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Theologische Fakultät

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Forschungstätigkeit an der Fakultät


Allgemeine Bemerkungen

Die Forschungstätigkeit der Theologischen Fakultät geschieht auf unterschiedlichen Ebenen:

Im Vordergrund stehen zunächst die größeren wissenschaftlichen Projekte der Professoren und ihrer Mitarbeiter und die von ihnen betreuten Qualifikationsschriften. Dazu werden in den einzelnen Instituten im Rahmen von Sozietäten theologische Fachgespräche organisiert, in denen einzelne Projekte kritisch diskutiert und unterschiedliche Fachperspektiven eingebracht werden. In der Regel führen diese größeren Projekte zum Abschluss, indem die Studien im Druck erscheinen und – wo es beabsichtigt ist – die wissenschaftliche Qualifikation (Dr. theol., Dr. theol. habil.) erreicht wird.

Eine zweite Ebene wissenschaftlicher Forschung ist mit Aufsätzen, Vorträgen und Weiterbildungsveranstaltungen verbunden, in die viele Kollegen der Fakultät in wissenschaftlichen und kirchlichen Gremien eingebunden sind. Dabei entstehen immer wieder auch relativ kurzfristige Anfragen und knappere Studien, die im vorliegenden gedruckten Forschungsbericht in der Regel nicht enthalten sind, die sich aber im der ausführlichen Internetfassung finden.

Eine dritte Ebene wissenschaftlicher Tätigkeit stellen die laufenden Editionsaufgaben dar, in die die Fakultät eingebunden ist. Eine Fülle von Periodika und wissenschaftlichen Reihen wird von Hochschullehrerinnen und -lehrern der Theologischen Fakultät herausgegeben. Beispielhaft seien genannt:

  • Lutherjahrbuch
  • Lutherbibliographie
  • Reihe „Biblische Gestalten“
  • Reihe „Arbeiten zur Bibel und ihrer Geschichte“
  • Kirchengeschichtliches Jahrbuch „Herbergen der Christenheit“
  • Leqach. Mitteilungen und Beiträge der Forschungsstelle Judentum
  • Reihe „Beiträge zu Spiritualität und Liturgie“
  • Reihe „Leucorea-Studien zur Geschichte der Reformation und der Lutherischen Orthodoxie“
  • Reihe „Arbeiten zur Theologie- und Kirchengeschichte“

Außerdem sind viele als Mitherausgeber von Fachzeitschriften, wissenschaftlichen Jahrbüchern usw. eingebunden.

Eine vierte Ebene wissenschaftlicher Tätigkeit ist mit der Organisation von Tagungen und Expertengesprächen verbunden. So veranstaltet beispielsweise das Liturgiewissenschaftliche Institut der VELKD regelmäßige wissenschaftliche Jahrestagungen, an denen Fachvertreter von verschiedenen theologischen Fakultäten und kirchliche Fachleute teilnehmen.

Eine fünfte Ebene wissenschaftlicher Arbeit, die zunehmend wichtiger wird, ergibt sich aus dem Eingebundensein und der Mitwirkung an interdisziplinären und internationalen Forschungsprogrammen und Studienprojekten.

Disziplin- und fakultätsübergreifende Schwerpunkte

Die theologische Forschung wird nach wie vor stark durch die Akzentuierungen bestimmt, die in den einzelnen Instituten der Fakultät gesetzt werden. Dennoch zeichnen sich bei der Fülle der unterschiedlichen Einzelprojekte deutliche Schwerpunkte ab, denen teils über die Instituts-, teils über die Fakultätsgrenzen hinweg wissenschaftlich nachgegangen wird. Dabei ist zu denken an:

  • Das DFG-Forschungsprojekt „Das Kind in Israel“, das als Beitrag zum Thema Kind und Kindheit im Alten Orient interdisziplinär Beachtung findet (u.a. interdisziplinäres Forschungskolloquium zur Vorbereitung), verantwortet vom Institut für Alttestamentliche Wissenschaft.
  • Editionsprojekte zu Texten des hellenistischen Judentums und des frühen Christentums (gemeinsam mit Fachkollegen anderer deutscher theologischer Fakultäten und Fachvertretern aus den USA), verantwortet vom Institut für Neutestamentliche Wissenschaft.
  • Forschungen zur Reformationsgeschichte (inklusive bestimmter Schwerpunkte in der Territorialgeschichte). Hierbei ist neben verschiedenen Einzelstudien besonders auf das interdisziplinär ausgerichtete Projekt „Politische Korrespondenz des Herzogs und Kurfürsten Moritz von Sachsen“ als Teil des Gesamtprojekts „Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte“ zu verweisen (Institut für Kirchengeschichte gemeinsam mit der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig).
  • Theologische Bachforschung, angesiedelt in der Systematischen Theologie mit Verbindungen zur Kirchen- und Liturgiegeschichte, zur Musikwissenschaft und zu Tätigkeiten der Neuen Bachgesellschaft.
  • Theologische Anthropologie und Ethik mit verschiedenen Lehr- und Forschungsvorhaben des Instituts für Systematische Theologie in Kooperation mit Wissenschaftlern der medizinischen Ethik usw. (Grenzen des Lebens, Behinderung...)
  • Religion als Thema theologischer und soziologischer Forschung. Dabei geht es sowohl um den Stellenwert von Religion in Religionskritik und Theologie wie auch um empirische Religionsforschung. Dazu gehören mehrere Projekte aus den Instituten für Systematische Theologie, Praktische Theologie (hier vor allem aus der Abteilung für Religions- und Kirchensoziologie, aber auch der Seelsorgelehre) und der Religionspädagogik.
  • Fakultäts- und Universitätsgeschichte, verankert im Institut für Kirchengeschichte und zugleich in Gemeinsamkeit mit allen anderen Instituten, nicht zuletzt mit dem Institut für Alttestamentliche Wissenschaft.
  • Liturgiewissenschaftliche Forschung mit Projekten, thematischen Fachgesprächen und fakultätsübergreifender Lehre (Postgradualer Studiengang Liturgiewissenschaft).

Schwerpunkte der Forschung an den Instituten der Fakultät

Institut für Alttestamentliche Wissenschaft

1. Allgemeine Hinweise

Das Institut für Alttestamentliche Wissenschaft verfolgt eine Reihe von längerfristigen
Publikationsprojekten:

  1. a) Kommentierung der biblischen Bücher Sacharja, Josefsgeschichte (Gen 37-50), 1. und 2. Makkabäerbuch
  2. b) die Herausgabe
    • der Zeitschrift leqach (Mitteilungen und Beiträge der Forschungsstelle Judentum)
    • Arbeiten zur Bibel und ihrer Geschichte
    • Biblische Gestalten

2. Ausgewählte Forschungsprojekte

Forschungsprojekt: Das Kind in Israel und in seinen Nachbarkulturen im 1. Jahrtausend v. Chr.
PD Dr. Andreas Kunz-Lübcke, Prof. Dr. Rüdiger Lux (kunz@rz.uni-leipzig.de), (lux @rz.uni-leipzig.de)

Im Unterschied zu den Äußerungen populärer Vertreter der Kindheitsforschung, die die Situation der Kinder im vorindustriellen Zeitalter alles andere als positiv beschrieben haben, konnten neuere Untersuchungen zum Thema Kind und Kindheit im Alten Orient, Altägypten und der Antike zeigen, dass die klassischen Mittelmeerkulturen Kindern ein großes Interesse entgegengebracht haben und dass sie im Unterschied zum mittelalterlichen Europa Kinder und Kindheit wahrgenommen haben. Die Untersuchungen haben hervorheben können, dass sich einerseits die biologisch-medizinischen, pädagogischen, ethischen und sozialen Vorstellungen vom Kind von modernen Konzeptionen unterscheiden und dass anderseits die Erwachsenen der Alten Welt Kinder hochschätzten.

Für Israel fehlt eine zusammenhängende Untersuchung zum Kind und zur Vorstellung von Kindheit. Das Forschungsprojekt wird sich in einer vergleichenden Untersuchung unter anthropologischer, pädagogischer, sozialer und ethischer Perspektive des Themas annehmen. Mittels dieser Leitbegriffe sollen die Vorstellungen von Kind und Kindheit in Israel in alttestamentlicher Zeit in ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden zu modernen Konzeptionen vom Kind und der Kindheit und zu den Kindheitsvorstellungen der Alten Welt untersucht werden. Auf dieser Grundlage werden sich die Verbindungs- und die Trennungslinien sowohl zwischen Israel und seinen Nachbarkulturen als auch zwischen Israel und der heutigen Zeit kennzeichnen lassen.

Handbuch Theologischer Grundbegriffe zum Alten und Neuen Testament
Prof. Dr. Angelika Berlejung (berle@rz.uni-ieipzig.de)

Das HGANT ist ein neuer Typus von Handbuch, das sowohl als Studienbuch als auch als Nachschlagewerk konzipiert ist. Es bietet umfassende und aktuelle Informationen zu zentralen Themen und Begriffen der Theologie des AT und NT. Dabei wird das von Ikonographie, Altertumswissenschaften, Sozialgeschichte, Philologie und exegetischer Forschung in den letzten Jahrzehnten Erarbeitete einbezogen und für den Leser verständlich erschlossen. Theologisch relevante Vokabeln werden zusammengestellt, ihr Sprachgebrauch übersichtlich beschrieben und Verbindungslinien zur zeitgenössischen biblischen Umwelt hergestellt. In Ergänzung werden auch neuere traditionsgeschichtliche und mentalitätsgeschichtliche Fragestellungen aufgenommen. Grundlinien gegenwärtiger Forschung werden dargestellt und neueste Literatur zur Weiterarbeit angegeben. Insbesondere in Bezug auf die Artikel zum Weltbild und zur Sozialgeschichte des 1. Jh. v. Chr. bis ca. zum 2. Jh. n. Chr. war Grundlagenforschung notwendig.

Institut für Neutestamentliche Wissenschaft

1. Allgemeine Hinweise

Die Forschungsprojekte galten den Schwerpunkten:

  • Wissenschaftliche Editionen und Kommentierungen von wesentlichen Texten des hellenistischen Judentums und des frühen Christentums (u.a. Pseudepigraphen, Paralipomena Jeremiae, Septuaginta).
  • Neutestamentliche Briefliteratur (Pastoralbriefe, Galaterbrief, Hebräerbrief, Jakobusbrief).
  • Lukanische Theologie (Apostelgeschichte).
  • Editionsprojekte (Symposien, Aufsätze u.ä.)
  • Jesusforschung – Buchprojekt „Jesus“ (Prof. Dr. J.Schröter).

Dies sei als Beispiel kommentiert:

Für die Reihe „Biblische Gestalten“ wurde der Band zu Jesus übernommen. Es handelt sich dabei um einen der zentralen Bände der neutestamentlichen Abteilung der Reihe. Die Jesusforschung hat in den zurückliegenden Jahren, vor allem durch Anstöße aus der amerikanischen Forschung, neuen Auftrieb erhalten. Dies hat vor allem zu einer neuen Diskussion über methodische Fragen geführt. Neue Erkenntnisse sind zudem durch die Ausgrabungen in Galiläa in den letzten beiden Jahrzehnten zutage getreten. Die sehr umfangreiche Literatur zur Jesusforschung aus den zurückliegenden Jahren sowie die archäologischen Ergebnisse sind innerhalb des auf ein breiteres Publikum zugeschnittenen Bandes zu verarbeiten.

2. Ausgewählte Forschungsprojekte

Kritische Textedition und Übersetzung der Paralipomena Jeremiae im Rahmen der SBL Series Writing from the Ancient World, Scholars Press, Atlanta, hrsg. v. J. Fitzgerald (Miami).
Critical Edition and Translation of the Paralipomena Jeremiae
Prof. Dr. Jens Herzer (herzer@uni-leipzig.de)

Dem Anliegen der Reihe entsprechend soll der griechische Text mit einem dem aktuellen Forschungsstand entsprechenden textkritischen Apparat herausgegeben werden. Hinzu kommt eine Übersetzung des Textes, eine ausführliche Einleitung zur Schrift insgesamt sowie im Anschluss an die Textedition ein Kommentar. Das Buch erscheint in englischer Sprache. Damit soll die erste und durch die Forschung überholte Ausgabe von R. Kraft/A. E. Purintun abgelöst werden.

Herausgabe des Werkes „Antike christliche Apokryphen“
Prof. Dr. Jens Schröter (schroetj@rz.uni-leipzig.de), Prof. Dr. Christoph Markschies

Das Standardwerk der deutschen Übersetzung neutestamentlicher bzw. antiker christlicher Apokryphen wird neu aufgelegt. Die Herausgeberschaft wird von den beiden Genannten verantwortet. An dem Projekt sind zahlreiche Autoren beteiligt. Die Fertigstellung des ersten Bandes, der 2006 zum Verlag gehen soll, erfordert in diesem Jahr erheblichen Koordinations- und Kommunikationsaufwand mit Autoren, technischen Bearbeitern und Verlag. Dabei ist natürlich stets die inhaltliche Konzeption zu überdenken und weiterzuentwickeln.

Institut für Kirchengeschichte

Schwerpunkte der Forschung ergeben sich durch die Abteilungen des Instituts:

Abteilung Spätmittelalter und Reformation
Im Zentrum stehen die Wittenberger Reformation des 16./17. Jahrhunderts, die sächsische Kirchen- und Landesgeschichte sowie die Bildungsgeschichte Mitteldeutschlands einschließlich der Universität Leipzig in Vorbereitung auf die 600-Jahrfeier 2009. Als Beispiel sei das Vorhaben der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig genannt. Die Arbeit am Manuskript von Bd. 6 (1552/53) der „Politischen Korrespondenz des Herzogs und Kurfürsten Moritz von Sachsen“ (Prof. Dr. Günther Wartenberg gemeinsam mit Prof. Dr. Junghans, Dr. Johannes Herrmann und Dr. Christian Winter) wurde abgeschlossen. Das gilt auch für Bd. 1 einer auf drei Bände angelegten „Lateinisch-deutschen Studienausgabe“ von Schriften Martin Luthers (Prof. Dr. Günther Wartenberg, Dr. Michael Beyer gemeinsam mit Prof. Dr. Wilfried Härle, Heidelberg, und Prof. Dr. Johannes Schilling, Kiel). Vorarbeiten betreffen die Fortsetzung von „Melanchthon deutsch“ (Prof. Dr. Günther Wartenberg, Dr. Michael Beyer gemeinsam mit Prof. Dr. Volker Leppin, Jena, Dr. Stefan Rhein, Lutherstadt Wittenberg, PD Dr. Stephan Meier-Oeser, Bretten, und Pfarrer Dr. Fischer, Bretten). Das Institut beteiligt sich (Dr. Michael Beyer) an einer mehrbändigen lateinisch-italienischen Auswahlausgabe von Werken Philipp Melanchthons, die gemeinsam mit italienischen Forschern, dem Verlag Claudiana, Turin, und dem Melanchthonhaus Bretten vorbereitet wird. Parallel dazu wird z. Zt. einer der Bände, der Melanchthons Epitome philosophiae moralis enthält, auch für eine lateinisch-deutsche Ausgabe bearbeitet.

Abteilung Neuere und Neueste Kirchengeschichte
Schwerpunkte der Forschung bilden die Geschichte des Christentums in der Zeit der Aufklärung und des Staatskirchentums und die Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts in interkonfessioneller Perspektive. Dazu gehört auch die Erforschung der Geschichte protestantischer Minderheitenkirchen in Europa in der Neuzeit. In Abstimmung mit der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kirchliche Zeitgeschichte wurde mit der Planung und Erarbeitung von Studien zur Kirchengeschichte der Zeit um 1968 begonnen.

Territorialkirchengeschichte
Fortgesetzt wurde die Arbeit am „Sächsischen Pfarrerbuch“ und die Mitarbeit am Vorhaben des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V. in Dresden „Sächsische Biographie“.

Christliche Archäologie und Kirchliche Kunst
Auf der Basis von Exkursionen, Detailuntersuchungen, Seminaren, Führungen, Vorträgen und Fachberatung vor Ort wird die Kenntnis zu Topographie, Bausubstanz und Ausstattung von Kirchen vornehmlich im sächsischen Raum weiter vertieft. Kontakte zum Landesamt für Denkmalpflege in Erfurt und zum Institut für Kunstgeschichte der Universität Halle wurden zur Vernetzung der Arbeit im mitteldeutschen Raum geknüpft.

Institut für Systematische Theologie

Forschungsschwerpunkte

Interdisziplinärer Forschungsdialog des Leipziger Forums Naturwissenschaften – Philosophie – Theologie
Sprecher: Prof. Dr. Annette G. Beck-Sickinger (Institut für Biochemie) und Prof. Dr. Matthias Petzoldt (Institut für Systematische Theologie, mgpetzoldt@ theologie.uni-leipzig.de).

Aus der ersten öffentlichen Ringvorlesung an der Universität Leipzig im Wintersemester 2003/04 zum Thema „Gott im Gehirn? Neurotheologie und die Phänomenologie religiöser Erfahrung“ ist das Publikationsprojekt „Brain Science and the Phenomenology of Religious Experience. Interdisciplinary Dimensions“ hervorgegangen, Herausgeber: PD Dr. Christoph Jäger, das 2006 beim Springer-Verlag verlegt werden soll.
Im Wintersemester 2005/06 begann die zweite öffentliche Ringvorlesung unter dem Thema „Paradigma Evolution: Chancen und Grenzen eines Erklärungsmuster“, die im Sommersemester fortgesetzt werden soll. Die Texte der Vorträge werden als Buch veröffentlicht.

Prof. Dr. Martin Petzoldt hat eine Reihe von Veröffentlichungen zur theologischen Bachforschung erarbeitet; zuletzt ist erschienen:

Bach-Kommentar: Theologisch-musikwissenschaftliche Kommentierung der geistlichen Vokalwerke Johann Sebastian Bachs. Band I: Die geistlichen Kantaten des 1. bis 27. Trinitatis-Sonntages. Musikwissenschaftliche Beratung: Don O. Franklin. Schriftenreihe der Internationalen Bachakademie Stuttgart, hrsg. von Norbert Bolin, Bd. 14.1. Stuttgart-Kassel-Basel-London-New York-Prag: Internationale Bachakademie und Bärenreiter 2004. 736 S. [1. Auflage 2004; 2. Auflage 2005].

Interdisziplinäres Projekt: Ethik in der Medizin. Ethics in Medicine.
Leben, Lebensschutz und Embryonenschutz, Menschenwürde. Ethische Probleme am Lebensanfang und am Lebensende. Das Verständnis von Gesundheit und Krankheit.
Leitung: Prof. Dr. Gunda Schneider (gschneid@rz.uni-leipzig.de)

Institut für Praktische Theologie

Abteilung Praktische Theologie

1. Allgemeine Hinweise

Die Forschungsarbeit gilt hier den Schwerpunkten:

  • Liturgiewissenschaftliche und homiletische Fragen (Einzelstudien zur evangelischen Gottesdienstgeschichte, DFG-Projekt zum Friedensgebet in Leipzig, Der Gottesdienst als Ort religiöser Bildung, Junge Erwachsene und Gottesdienst, Tagzeitengebete, Osterlieder, Berneuchener Bewegung, Die Rede von der Sünde in der gegenwärtigen Predigt...);
  • Praktisch-theologische Kirchentheorie (Gemeindeaufbau, Themen der gegenwärtigen kirchlichen Strukturreformen);
  • Themen aus Seelsorge und Spiritualität;
  • Historische Positionen der Praktischen Theologie mit Gegenwartsrelevanz.

2. Ausgewählte Projekte

Zukunftskonzepte in evangelischen Landeskirchen
Im Zusammenwirken mit Prof. em. Dr. Jürgen Ziemer, Pfarrerin Bettina Naumann, Pfarrer Michael Böhme und Dr. Gert Schneider von der Unternehmensberatung Mummert Consulting (Hamburg) wurden leitende Mitarbeiter (Superintendenten) der drei mitteldeutschen Landeskirchen nach ihrer Wahrnehmung des kirchlichen Reformprozesses in der Gegenwart, nach ihrer persönlichen Einschätzung der kirchlichen und religiösen Situation und nach ihren theologischen und kybernetischen Zukunftsoptionen im Kontext gegenwärtiger gesamtkirchlicher Zukunftskonzepte befragt. Dabei waren sowohl theologisch-geistliche wie auch finanziell-organisatorische Aspekte im Blick. Die eingegangenen Antworten wurden elektronisch ausgewertet und dokumentiert und im Rahmen einer Konsultation mit den Betroffenen diskutiert. Dabei stellten sich elementare Defizite heraus, die dringend einer weiteren theologischen und praktisch-kirchlichen Bearbeitung bedürfen (z.B. Unklarheiten im Blick auf das Verständnis von Leitung in der Kirche und im Blick auf Leitungskompetenzen, fehlende langfristige Entwicklungskonzepte für die kirchliche Arbeit, Widersprüche im Blick auf die missionarischen Aufgaben der Kirche...). Die Ergebnisse wurden den Kirchenleitungen der drei mitteldeutschen Kirchen zur Verfügung gestellt. Die Veröffentlichung der Ergebnisse ist in Arbeit (Prof. Dr. Wolfgang Ratzmann, ratzmann@uni-leipzig.de).

Dietrich Bonhoeffer als Praktischer Theologe
Dietrich Bonhoeffer wäre am 4. Februar 2006 100 Jahre alt geworden. Die Faszinationskraft dieses im In- und Ausland wohl bekanntesten deutschen Theologen des 20. Jahrhunderts ist ungebrochen. Seine Praktische Theologie ist bisher jedoch weithin unbekannt geblieben. In ihr zeigt Bonhoeffer sich – gerade in seiner Zeit als Predigerseminardirektor, um die es im Forschungsprojekt vor allem geht – als konsequent spiritueller und radikal kirchlicher Theologe. Angesichts der Wiederkehr der Religion und der gegenwärtigen Krise der verfassten Kirchen sind seine praktisch-theologischen Überlegungen von besonderer Aktualität. Das Forschungsprojekt hatte zunächst das Ziel, Ortsbestimmungen zu Bonhoeffers Praktischer Theologie vorzunehmen. Weiter sollten die einzelnen praktisch-theologischen Handlungsfelder untersucht werden: Predigtlehre, Gottesdienstverständnis, Seelsorgelehre und Gemeindeaufbau. Dabei bewährte sich der Dreischritt: biographische Annäherung – theologische Grundlegung – Konkretion. Im ersten Schritt wurde der jeweilige Untersuchungsgegenstand in einem biographischen Zusammenhang verortet. Im zweiten Schritt ging es um Bonhoeffers theologische Überlegungen zum Thema. Im dritten Schritt wurde eine Tiefenbohrung vorgenommen: entweder in Form der Fokussierung auf eine bestimmte Fragestellung oder als Versuch, die Aktualität von Bonhoeffers Überlegungen thesenartig zu erweisen.
Das Forschungsprojekt floss in Lehrveranstaltungen ein (eine Vorlesung, ein Seminar) und soll auch im kommenden Jahr fortgesetzt werden. Ein erstes Ergebnis stellt das Buch „Bonhoeffer als Praktischer Theologe“, Göttingen 2006 dar.
(Prof. Dr. Peter Zimmerling, Zimmerling@theologie.uni-leipzig.de)

Abteilung für Religionssoziologie

1. Allgemeine Hinweise

  • Themen zu Religion und Weltanschauung („Wissenschaftliche Weltanschauung“ und Religion, Diakonie in Ostdeutschland, familiäre Sozialisation in einem diktatorischem System, Milieubindung, Religion und Weltanschauung in Ostdeutschland ...)
  • Ethische Fragen unter soziologischer Perspektive (Globale Vernetzung und moralische Kommunikation, Persönlichkeitsentwicklung für den Arbeitsmarkt, Die Verwaltung der Prostitution: Sachsen – Polen – Tschechien)

2. Ausgewähltes Forschungsprojekt

Generationenwandel als religiöser und weltanschaulicher Wandel: Das Beispiel Ostdeutschlands
(Prof. Dr. Monika Wohlrab-Sahr, Thomas Schmidt-Lux, Uta Karstein, Mirko Punken):
Ausgehend von dem statistischen Befund einer zunehmenden Öffnung der jüngeren Altersgruppen in Ostdeutschland gegenüber unspezifischen religiösen Vorstellungen analysiert das Projekt die religiös-weltanschaulichen Veränderungen in der DDR und in Ostdeutschland als Beispiel generationalen Wandels. Die religiös-weltanschauliche Entwicklung kommt dabei in ihrem Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Umbrüchen in den Blick. Datengrundlage bilden familiengeschichtliche Interviews mit drei Generationen, biographische Interviews und Gruppendiskussionen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der jüngsten Generation, die Deutungsaufgaben über die eigene Generation hinaus übernimmt, und bei der sich spezifische Kombinationen von Traditionsbezug und Besonderung finden lassen. Über diese Deutungsaufgaben gewinnen diese Jahrgänge möglicherweise auch eine Kontur als „gesellschaftliche Generation“.

Institut für Religionspädagogik

1. Allgemeine Hinweise

Größter Forschungsschwerpunkt am Institut für Religionspädagogik ist seit einigen Jahren die Erforschung der Bedingungen diakonisch-sozialen Lernens an unterschiedlichen Lernorten (Familie, Schule, Kirchengemeinde) sowie die Entwicklung von Modellen, die der Profilierung dieses Lernens dienen. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die empirische Forschung zur Beziehung von Lebenssituation und Religiosität bei Schülern.

2. Ausgewählte Projekte

Diakonie in der Schule – Evaluation eines neuen Unterrichtsfaches an dem kirchlichen Gymnasium in Michelbach/Bilz
(Dr. Christoph Gramzow)
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die theoriegeleitete Prüfung der Wirksamkeit diakonisch-sozialen Lernens im schulischen Alltag. Deutschlandweiter Vorreiter der Umsetzung diakonisch-sozialen Lernens in die Schulpraxis ist das Evangelische Schulzentrum Michelbach/Bilz, das seit 1996 seinen Schülerinnen und Schülern in den Klassen 9 - 11 die Möglichkeit bietet, das Profilfach Diakonie zu besuchen ('Michelbacher Modell'). Mittels quantitativer und qualitativer Methoden wird untersucht, ob und wie die angestrebten Lernerfolge erreicht werden.

Gott und das Leid aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen
(Prof. Dr. Helmut Hanisch, Dr. Christoph Gramzow, zusammen mit Prof. Dr. Dr. Werner Ritter und Prof. Dr. Erich Nestler, Universität Bayreuth)
Die Untersuchung widmet sich der Erforschung subjektiver Theorien von Kindern und Jugendlichen zur Gottesbeziehung angesichts von Leid. Die Schülerinnen und Schüler werden dabei durch Erzählung und Impulsfragen angeregt, sich in Dreier- und Vierergruppen über persönliche Erfahrungen sowie grundsätzliche Fragen im Zusammenhang mit der religiösen Dimension von Leid zu unterhalten. Die Gespräche werden auf Tonband aufgezeichnet und transkribiert sowie anschließend verschiedenen qualitativen und quantitativen Analyseverfahren unterzogen. Als Ergebnis der Studie zeigen sich unerwartete Befunde hinsichtlich der Bedeutung der sogenannten Theodizeefrage im religiösen Denken und Erleben der Kinder und Jugendlichen.
Weitere Forschungsprojekte am Institut für Religionspädagogik setzen sich mit der Biographie und dem Werk Johann H. Wicherns als Impuls für diakonisches Lernen (Lydia Steinbach), dem Beitrag christlicher Frauengestalten zum diakonischen Lernen (Ulrike Witten) sowie dem diakonisch-sozialen Lernen bei Hochbegabten (Silke Klatte) auseinander.

Liturgiewissenschaftliches Institut

Im Mittelpunkt stehen hier neben der laufenden Lehr- und Tagungsarbeit mit jährlichen Fachgesprächen und regelmäßigen Publikationsarbeiten zu verschiedenen Fragen (u.a. Reihe „Beiträge zu Liturgie und Spiritualität“, EVA Leipzig) Arbeiten an einem mehrteiligen liturgiehistorischen Projekt: „Studien zu Funktion und Wandel des evangelischen Gottesdienstes in Sachsen“ (Leitung: Prof. Dr. Wolfgang Ratzmann, ratzmann@uni-leipzig.de; Dr. Irene Mildenberger, liturgie@uni-leipzig.de).
Kurzbeschreibung des Forschungsprojektes: Die evangelische Gottesdienstgeschichte ist bisher nur wenig erschlossen worden. Angestrebt wird, in einigen Teilstudien sowohl wesentliche Quellentexte zu dokumentieren und zu kommentieren wie auch lokalgeschichtliche und themenbezogene Einzeluntersuchungen vorzunehmen. Die Studien sollen versuchen, die lebensweltliche und kulturelle Funktion des Gottesdienstes zu erschließen.

In Vorbereitung einer Quellenedition wurden Abschriften wichtiger Texte hergestellt. Das Teilprojekt „Geschichte und Bedeutung des Buß- und Bettages“ wurde begonnen (Annette Gruschwitz). Ebenfalls begonnen wurde mit einer Studie zu „Alternativen Gottesdiensten in der DDR“ (Matthias Werner). Eine Studie über „Johann Georg Rosenmüller und die Aufklärungsliturgik in Sachsen“ wurde vorbereitet.

Drittmittelgeförderte Forschung

Als größere Drittmittelprojekte können gelten: DFG-Projekt zu den Friedensgebeten in Leipzig (Institut für Praktische Theologie: Dr. Hermann Geyer / Prof. Dr. Wolfgang Ratzmann, Förderung beendet 2004, Abschluss 2005 ), das DFG-Projekt zum Generationenwandel als religiöser und weltanschaulicher Wandel (Abteilung für Religions- und Kirchensoziologie, Prof. Dr. Monika Wohlrab-Sahr und MitarbeiterInnen) und das neue DFG-Projekt „Das Kind in Israel und in seinen Nachbarkulturen“ des Instituts für AT (Prof. Dr. Rüdiger Lux, PD Dr. Andreas Kunz-Lübcke).

Weitere Drittmittel sind durch Promotionsstipendien eingeworben worden, darunter auch kirchliche Stipendien (ein Promotionsstipendium des Gustav-Adolf-Werkes), und durch gemeinsame Projekte mit außeruniversitären Institutionen (Sächsische Akademie der Wissenschaften mit dem Institut für Kirchengeschichte (Leitung: Prof. Dr. Dr. Günther Wartenberg: Politische Korrespondenz des Herzogs und Kurfürsten Moritz von Sachsen).
De facto ist auch die Existenz des Liturgiewissenschaftlichen Instituts der VELKD wie ein „Drittmittel-Projekt“ zugunsten der Fakultät in Lehre und Forschung zu betrachten, auch wenn das auch rechtlichen Gründen (eigenständige kirchliche Finanzverwaltung) nicht so genannt werden kann.

 

 

Home Zusammenstellung: Forschungskontaktstelle, 26.07.2007