zurück. Das Schweigen der jüngeren Fachliteratur ist ein Fingerzeig auf den grundsätzlich verschwiegenen Umgang mit dem Stichwort „Sünde“ im Raum der gegenwärtigen Theologie, Kirche und Gesellschaft. Im auffälligen Kontrast dazu steht das Kerngeflecht der reformatorischen Theologie, die ganz vom Wechselbezug zwischen Gotteserkenntnis und Sündenerkenntnis her denkt: Das subiectum theologiae ist in Martin Luthers wissenschaftlicher Enzyklopädie das Wechselspiel zwischen dem rechtfertigenden Gott und dem sündigen Menschen. In dieser Spannung zwischen der gegenwärtigen Verschwiegenheit und der reformatorischen Bedeutsamkeit des Sündenthemas ist das Forschungsprojekt angesiedelt. Von daher sind vor allem folgende Arbeitsschritte beabsichtigt:

a) Die Berücksichtigung der gesellschaftlichen und kirchlichen Zeitsituation im Blick auf die Rede von Sünde.

b) Die Erarbeitung eines Predigtanalysemodells mit rhetorischen und theologischen Gesichtspunkten.

c) Die Auswahl und Durchsicht von Predigtmanuskripten.

d) Die Erhebung von homiletischen Strategien, die eine reformatorisch geprägte Predigt der Sünde unterlaufen bzw. unterstützen.

e) Der Entwurf einer hamartiologisch orientierten Homiletik, die sowohl enzyklopädische als auch pragmatische Gesichtspunkte beinhaltet. Der enzyklopädische Gesichtspunkt thematisiert die Predigtsituation – und nicht die Dogmatik – als den originären Ort der Rede von Sünde, sofern es sich um ein evangelisch gefasstes und den individuellen Hörer betreffendes Sündenverständnis handeln soll. Der pragmatische Gesichtspunkt thematisiert Hinweise zu einer reformatorisch geläuterten Rede von der Sünde in der homiletischen Praxis.

Dietrich Bonhoeffer als Praktischer Theologe
Dietrich Bonhoeffer wäre am 4. Februar 2006 100 Jahre alt geworden. Die Faszinationskraft dieses im In- und Ausland wohl bekanntesten deutschen Theologen des 20. Jahrhunderts ist ungebrochen. Seine Praktische Theologie ist bisher jedoch weithin unbekannt geblieben. In ihr zeigt Bonhoeffer sich – gerade in seiner Zeit als Predigerseminardirektor, um die es im Forschungsprojekt vor allem geht – als konsequent spiritueller und radikal kirchlicher Theologe. Angesichts der Wiederkehr der Religion und der gegenwärtigen Krise der verfassten Kirchen sind seine praktisch-theologischen Überlegungen von besonderer Aktualität. Das Forschungsprojekt hatte zunächst das Ziel, Ortsbestimmungen zu Bonhoeffers Praktischer Theologie vorzunehmen. Weiter sollten die einzelnen praktisch-theologischen Handlungsfelder untersucht werden: Predigtlehre, Gottesdienstverständnis, Seelsorgelehre und Gemeindeaufbau. Dabei bewährte sich der Dreischritt: biographische Annäherung – theologische Grundlegung – Konkretion. Im ersten Schritt wurde der jeweilige Untersuchungsgegenstand in einem biographischen Zusammenhang verortet. Im zweiten Schritt ging es um Bonhoeffers theologische Überlegungen zum Thema. Im dritten Schritt wurde eine Tiefenbohrung vorgenommen: entweder in Form der Fokussierung auf eine bestimmte Fragestellung oder als Versuch, die Aktualität von Bonhoeffers Überlegungen thesenartig zu erweisen.

Das Forschungsprojekt floss in Lehrveranstaltungen ein (eine Vorlesung, ein Seminar) und soll auch im kommenden Jahr fortgesetzt werden. Ein erstes Ergebnis stellt das Buch „Bonhoeffer als Praktischer Theologe“, Göttingen 2006 dar (Prof. Dr. Peter Zimmerling)

Abteilung für Religions- und Kirchensoziologie

Die Professur für Religions- und Kirchensoziologie ist seit April 2006 unbesetzt. Die Forschungsarbeit von Herrn PD Dr. Helmut Bremer (Vertretungsprofessur ab 1.10.06) gilt vor allem den Zusammenhängen von Religiosität, Kirchlichkeit und Milieu.

Liturgiewissenschaftliches Institut

Im Mittelpunkt stehen hier neben der laufenden Lehr- und Tagungsarbeit mit jährlichen Fachgesprächen und regelmäßigen Publikationsarbeiten zu verschiedenen Fragen (u.a. Reihe „Beiträge zu Liturgie und Spiritualität“, EVA Leipzig) Arbeiten an einem mehrteiligen liturgiehistorischen Projekt: „Studien zu Funktion und Wandel des evangelischen Gottesdienstes in Sachsen“ (Leitung: Prof. Dr. Wolfgang Ratzmann, ratzmann@uni-leipzig.de; Dr. Irene Mildenberger, liturgie@uni-leipzig.de).
Kurzbeschreibung des Forschungsprojektes: Die evangelische Gottesdienstgeschichte ist bisher nur wenig erschlossen worden. Angestrebt wird, in einigen Teilstudien sowohl wesentliche Quellentexte zu dokumentieren und zu kommentieren wie auch lokalgeschichtliche und themenbezogene Einzeluntersuchungen vorzunehmen. Die Studien sollen versuchen, die lebensweltliche und kulturelle Funktion des Gottesdienstes zu erschließen.

In Vorbereitung einer Quellenedition wurden Abschriften wichtiger Texte hergestellt. Das Teilprojekt „Geschichte und Bedeutung des Buß- und Bettages“ wurde begonnen (Annette Gruschwitz). Ebenfalls begonnen wurde mit einer Studie zu „Alternativen Gottesdiensten in der DDR“ (Matthias Werner). Eine Quellenedition zu Christina Gerbers „Historie der Kirchenceremonien in Sachsen“ (1732) wird gegenwärtig vorbereitet.

Institut für Religionspädagogik

Größter Forschungsschwerpunkt am Institut für Religionspädagogik ist seit einigen Jahren die Erforschung der Bedingungen diakonisch-sozialen Lernens an unterschiedlichen Lernorten (Familie, Schule, Kirchengemeinde) sowie die Entwicklung von Modellen, die der Profilierung dieses Lernens dienen. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die empirische Forschung zur Beziehung von Lebenssituation und Religiosität bei Schülern.
Zwei Projekte sind in diesem Zusammenhang besonders hervorzuheben:

Diakonie in der Schule – Evaluation eines neuen Unterrichtsfaches an dem kirchlichen Gymnasium in Michelbach/Bilz
Dr. Christoph Gramzow
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die theoriegeleitete Prüfung der Wirksamkeit diakonisch-sozialen Lernens im schulischen Alltag. Deutschlandweiter Vorreiter der Umsetzung diakonisch-sozialen Lernens in die Schulpraxis ist das Evangelische Schulzentrum Michelbach/Bilz, das seit 1996 seinen Schülerinnen und Schülern in den Klassen 9 - 11 die Möglichkeit bietet, das Profilfach Diakonie zu besuchen ('Michelbacher Modell'). Mittels quantitativer und qualitativer Methoden wird untersucht, ob und wie die angestrebten Lernerfolge erreicht werden.

Das Wunderverständnis von jungen Menschen im Alter von 10 - 18 Jahren
Prof. Dr. Helmut Hanisch
Die Behandlung biblischer Wundergeschichten stellt eine besondere Herausforderung für alle Religionslehrer dar. Deshalb soll in einer empirischen Untersuchung erhoben werden, welchen Begriff von Wunder junge Menschen im 21. Jahrhundert teilen. Aus den Ergebnissen sind didaktische Schlussfolgerungen für die Behandlung von neutestamentlichen Wundergeschichten im Religionsunterricht zu ziehen.
Weitere Forschungsprojekte am Institut für Religionspädagogik setzen sich mit der Biographie und dem Werk Johann H. Wicherns als Impuls für diakonisches Lernen (Lydia Steinbach) und dem Beitrag christlicher Frauengestalten zum diakonischen Lernen (Ulrike Witten) auseinander.

 

Home Zusammenstellung: Forschungskontaktstelle, 16.10.2007