Forschungsbericht 2005 - Projekte

 

Klinik u. PK für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters

Department of Psychiatry, Psychotherapie and Psychosomatic Medicine of Infancy and Youth


Persönlichkeitsentwicklung verhaltensgestörter Kinder und Jugendlicher


Prof. Dr. Ettrich C, Dipl.-Päd. Herbst M

Längsschnittstudie bei Kindern mit Verhaltensstörungen, Analyse des Entwicklungsverlaufs, von Entwicklungsvarianten und deren Abhängigkeit von familialen und schulischen Entwicklungsbedingungen sowie von mitverursachenden somatischen Faktoren Untersuchungsmethoden: Biographische Anamnese, störungsspezifisches Interview, Child Behaviour Check List (CBCL), TAT, Leistungs- und Persönlichkeitsdiagnostik

Weiterführung:ja

Finanzierung: Haushaltfinanziert


Essgestörte Patienten und ihre Familien


Prof. Dr. Ettrich C, Dipl.-Psych. Dähne A

Untersuchungen im Längs- und Querschnitt zur Persönlichkeitsentwicklung, zum Krankheitsverlauf und zum familialen Umfeld Essgestörter

Untersuchungsmethoden: Thematischer Apperzeptionstest (TAT), Familien-Rorschach, Freiburger Persönlichkeitsinventar (FPI), Eating Disorder Inventory (EDI) u. a.

Weiterführung: ja

Finanzierung: Haushaltfinanziert


Entwicklung von Bindung und Bindungsstörungen


Prof. Dr. Ettrich C, Prof. Dr. Ettrich KU Naumann C

Ziel der Studie ist, den Zusammenhang zwischen psychischer Erkrankung und Bindungsformen zu analysieren und mit gesunden Personen, Straffälligen und Suchtpatienten zu vergleichen.

Weiterführung: ja

Finanzierung: Haushaltfinanziert und Drittmittel


Evaluation von verhaltenstherapeutisch orientierten Interventionsprogrammen


Prof. Dr. Ettrich C, Prof. Dr. Ettrich KU, Dünnebier R, Schindler S

Vertiefende Analysen zur Applikation von Interventionsprogrammen bei hyperkinetischen Kindern im Vorschul- und Schulalter, Therapieerfolgskontrollen und differentielle Anwendung Untersuchungsmethoden: Matching Familiar Figures Test, Konzentrations-Handlungs-Verfahren für Vorschulkinder, Leistungsdiagnostik, Verhaltensbeobachtung als Prä-Post-Messung

neu: Erweiterung auf auditive Konzentrationsfähigkeit

Weiterführung: ja

Finanzierung: Haushaltfinanziert


PAS (parental alienation syndrom)


Prof. Dr. Ettrich C Prof. Dr. Ettrich KU, Prof. Dr. Rauscher, Dr. phil. Leitner, Dipl.-Psych. Blank, Lehmann, Mende

Entwicklung eins diagnostischen Verfahrens zur Aufklärung von PAS

Weiterführung:ja

Finanzierung: Haushaltfinanziert


Der Einsatz von Tieren in stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Deutschland - eine Bestands- und Bedarfsanalyse


Dr. Prothmann A, Henning, K, Prof. Dr. Reschke K (Universität Leipzig, Psychologisches Institut I), Prof. Ettrich C

Weltweit leiden bis zu 20% der Kinder und Jugendlichen (WHO-Konferenz Psychische Gesundheit 2005) an Behinderungen infolge psychischer Probleme. Diese Prävalenz macht es notwendig, psychotherapeutische Behandlungsverfahren zu optimieren und an kinder- und jugendpsychiatrischer Belange zu adaptieren. Mit dem Ziel eines ganzheitlichen Versorgungsansatzes erscheint es sinnvoll, auch basale, biologisch fundierte Prozesse anzuerkennen und in das multimodale Spektrum therapeutischer Ansätze zu integrieren. So sollte für Kinder und Jugendliche auch die tiergestützte Therapie als Teil einer effektiven Intervention eingesetzt werden, wie zahlreiche Evaluationsuntersuchungen zeigen. Ausgehend von einer wachsenden Akzeptanz dieses Therapieansatzes widmete sich die vorliegende Studie erstmals einer deutschlandweiten Erfassung der Integration von Tieren in stationären kinder- und jugendpsychiatrischen Einrichtungen.

Weiterführung: abgeschlossen


Selbst- und Fremdeinschätzung der Befindlichkeit bei psychisch kranken Kindern und Jugendlichen


Dr. Prothmann A, Schulze R, Dr. Popp K (Universität Leipzig, Fakultät für Erziehungswissenschaften), Prof. Ettrich C

Schon Sigmund Freud erkannte, dass Tiere einen Zugang zu Menschen mit psychischen Störungen eröffnen. Mittlerweile ist die Wirksamkeit tiergestützter Therapie bewiesen und Tiere werden heute erfolgreich in Tierbesuchsdiensten, in pädagogischen, sozialen und therapeutischen Projekten eingesetzt. Dennoch bleibt vor allem die Frage unbeantwortet, ob und wie tiergestützte Therapie innerhalb einer psychiatrischen Klinik auf Patienten mit verschiedenen Diagnosen wirkt. Darüber hinaus gibt es Arbeiten über den generellen Einfluss tiergestützter Therapie auf die Befindlichkeit von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen. Jedoch wurde dabei nicht erfasst, inwieweit die Interaktion mit einem Tier den weiteren Therapieverlauf beeinflusst. In der vorliegenden Arbeit wurde versucht nachzuweisen, dass sich der schon bewiesene positive Einfluss eines Tieres in der tiergestützten Therapie auch noch in der anschließenden Einzelpsychotherapie wieder finden lässt

Weiterführung: abgeschlossen


Hunde in der Kinderpsychiatrie - Effekte auf die Befindlichkeit der Patienten


Dr. Prothmann A, Bienert M (Psychologisches Institut) Prof. Ettrich C

In Deutschland setzen mehr als 40 % aller Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie Tiere in der therapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ein. Dabei wird sowohl in psychodynamischen, kognitiv-behavioralen als auch komplementären Therapieverfahren von einer mittel- bis hochgradigen Wirkung von Tieren auf den Therapieverlauf ausgegangen. Inwieweit Tiere den Therapieprozess günstig beeinflussen können, ist bislang nur Gegenstand von Einzelfallstudien. Mittels eines Prä-Post- Mess-designs soll in dieser Studie geprüft werden, ob und wie sich der Kontakt zu einem Hund generell auf die Befindlichkeit der Kinder und Jugendlichen auswirkt, ob und wie sich dieser Einfluss über 5 Therapiesitzungen hinweg ändert und bei welchen Diagnosen Tiere besonders bzw. nicht hilfreich sind.

Weiterführung: ja

Finanzierung: Haushaltfinanziert


Die Wirkung tiergestützter Therapie auf die Entwicklung sozialer Kompetenzen bei hör- und sprachbeeinträchtigten Jugendlichen im BBW


Dr. Prothmann A, Hänsch S (Universität Potsdam, Psychologisches Institut) Prof. Ettrich C

Seit mehreren Jahren ist die tiergestützte Therapie mit Hunden ein fester Bestandteil in der beruflichen Rehabilitation schwer hör- und sprachgeschädigter Jugendlicher des Berufsbildungswerkes. Dabei unterstützt ein Mensch-Hund-Team die Arbeit der Psychologen vom psychologischen Dienst vor Ort. Momentan können mehrere Jugendliche an der wöchentlich durchgeführten Therapieform teilnehmen. Jede Sitzung wird auf Video dokumentiert und im Nachgang im gemeinsamen Gespräch ausgewertet. Hör- und Sprachgeschädigte haben häufig Schwierigkeiten, sich in sozialen Situationen zurecht zu finden; durch die Behinderung der Kommunikation ist es besonders hilfreich, soziale Kompetenz über nonverbale Möglichkeiten zu fördern. Hier erweisen sich Hunde als besonders geeignet, da sie in erster Linie den sprachfreien, aber auch den sprachlichen Austausch fördern. Es soll genau untersucht werden, wie diese Therapieform den beruflichen Rehabilitationsprozess beeinflussen kann.

Weiterführung: ja

Finanzierung: Haushaltfinanziert und Drittmittel


Ontogenese sozialer Kognitionen bei Klein- und Vorschulkindern - eine Längsschnittstudie


Dr. Prothmann A, Prof. Ettrich C

Was führte dazu, dass der Mensch vergleichsweise hoch entwickelte Technologien entwickeln konnte? Evolutionspsychologen gehen davon aus, dass uns als Menschen einige besondere soziale Wahrnehmungs- und Denkweisen zu dieser im Tierreich einzigartigen Entwicklung verholfen haben. Bereits Babies beginnen ab etwa 9 Monaten andere Menschen als lebende Individuen mit bestimmten Handlungsabsichten zu verstehen. Sie beobachten genau, was andere machen und wollen verstehen, warum sie das tun. Später sind sie in der Lage, eigene Handlungsabsichten auf andere abzustimmen und gemeinsame (Handlungs-)Ziele zu verfolgen. Wie lässt sich erklären, dass Kinder, die mit einem Haustier aufwachsen, besser in Tests zur Empathiemessung abschneiden? Wirkt sich regelmäßiger Umgang mit Haus- und Heimtieren auf die sozialen Interaktionen innerhalb einer Kindergruppe aus? In der Studie wollen wir genau verfolgen, welche Strategien Kinder verfolgen, um gemeinsames Handeln zu initiieren und wie sie lernen, untereinander Konflikte zu lösen. Dazu werden 3 Kindergruppen (von 6 Monate bis 4 Jahre) in 2 Leipziger Kindereinrichtungen für ein Jahr genau beobachtet.

Weiterführung: ja

Finanzierung: Haushaltfinanziert und Drittmittel


Fördern Tiere soziale Interaktionen bei autistischen Kindern?


Dr. Prothmann A, Brattig A, Prof. Ettrich C

Die Kernsymptomatik des Autismus charakterisieren Defizite in der sozialen Interaktion, Kommunikation und Handlungsplanung. Damit Menschen mit Autismus sich besser in unserer Gesellschaft zurechtfinden, wird in der Therapie autistischer Symptome ein besonderer Schwerpunkt auf das Erlernen sozialer Fertigkeiten gelegt. Wesentliche Bestandteile einer erfolgreichen Therapie sind u.a. die Motivation des Kindes und der Einsatz so genannter natürlicher Verstärker, die dafür sorgen, dass das Kind unmittelbar im sozialen Kontext für richtiges Verhalten belohnt wird. Diese wichtigen Aspekte spiegeln sich in den Eigenschaften von Tieren wider. Mehrere Studien konnten nach-weisen, dass die Einbeziehung eines Hundes in die Therapie eine Steigerung der Motivation zur sozialen Interaktion bei Kindern mit tiefgreifender Entwicklungsstörung bewirkt. Außerdem geben Tiere - ganz im Sinne eines natürlichen Verstärkers - durch ihre direkten und eindeutigen Reaktionen dem Kind eine unmittelbare Rückmeldung über sein Verhalten. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Leipzig wird seit 10 Jahren Tiergestützte Therapie mit Hunden angeboten. Hier soll in einem retrospektiven Studiendesign der Frage nachgegangen werden, ob sich die soziale Interaktion von Kindern mit Autismus im zeitlichen Verlauf der Tiergestützten Therapie messbar verändert.

Weiterführung: ja

Finanzierung: Haushaltfinanziert


Interaktionsmuster und nonverbale Kommunikation psychisch auffälliger Kinder mit einem Therapiehund


Dr. Prothmann A., Prof. Ettrich C

Kommunikation und Interaktion spielen bei psychischen Störungen eine zentrale Rolle. Dabei sind nonverbale Interaktionsmerkmale so bedeutsam wie Sprachzeichen, unterliegen aber bedeutend weniger manipulativen Einflüssen als verbale Kommunikation. Da Kinder eine starke natürliche Affinität zu Tieren haben und mit diesen überwiegend nonverbal über Mimik, Gestik, Körperhaltung und Stimmmodulation interagieren, bietet sich die Möglichkeit, den Einfluss psychischer Störungen

auf die nonverbalen Kommunikationsfertigkeiten direkt zu beobachten. Aufbauend auf dem Black-Box-Modell von Watzlawick und dem Mensch-Tier-Interaktionsparadigma sehen wir das Kind als unbekannte Größe - 'Black Box'. Anhand der Interaktionen des Kindes mit einem Hund und dem Hundeführer als Interaktionsstimuli soll geprüft werden, ob sich störungsspezifische Interaktionsmuster identifizieren lassen und aufgrund der Beobachtungsmesswerte eine Zuordnung zu einer Diagnosegruppe vorgenommen werden kann.

Weiterführung: abgeschlossen