Forschungsbericht 2004 - Projekte

 

Institut für Soziologie

Institute of Sociology


FG Methoden der empirischen Sozialforschung

Methods of social sciences


Verkehrsmittelnutzung bei Großveranstaltungen


Prof. Dr. Steffen H. Wilsdorf (wilsdorf@sozio.uni-leipzig.de)

Nachdem wieder finanzielle Mittel zur Verfügung standen, konnte das im vergangenen Jahr begonnene Projekt mit zwei weiteren Studien fortgeführt werden. Dies geschah wiederum im Rahmen der Ausbildung in "Methoden der empirischen Sozialforschung" für Soziologen und der Politikwissenschaftler. Es wurde der im Vorjahr entwickelte standardisierte Fragebogen zur Messung der Verkehrsmittelnutzung von Besuchern bei Großveranstaltungen in Leipzig entsprechend der jeweiligen Veranstaltungsart präzisiert und dann bei einem Rockkonzert bzw. einem Fußballländerspiel eingesetzt.

Dabei wurden u.a. die Informationsquellen über Parkplätze, Reiserouten etc. ermittelt. Insgesamt wurden in den zwei Studien über 2500 Personen in Form einer Quotenbefragung vor den Eingängen und innerhalb der Veranstaltungsorte interviewt.

Weiterführung: Wird bei vorhandenen Mitteln des Geldgebers fortgeführt

Finanzierung: Drittmittelprojekt , finanziert durch die Stadt Leipzig.


Public Goods in the World Society: The Case of Social Security


Projektleiter: Dr. Natàlia Cantó i Milà, Prof. Dr. Georg Vobruba (cantomila@sozio.uni-leipzig.de)

Kurzbeschreibung des Forschungsprojektes: Ausgangspunkt des Projekts ist die These, dass langfristig der globale Kapitalismus nur sozial eingebettet funktioniert. Es wird empirisch untersucht, ob und wie sich dieses funktionale Erfordernis in Handlungen umsetzt. This project works with the argument that global capitalism can only function when socially embedded. An empirical research will seek to prove whether and to what extend this functional requirement is being translated into actions.

Weiterführung: Ja

Finanzierung: Haushaltfinanzierte Forschung


The European Dilemma: Institutional Patterns and Politics of 'Racial' Discrimination (XENOPHOB)


Forschergruppe in Deutschland: Prof. Helena Flam, Ph.D. (Projektleiterin/project director); e-mail: flam@sozio.uni-leipzig.de

Laufzeit: 01.11.2002-31.10.2005

Projektkoordination: Prof. Masoud Kamali (Centre for MultiEthnic Research, University of Uppsala)

Kurzbeschreibung: Es handelt sich um ein international vergleichendes Forschungsprojekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, fremdenfeindliche Einstellungen, Praktiken und Politik in acht europäischen Ländern zu untersuchen. Dabei sind sowohl individuelle Einstellungen und Praktiken als auch Mechanismen institutioneller Diskriminierung von Interesse. Im Hinblick auf Letztere stehen das Bildungssystem und der Arbeitsmarkt als Schlüsselinstitutionen zur gesellschaftlichen Teilhabe im Vordergrund. Außerdem ist im Rahmen des Forschungsprojektes das Archiv 'Voices of Immigrants' eingerichtet worden, in dem Interviews mit Zuwanderern oder Angehörigen ethnischer Minderheiten gesammelt wurden. In ihnen formulieren die Zuwanderer bzw. deren Nachkommen ihre Erfahrungen und ihre Strategien im Umgang mit individuellen und institutioneller Diskriminierung. Gegenwärtig werden parteipolitische Diskurse über Immigranten, Einfluss der rechtsextremen Parteien auf Politik und Medienberichte über die rechtsextremen Parteien seit ca. 1980 untersucht. Die Forschungsergebnisse stellen die Grundlage für eine Politikberatung zur Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit auf der Ebene der Europäischen Gemeinschaft, auf der nationalen und auf der lokalen Ebene dar. Ein Sammelband 'Migrant Voices', herausgegeben von Gerard Delanty, Ruth Wodak und Paul Jones, ist im Entstehen und wird bei Liverpool University Press erscheinen.

Abstract: This comparative project investigates key practices of xenophobia and racial discrimination in eight European countries. We focus on xenophobic attitudes and actions as well as on institutionalized discrimination patterns in the educational system and on the labour market. We already set up an archive, 'Voices of immigrants', in which interviews with migrants and members of ethnic minorities are stored. The interviews capture their experience with discrimination and xenophobia. We are now engaged in the discourse analysis of the political party programs and electoral campaigns, right wing influence on politics/policy and media reporting on right wing parties. Based on the analysis of all this material, we will formulate policy recommendations and specify strategies for dealing with xenophobia on local, national and EU levels. A collected volume, 'Migrant Voices', edited by Gerard Delanty, Ruth Wodak and Paul Jones, is to appear with the Liverpool University Press.

Finanzierung/Sponsored by: Drittmittel; gefördert durch die Europäische Gemeinschaft im Rahmen des EU fifth Framework Programme, 2002-2005


Soziales Kapital und die Dynamik transnationaler Migrationsbewegungen (Polnisches Migrationsprojekt)

Social Capital and the Dynamics of Transnational Migration (Polish Migration Project)


Prof. Dr. Frank Kalter (fkalter@sozio.uni-leipzig.de), Dipl. Päd. Gisela Will, Roman Auriga M.A. M.E.S.

Neben der Beschreibung des vergangenen und aktuellen Migrationsgeschehens (einschließlich 'neue' Wanderungsformen) sollen in diesem Projekt zentrale Hypothesen der neuen Migrationstheorie getestet werden, wobei die Netzwerk- bzw. Sozialkapitalhypothese und Modelle einer nur eingeschränkten Rationalität der Akteure im Vordergrund stehen.

Anfang 2005 sollen retrospektive Migrationsbiographien von Bewohnern vier ausgewählter polnischer Gemeinden sowie von ehemaligen Bewohnern dieser Gemeinden, die sich nunmehr in Deutschland aufhalten, erhoben werden. Hierbei wurden neben städtischen Befragungsgebieten (Poznan und Kielce) auch zwei ländliche Gemeinden ausgewählt (Jaraczewo und Pawlów).

Die Studie versteht sich dabei als eine Art Pilotprojekt, auf das nach Vorbild des Mexican Mi-gration Project eine langfristige kumulative empirische Forschung aufgebaut werden kann.

Weiterführung: ja

Finanzierung: Drittmittel (DFG)


The European Dilemma: Institutional Patterns and Politics of 'Racial' Discrimination


Projektkoordinator: Professor Masoud Kamali, Uppsala University, Center for Multiethnic Research, Email: masoud.kamali@multietn.uu.se; Projektleiter: Prof. Helena Flam, PhD, Email: flam@sozio.uni-leipzig.de; Mitarbeiter: Björn Carius, Jochen Kleres, Axel Philipps und Nadine Swibenko

Kurzbeschreibung des Forschungsprojektes: This project intends to systematically and comparatively investigate key practices of xenophobia and racial discrimination in eight European countries and to articulate policy implications and strategies to deal with such problems on local, national and EU levels. This is a major challenge given the prevalence and tenacity of 'racist' attitudes and practices in every European country, a condition which is a major threat to an integrated Europe. The project has the following specific aims: (I) to gain a deeper understanding of the practice of 'racial' discrimination and xenophobia - their diversity and underlying mechanisms - in the eight European countries. (2) to investigate and map out institutionalized discrimination and exclusion in two areas: labor markets and educational system in each country. (3) to investigate and explain the emergence and success in several European countries of xenophobic nationalist parties (or radical right parties) and their impact on policies in areas of  labor market and education. (4) to provide a comparative perspective - identifying similarities and differences in expressions and forms of xenophobic and racial discrimination across Europe. (5) to draw from the research results policy implications and strategies with which to combat xenophobia and racism on EU, national, and local levels.

Weiterführung: 2003-2005

Finanzierung: EU-Drittmittel


Auflösungsprozesse in NGOs

Dissolution processes in NGOs


Bearbeiter: Jochen Kleres (jkleres@sozio.uni-leipzig.de) Betreuerin: Prof. Helena Flam (flam@sozio.uni-leipzig.de)

Ziel des Promotionsprojektes ist die Erforschung von Auflösungsprozessen in Nonprofit-Organisationen. Dabei soll sich das Hauptaugenmerk auf endogene Auflösungsprozesse richten, also etwa nicht um Auflösung als Ergebnis staatlicher Mittelkürzungen.

Zu diesem Zweck werde ich drei Theoriestränge miteinander verknüpfen, die bei der Erforschung von NGOs bislang weitgehend unverbunden geblieben sind: Dritte-Sektor-Forschung, Theorien sozialer Bewegungen sowie Theorien zur Zivilgesellschaft einschließlich der Theorien zum bürgerschaftlichen Engagement. Unter Bezug v.a. auf Theorien sozialer Bewegungen werde ich im Gegensatz zur Dritte-Sektor-Forschung NGOs nicht aus der Systemperspektive sondern vielmehr aus der Akteursperspektive erforschen. Zivilgesellschaftliche Theorien sollen als Rahmen für eine Integration dieser beiden Theoriestränge dienen. Hier wird insbesondere auf Theorien zum bürgerschaftlichen Engagement zurückzugreifen sein. Meine Doktorarbeit ist daher ebenfalls als Beitrag zur Zivilgesellschaftsdebatte zu verstehen.

Individuelles Engagement fungiert als Kern der Analyse. Leitend ist dabei die Annahme, dass diese Form des Handelns in seiner emotionalen Bedingtheit sowie auf der Basis spezifischer Deutungsmuster insbesondere auch von Identitätskonstrukten zu verstehen ist. Diese beiden Dimensionen wiederum sind nur unter Rückbezug auf kulturelle sowie institutionelle Bedingungen zu verstehen. In meinem Vorhaben wird es daher zentral um die Frage gehen, welche Rolle Emotionen und Deutungsmuster für die Auflösung von NGOs haben. Konkreter: Weshalb engagieren sich Menschen mit großer Überzeugung und emotionaler Bindung, kommen im weiteren Verlauf aber zu der Entscheidung, dieses Engagement beenden und ihre Organisationen auflösen zu wollen?

Als empirisches Beispiel wähle ich HIV/AIDS-Organisationen, die ich aus vergleichender Perspektive in Holland und Deutschland untersuchen möchte. Methodisches Kernstück sind dabei autobiographische narrative Interviews.

Weiterführung: ja

Finanzierung: Promotionsstipendium der Heinrich Böll Stiftung


Soziale Normen, Sanktionen und Reziprozität. Eine empirische Analyse mit der Methode des faktoriellen Surveys

Social norms, sanction and reciprocity. An empirical analysis using the method of factor surveys


Prof. Dr. Thomas Voss (voss@sozio.uni-leipzig.de) und Dr. Per Kropp, Mitarbeiter : Christian Seyde, M.A.

Kurzbeschreibung: Informelle soziale Normen sind in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen wichtig für die Stabilität einer sozialen Ordnung. Bedingungen der Entstehung von Normen mit Sanktionen werden heute oft mit der Theorie des rationalen Entscheidungsverhaltens untersucht. Es werden dabei die für die Beteiligten günstigen Wirkungen sowohl der durchgesetzten Norm als auch der Anwendung (oder Androhung) von Sanktionen aufgezeigt. Experimentelle Befunde verschiedener Forscher zeigen allerdings, dass Sanktionen auch dann auftreten, wenn sie für den Sanktionsgeber keine direkten Vorteile besitzen. In diesem Zusammenhang werden verschiedene Hypothesen diskutiert, die diesen Sachverhalt theoriekonform erklären sollen. Deren gemeinsame Grundidee ist die Annahme sogenannter nicht-standardmäßiger Motivationen (z.B. Reziprozität, Fairness, Altruismus). Die Reziprozitätshypothese besagt, dass kooperatives (normkonformes) Verhalten erwidert und unkooperatives (normabweichendes) Verhalten durch bestrafende, negative Sanktionen vergolten wird, auch wenn diese Sanktionen dem Sanktionsgeber Kosten auferlegen. Diese Reziprozitätshypothese ist abzugrenzen von der Idee bedingter Kooperation in wiederholten Interaktionen. Reziprozität (als Motiv bzw. Aspekt der Präferenzen) ermöglicht Normen und Kooperation auch in nicht wiederholten Interaktionen. Bisher wurde der Zusammenhang zwischen Reziprozitätsmotiv und sozialen Normen experimentell und eher indirekt untersucht. In unserer Studie werden direktere Methoden der Umfrageforschung (Vignettenanalyse bzw. faktorielles Design) gewählt, um die Bedeutung von Reziprozitätsmotiven in verschiedenen sozialen Kontexten zu untersuchen.

Untersuchungszeitraum: 2002-2005

Finanzierung: DFG


Forschungsthema: Kooperationsbeziehungen und regionale Identifikation

Relations of cooperation and regional identification


Projektleiter: Dr. Regina Metze (metze@sozio.uni-leipzig.de)

Kurzbeschreibung: Das Forschungsprojekt befasst sich mit dem Handeln und den Folgen dieses Handelns von Akteuren aus dem Bereich der Wirtschaft (Unternehmer). Ausgangspunkt ist die Annahme, dass regionenbezogene Identifikationsprozesse die Rationalitätskriterien für rationale Entscheidungen der Akteure dahingehend verändern, dass Modelle einer Entscheidungssituation gebildet werden, welche regionale Umwelt- und Zielkomponenten aufwerten und deren Umsetzung bspw. die Ausbildung stabiler, regionaler Unternehmensbeziehungen fördern.

Weiterführung: ja

Finanzierung: haushaltfinanzierte Forschung


Strukturmerkmale und Größe von Populationen chronisch mehrfachgeschädigter Abhängigkeitskranker.

Extent and structure of the chronik multiple addicts population in Saxony.


Professor Doktor Kurt Mühler (muehler@sozio.uni-leipzig.de), Doktor Hans-Jürgen Leonhardt (sozialtherapeutische Langzeiteinrichtung 'Haus am Park' Leipzig)

Im Jahr 2000 wurde die erste, 2002 die zweite und 2004 die dritte Welle einer empirischen Längsschnittstudie zur Größenbestimmung der Population chronisch mehrfachgeschädigter Abhängigkeitskranker im Freistaat Sachsen durchgeführt. Damit wird erstmals versucht, empirische Aufschlüsse über die Dynamik dieser Abhängigengruppe im Rahmen eines Bundeslandes zu erhalten. Die Untersuchung stützt sich auf die Operationalisierung einer Definition von CMA, welche entgegen den bisherigen Auffassungen den Grad sozialer Desintegration von Abhängigkeitskranken als nicht substituierbares Bestimmungsmerkmal enthält.

Aus den bisherigen Analysen der Daten lässt sich auf folgende Wandlungsdynamik schließen: Es kann angenommen werden, dass sich CMA-Populationen wellenförmig verändern. Eine Phase ist gekennzeichnet durch ein quantitatives Wachstum der Population der Abhängigkeitskranken insgesamt sowie der CMA im Besonderen. Dem schließt sich eine Phase an, in der wahrscheinlich, in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit des durchschnittlichen Schwereanstiegs der Folgeschädigungen, die Mortalität merklich zunimmt. Am stärksten vermutlich in der Population der CMA. Dadurch werden, je nach Stärke dieses Prozesses, die Zugänge der Gesamtpopulation ausgeglichen oder der Gesamtanstieg zumindest merklich gebremst. In einer dritten Phase kann es deshalb zu einer vorübergehenden quantitativen Stabilisierung oder einem leichten Sinken der Population kommen. Darauf verweist auch das Sinken des höchsten Schweregrades in den klinischen Einschätzungen. In einer nächsten Phase wächst die Population erneut. Dies geschieht in dem Maß, in dem aufgrund der zwischenzeitlich hohen Mortalität der klinische Schweregrad der Folgeschädigungen in der Population durchschnittlich abgesunken ist.

Die vierte Erhebungswelle soll im Jahr 2006 stattfinden.

Weiterführung: Ja

Finanzierung: Drittmittel - Sächsisches Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Familie


Ursachen für die Identifikation von Bürgern mit ihrer Region und Wirkungen auf ihr individuelles Handeln.

Identification of Citizens with Their Region: Causes and Effects.


Professor Doktor Kurt Mühler (muehler@sozio.uni-leipzig.de), Professor Doktor Karl-Dieter Opp (opp@sozio.uni-leipzig.de), Ralph Richter

Mit diesem Projekt soll zum einen untersucht werden, ob in Anbetracht sozialen Wandels und Globalisierung Anreize für die Identifikation von Bürgern mit ihrer Region bestehen und angenommen werden; und zum anderen, ob sich regionale Identifikation in Abhängigkeit ihrer Intensität in einem aktiven Sozialverhalten der Bürger für ihre Region niederschlägt. Das Projekt ist als Längsschnittstudie angelegt.

Zu den Ursachen regionaler Identifikation wurden Hypothesen zum Einfluss von Bedingungen der Sozialisation, der Lebensqualität sowie wahrgenommener Gruppendiskriminierung geprüft. Demnach ergibt sich aus den Daten der ersten Welle:

Insgesamt ist die Wirkung aktueller normativer regionenbezogener Erwartungen, die von als wichtig eingeschätzten Personen wahrgenommen werden, auf die Intensität regionaler Identifikation stärker als jene von Bedingungen der Primärsozialisation (in einer Region geboren und aufgewachsen zu sein). Die Zufriedenheit mit der Lebensqualität beeinflusst ebenfalls die Intensität regionaler Identifikation, allerdings eher schwach. Wenn sich Personen subjektiv als diskriminiert wahrnehmen, solidarisieren sie sich mit Personen von denen sie aufgrund eines relevanten gemeinsamen Merkmals (hier Ostdeutsche) das gleiche Schicksal vermuten. Dies führt zu einem Ansteigen regionaler Identifikation.

Hinsichtlich der Wirkungen regionaler Identifikation auf das Verhalten wurde geprüft, ob diejenigen, die einen hohe Bindung aufweisen, sich auch stärker für die Region engagieren (Mitarbeit in verschiedenen regionalen Organisationen, Teilnahme an Protesten), eine geringere Umzugsbereitschaft aufweisen sowie, ob deren Einstellung gegenüber Ausländern beeinflusst wird. Insgesamt sind die ermittelten Wirkungen regionaler Identifikation relativ gering. Zudem ist die Wirkung auf das regionale Engagement und die Einstellung gegenüber Ausländern durch die subjektive Wichtigkeit regionaler Identifikation moderiert. Es bestätigt sich eine geringe Wirkung auf die Teilnahme an Protesten, aber nur, wenn die subjektive Wichtigkeit regionaler Identifikation ebenfalls als hoch eingeschätzt wird. Bezüglich der negativen Stereotypisierung von Ausländern gilt: Ist die Wichtigkeit regionaler Identifikation hoch, dann sinkt die negative Stereotypisierung von Ausländern mit steigender Intensität regionaler Identifikation. Bei geringer Wichtigkeit steigt die negative Stereotypisierung dagegen an. Die Umzugsbereitschaft schließlich sinkt mit steigender Intensität regionaler Identifikation.

Weiterführung: Ja

Finanzierung: Drittmittel - DFG


Die soziale Konstruktion des Männlichen

The social construction of the masculine


Professor Doktor Kurt Mühler (muehler@sozio.uni-leipzig.de)

Diese Untersuchung basiert auf einer postalischen Befragung von 473 Leipziger Männern. Das Grundmodell der Untersuchung gliedert sich in theoretische Annahmen über Ursachen, welche die Entstehung eines geschlechtsbezogenen (androgynen, maskulinen, femininen oder nicht differenzierten) Selbstbildes beeinflussen und in Annahmen, die deren Wirkung auf geschlechterbezogene Einstellungen und das Verhalten von Männern zum Gegenstand haben. Dazu wurden u.a. konkrete Annahmen geprüft, wonach Einstellungen (z.B. zur beruflichen Arbeitstätigkeit von Frauen, zu Ehe, Familie und Kindern, zur ehelichen Arbeitsteilung) und (berichtetes) Verhalten (z.B. Beteiligung an der Hausarbeit) von Männern durch ihr geschlechtsbezogenes Selbstbild mitbestimmt werden.

Hinsichtlich der Beteiligung an den Haushalttätigkeiten zeigte sich, dass es geschlechterstereotypisierte (Wäsche waschen, bügeln einerseits, Behördengänge andererseits) und 'verhandelbare' Tätigkeiten (Geschirr abwaschen, Staubsaugen, Einkaufen, Müll wegbringen) gibt. Die generellen Ergebnisse weisen darauf hin, dass, je mehr eine Frau im Verhältnis zu ihrem Partner berufstätig arbeitet, desto mehr beteiligt er sich an den verhandelbaren Haushalttätigkeiten. Bei Männern mit androgynem Autostereotyp ist dieser Effekt stärker als bei Männern mit tradiertem (maskulinem) Autostereotyp ausgebildet. Als typisch weiblich angesehene Tätigkeiten werden davon aber nicht berührt.

Männer mit einem androgynen Autostereotyp äußern eher die Absicht, ihre Berufskarriere zugunsten der Versorgung und Erziehung ihrer Kinder zurückzustellen als Männer mit einem maskulinen oder undifferenzierten Selbstbild. Das Ergebnis bleibt jedoch nicht stabil, wenn dieser Zusammenhang nur bei Personen geprüft wird, die selbst bereits Kinder haben.

Weiterführung: Ja

Finanzierung: TG 51


Karrierestufen akademischer Berufe (Hochschulbildung und Beruf) in Preußen und Deutschland von 1860 bis 1945. Kommentiertes Datenhandbuch mit einleitendem Analyseteil und elektronischer Datenbank.

Professional career-ladders in Prussia an Germany 1860 - 1945. Commented handbook, electronic data bank and introducing analysis.


Prof. Dr. Volker Müller-Benedict (Leiter), Tobias Sander (M.A., Universität Göttingen), Jörg Janssen (M.A., Universität Göttingen)

Kurzbeschreibung: Ziel des Projekts ist die Analyse und die Veröffentlichung von Daten zu den einzelnen Karrierestufen von sechs großen akademischen Karrieren (Theologie, Jura, Medizin. Lehramt an höheren Schulen, Chemie, Ingenieurwissenschaften) im Zeitraum von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Analyse erweitert Theorien zu Wachstum und Differenzierung moderner Bildungssysteme. Die Daten sind von fächerübergreifendem allgemeinen Interesse, weil sie langfristige und dauerhafte Einsichten ermöglichen, die auch heute noch gültig sind, etwa zur Erklärung des - erneuten - aktuellen 'Akademikermangels'.

Weiterführung: ja

Finanzierung: DFG


Die Ökonomisierung der bundesdeutschen Sozialstruktur - eine mehrdimensionale Analyse

'Disembedding' of markets - the German case


Bearbeiterin: Dr. Yasemin Niephaus, Niephaus@sozio.uni-leipzig.de

Kurzbeschreibung: Die These der Ökonomisierung der bundesdeutschen Sozialstruktur, d.h. die Annahme zunehmender Marktdominanz im Zusammenspiel der gesellschaftlichen Teilbereiche, soll theoretisch begründet und auf ihre empirische Plausibilität hin untersucht werden.

Finanzierung: Haushalt


The European Dilemma: Institutional Patterns and Politics of 'Racial' Discrimination


Projektkoordinator: Professor Masoud Kamali, Uppsala University, Center for Multiethnic Research, Email: masoud.kamali@multietn.uu.se, Projektleiter: Prof. Helena Flam, PhD, Email: flam@sozio.uni-leipzig.de, Mitarbeiter: Björn Carius, Jochen Kleres, Axel Philipps und Nadine Swibenko

Kurzbeschreibung des Forschungsprojektes: This project intends to systematically and comparatively investigate key practices of xenophobia and racial discrimination in eight European countries and to articulate policy implications and strategies to deal with such problems on local, national and EU levels. This is a major challenge given the prevalence and tenacity of 'racist' attitudes and practices in every European country, a condition which is a major threat to an integrated Europe. The project has the following specific aims: (I) to gain a deeper understanding of the practice of 'racial' discrimination and xenophobia - their diversity and underlying mechanisms - in the eight European countries. (2) to investigate and map out institutionalized discrimination and exclusion in two areas: labor markets and educational system in each country. (3) to investigate and explain the emergence and success in several European countries of xenophobic nationalist parties (or radical right parties) and their impact on policies in areas of  labor market and education. (4) to provide a comparative perspective - identifying similarities and differences in expressions and forms of xenophobic and racial discrimination across Europe. (5) to draw from the research results policy implications and strategies with which to combat xenophobia and racism on EU, national, and local levels.

Weiterführung: 2003-2005

Finanzierung: EU-Drittmittel


Ursachen für die Identifikation von Bürgern mit ihrer Region und Wirkungen auf ihr individuelles Handeln.

Identification of Citizens with Their Region: Causes and Effects.


Professor Doktor Kurt Mühler, (muehler@sozio.uni-leipzig.de), Professor Doktor Karl-Dieter Opp, (opp@sozio.uni-leipzig.de), Ralph Richter

Mit diesem Projekt soll zum einen untersucht werden, ob in Anbetracht sozialen Wandels und Globalisierung Anreize für die Identifikation von Bürgern mit ihrer Region bestehen und angenommen werden; und zum anderen, ob sich regionale Identifikation in Abhängigkeit ihrer Intensität in einem aktiven Sozialverhalten der Bürger für ihre Region niederschlägt. Das Projekt ist als Längsschnittstudie angelegt.

Damit sollen Fragen beantwortet werden, wie sich im Zeitablauf regionale (und überregionale) Identifikation sowie ihre zentralen Determinanten und ihre Wirkungen verändert haben. Weiterhin soll die Veränderung bzw. Stabilität der genannten Sachverhalte erklärt werden. Dabei stehen folgende Fragen im Mittelpunkt: (a) Welche kurz- und langfristigen Wirkungen hat eine Veränderung der Determinanten regionaler (und überregionaler) Identifikation zu einem späteren Zeitpunkt? (b) Hat die regionale Identifikation Rückwirkungen auf die Determinanten? (c) Unter welchen Bedingungen sind welche der genannten Sachverhalte im Zeitablauf stabil?

Bei der Beantwortung dieser Fragen sollen dynamische Erklärungsmodelle entwickelt werden, indem Variablen mehrerer Zeitperioden verknüpft werden.

Weiterführung: bis März/2005

Finanzierung: Drittmittel - DFG


Soziale Normen, Sanktionen und Reziprozität. Eine empirische Analyse mit der Methode des faktoriellen Surveys (DFG: Oktober 2002 - September 2005)

Social norms, sanction and reciprocity. An empirical analysis using the method of factor surveys (DFG: oct 2002 - sept 2005)


Prof. Dr. Thomas Voss (voss@sozio.uni-leipzig.de) und Dr. Per Kropp, Mitarbeiter : Christian Seyde, M.A.

Informelle soziale Normen sind in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen wichtig für die Stabilität einer sozialen Ordnung. Bedingungen der Entstehung von Normen mit Sanktionen werden heute oft mit der Theorie des rationalen Entscheidungsverhaltens untersucht. Es werden dabei die für die Beteiligten günstigen Wirkungen sowohl der durchgesetzten Norm als auch der Anwendung (oder Androhung) von Sanktionen aufgezeigt. Experimentelle Befunde verschiedener Forscher zeigen allerdings, dass Sanktionen auch dann auftreten, wenn sie für den Sanktionsgeber keine direkten Vorteile besitzen. In diesem Zusammenhang werden verschiedene Hypothesen diskutiert, die diesen Sachverhalt theoriekonform erklären sollen. Deren gemeinsame Grundidee ist die Annahme sogenannter nicht-standardmäßiger Motivationen (z.B. Reziprozität, Fairness, Altruismus). Die Reziprozitätshypothese besagt, dass kooperatives (normkonformes) Verhalten erwidert und unkooperatives (normabweichendes) Verhalten durch bestrafende, negative Sanktionen vergolten wird, auch wenn diese Sanktionen dem Sanktionsgeber Kosten auferlegen. Diese Reziprozitätshypothese ist abzugrenzen von der Idee bedingter Kooperation in wiederholten Interaktionen. Reziprozität (als Motiv bzw. Aspekt der Präferenzen) ermöglicht Normen und Kooperation auch in nicht wiederholten Interaktionen. Bisher wurde der Zusammenhang zwischen Reziprozitätsmotiv und sozialen Normen experimentell und eher indirekt untersucht. In unserer Studie werden direktere Methoden der Umfrageforschung (Vignettenanalyse bzw. faktorielles Design) gewählt, um die Bedeutung von Reziprozitätsmotiven in verschiedenen sozialen Kontexten zu untersuchen.

Untersuchungszeitraum 2002-2005

Finanzierung: DFG


Organisation einer EURESCO-Konferenz zum Thema 'Causes and Consequences of Low Education in Contemporary Europe', Granada, 18.-23. September 2004

Laufzeit: 2001 - September 2004


Zusammenarbeit: Prof. Paul M. de Graaf und Prof. Wout Ultee (Department of Sociology, Nijmegen University, Netherlands)

Gesamtprojektsumme: EUR 47.490,-- (finanziert durch den European Science Foundation/European Commission, Conference Contact Number: HPCF-CT-2002-00412) plus EUR 8.000,-- durch die MPG

Art der Mitwirkung:


Leserumfrage unter den Privat-Abonnenten der 'Zeitschrift für Soziologie'

Findings from the Readers' Survey on the 'Zeitschrift für Soziologie'

Auftraggeber: Herausgeber der "Zeitschrift für Soziologie"


Projektleiter: Prof. Dr. Andreas Diekmann ETH Zürich, Lehrstuhl für Soziologie E-Mail: andreas.diekmann@soz.gess.ethz.ch, Bearbeitet von: Manuela Vieth E-Mail: mdvieth@sozio.uni-leipzig.de

Kurzbeschreibung: Im Auftrag der Herausgeber der "Zeitschrift für Soziologie" (ZfS) sollte untersucht werden, wie die Leser und Leserinnen über die ZfS denken. Dazu wurde den 292 Privat-Abonnenten ein Fragebogen zugesandt (Rücklauf: 49 %). Dieser enthielt Fragen zum Leseverhalten, zur Beurteilung der Zeitschrift, zu Leserwünschen und zu einigen soziodemographischen Merkmalen.

Projekt-Internet-Seite: http://www.socio.ethz.ch/news/zfs

Zeitraum: 11/01 - 03/03 und 12/03 - 02/04

Weiterführung: nein

Finanzierung: Auftragsforschung der "Zeitschrift für Soziologie"


Sanktionen in sozialen Dilemmata. Eine spieltheoretische Untersuchung mit Hilfe eines faktoriellen Online-Surveys

Sanctions in Social Dilemmas. A Game Theoretical Analysis Using the Factorial Survey Method.


Projektleiter: Prof. Dr. Thomas Voss, Universität Leipzig, Institut für Soziologie E-Mail: voss@sozio.uni-leipzig.de, Bearbeitet von: Manuela Vieth, E-Mail: mdvieth@sozio.uni-leipzig.de

Kurzbeschreibung: Diese Studie entstand als Magister-Abschlussarbeit im Rahmen des DFG-Forschungsprojektes "Soziale Normen, Sanktionen und Reziprozität. Eine empirische Analyse mit der Methode des faktoriellen Surveys" unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Voss und Dr. Per Kropp. Untersucht wurden einige Aspekte der Beitragsleistung und des Sanktionsverhaltens im 2-Personen-Gefangenendilemma und im Normspiel (Voss 2001). Mit Hilfe des faktoriellen Surveys wurden Elemente in realen und abstrakten Beispielsituationen zufällig variiert. Durchgeführt wurde diese Studie (voraussichtlich) als Online-Befragung unter allen rund 28.000 Studierenden an der Universität Leipzig (Rücklauf: 1.5 % bis Fragebogenende und 2,5 % Link angewählt, entspricht etwa 20 % der Aktiv-Nutzer).

Projekt-Internet-Seite: http://www.uni-leipzig.de/~vieth/fos/fos_intro.html

Zeitraum: 04/03 - 09/03 und 10/03 - 10/04 (mit Unterbrechungen)

Weiterführung: ja

Finanzierung: haushaltsfinanzierte Forschung und Drittmittel (DFG)


Soziale Normen, Commitments und Reziprozität. Spieltheoretische Unersuchungen zu Kooperation und Sanktionen

Social Norms, Commitments, and Reciprocity. Game Theoretical Research on Cooperation and Sanctions.


Projektleiter: Prof. Dr. Thomas Voss Universität Leipzig, Institut für Soziologie E-Mail: voss@sozio.uni-leipzig.de, Bearbeitet von: Manuela Vieth E-Mail: mdvieth@sozio.uni-leipzig.de

Kurzbeschreibung: In diesem Projekt wird die Bereitschaft zur Kooperation und zur Sanktion norm-abweichenden Verhaltens untersucht. Grundlage ist das Gefangenendilemma und das darauf basierende "Normspiel" (Voss 1998). Neben Fragen zur Reziprozität von Handlungsentscheidungen, wird auch die Rolle von Commitments untersucht. Theoretische Weiterentwicklungen beziehen Überlegungen zu Fairness und Reziprozität mit ein. Mit dem Programm z-Tree (Zurich Toolbox for Readymade Economic Experiments) wurden Ende August 2004 erste Experimente durchgeführt.

Projekt-Internet-Seite: http://www.uni-leipzig.de/~vieth/exp/exp_intro.html

Zeitraum: 07/04 -

Weiterführung: ja

Finanzierung: haushaltsfinanzierte Forschung


Experimente zum Sanktionsverhalten in sozialen Dilemma-Situationen (mit Manuela Vieth, University of Utrecht und ICS, Utrecht, Niederlande)


Professor Dr. Thomas Voss

DFG-Projekt 'Soziale Normen, Sanktionen und Reziprozität - Eine Untersuchung mit der Methode des faktoriellen Surveys' (DFG Az.: Vo 684/5-1; Förderumfang: 1 halbe wissenschaftliche Mitarbeiterstelle; ca. 15000 Euro Sachmittel) (mit Per Kropp)

Finanzierung: Haushaltfinanzierte Forschung


Soziales Kapital und die Dynamik transnationaler Migrationsbewegungen (Polnisches Migrationsprojekt)

Social Capital and the Dynamics of Transnational Migration (Polish Migration Project)


Prof. Dr. Frank Kalter (fkalter@sozio.uni-leipzig.de), Dipl. Päd. Gisela Will, Roman Auriga M.A. M.E.S.

Neben der Beschreibung des vergangenen und aktuellen Migrationsgeschehens (einschließlich 'neue' Wanderungsformen) sollen in diesem Projekt zentrale Hypothesen der neuen Migrationstheorie getestet werden, wobei die Netzwerk- bzw. Sozialkapitalhypothese und Modelle einer nur eingeschränkten Rationalität der Akteure im Vordergrund stehen.

Anfang 2005 sollen retrospektive Migrationsbiographien von Bewohnern vier ausgewählter polnischer Gemeinden sowie von ehemaligen Bewohnern dieser Gemeinden, die sich nunmehr Deutschland aufhalten, erhoben werden. Hierbei wurden neben städtischen Befragungsgebieten (Poznan und Kielce) auch zwei ländliche Gemeinden ausgewählt (Jaraczewo und Pawlów).

Die Studie versteht sich dabei als eine Art Pilotprojekt, auf das nach Vorbild des Mexican Migration Project eine langfristige kumulative empirische Forschung aufgebaut werden kann.

Weiterführung: ja

Finanzierung: Drittmittel (DFG)