Forschungsbericht 1996

Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

  • Habilitationen und Promotionen: 1996 und Vorjahre
  • Institute und Professuren der Fakultät

    1 - Projekte; 2 - Veröffentlichungen; 3 - Veröffentlichungen (Vorjahre)

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    Wirtschaftswissenschaften                     
  • Institut für Finanzen
  •                     
  • Institut für Produktionswirtschaft und Industrielle Informationswirtschaft
  •                     
  • Institut für Software- und Systementwicklung
  •                     
  • Institut für Theoretische Volkswirtschaftslehre
  •                     
  • Institut für Unternehmensrechnung und Betriebswirtschaftliche Steuerlehre
  •                     
  • Institut für Wirtschaftsinformatik
  •                     
  • Institut für Wirtschaftspolitik
  •                     
    Professuren                     
  • Bankwesen
  •                     
  • Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Marketing
  •                     
  • Empirische Wirtschaftsforschung
  •                     
  • Grundstfürcks- und Wohnungswirtschaft (Stiftungsprofessur)
  •                     
  • Lehrbereich Handel
  •                     
  • Professur Statistik
  •                     
  • Professur Volkswirtschaftslehre, insbesondere Mikroökonomik
  •                     
    Bauingenieurwesen/Wirtschaftsingenieurwesen                     
  • Baubetriebswesen/Bauwirtschaft
  •                     
  • Grundbau und Wasserbau
  •                     
  • Massivbau/Baustofftechnologie
  •                     
  • Statik und Dynamik der Tragstrukturen
  •                     


    Forschungstätigkeit an der Fakultät

    Bereich Betriebswirtschaft

    Hervorzuhebende Forschungsaktivitäten im betriebswirtschaftlichen Bereich lagen 1996 auf den Gebieten Finanzierung und Produktionswirtschaft.

    Die Spannweite der Forschung im Bereich der Finanzierung reicht von der Analyse historischer Finanzierungen bis zu den modernsten Finanzierungstechniken. Gegenstand ist zum einen die Finanzierung der Industrialisierung im anglo-amerikanischen Bereich. Die industrielle Revolution und ihre Ausbreitung im 18. bzw. 19. Jahrhundert wurde entscheidend durch privatwirtschaftliche Finanzierungen getragen und geprägt. Im Vordergrund der Untersuchungen stehen die Finanzierungsinstrumente (insbesondere Effekten) sowie maßgebende zeitgenössische Persönlichkeiten. Die Ergebnisse sind nach wie vor von aktuellem Interesse, da die Ursprünge zahlreicher moderner Finanzierungsformen bereits in der damaligen Zeit zu finden sind. In einem weiteren Forschungsschwerpunkt werden die drastischen weltweiten Auswirkungen der Finanzinnovationen des letzten Jahrzehnts sowie der neuen Informations- und Kommunikationssysteme auf die Finanzierung und das Finanzmanagement von Staaten, Industrie- und Dienstleistungsunternehmen in einer internationalen Gesamtbetrachtung unter betriebswirtschaftlichen Aspekten analysiert. Ferner werden spezielle Fragestellungen behandelt, wie z.B. Bewertungsansätze für Optionen mit synthetischem Underlying. Ziel der Untersuchungen ist hierbei die Prüfung alternativer Bewertungsansätze, z.B. mittels eines Esscher-Transformierten äquivalenten Martingalmaßes bei Optionen auf nicht-(börsenmäßig) gehandelte, synthetische Basisobjekte. Anwendungsbeispiele sind die seit 1995 gehandelten Catastrophe Insurance Options zur Steuerung versicherungstechnischer Großrisiken oder die Restwertversicherung beim Pkw-Leasing, deren Basisobjekte synthetische Schadenindices bzw. Restwertindices sind.

    Einen wichtigen Schwerpunkt im Forschungsprogramm des Instituts für Produktionswirtschaft und Industrielle Informationswirtschaft bilden neuartige Konzepte zur Koordinierung von Produktionsprozessen. Hierbei wird untersucht, inwiefern sich Konzepte, die außerhalb der "traditionellen" Betriebswirtschaftslehre entwickelt wurden, auf die Planung und Steuerung von Produktionsprozessen übertragen lassen. Als Studienobjekte dienen in der Regel Flexible Fertigungssysteme, weil sie aufgrund ihrer hohen Komplexität eine besondere Herausforderung an die betriebliche Prozeßkoordinierung darstellen. Den Ausgangspunkt bildete eine intensivere Auseinandersetzung mit Beiträgen aus der Erforschung Künstlicher Intelligenz (KI), insbesondere mit Expertensystemen. In jüngerer Zeit ist zwar das betriebswirtschaftliche Interesse an der Thematik Expertensysteme etwas abgeklungen. Aber dadurch drohen neuere Beiträge der KI-Forschung, die insbesondere auf dem Gebiet der Multi-Agenten-Systeme erfolgen, übersehen zu werden. Auf den Einsatz solcher Multi-Agenten-Systeme für Zwecke der betrieblichen Prozeßkoordinierung fokussieren sich die aktuellen Aktivitäten. Eine besondere Rolle spielt dabei der Versuch, marktwirtschaftliche Koordinierungsmechanismen mit der Hilfe von Elektronischen Märkten und Auktionsmechanismen auf die innerbetriebliche Produktionsplanung und -steuerung zu übertragen und hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit zu erforschen. Daneben wird aber auch die Prozeßkoordinierung in zwischenbetrieblichen Produktionsnetzwerken betrachtet. Als jüngste Bereicherung der Forschungsperspektive sind constraintbasierte Modellierungstechniken hinzugekommen, die in betriebswirtschaftlichen Arbeiten noch kaum gewürdigt wurden.



    Bereich Volkswirtschaftslehre

    Die Arbeiten zur Systemtransformation konzentrierten sich einerseits auf eine vergleichende Analyse des Transformationsprozesses in Ostdeutschland und in Polen, wobei speziell die wirtschaftliche und soziale Entwicklung sowie die unterschiedlichen Wege im Privatisierungs- und Sanierungsprozeß der beiden Länder untersucht wurden. Andererseits beinhalteten sie die Modellierung der volkswirtschaftlichen Systemtransformation unter besonderer Berücksichtigung des Realkapitals, der Vermögenskonzentration und der Bankenmacht.

    Ergebnisse der Forschungsarbeiten zur Wirtschaftsordnung und wirtschaftlichen Entwicklung wurden auf einem Forschungsseminar zum gleichnamigen Thema vorgestellt. Im Mittelpunkt standen dabei ordnungstheoretische Konzepte, Ländervergleiche für verschiedene Regionen der Welt und Strategien der wirtschaftlichen Entwicklung unter den Aspekten der Finanzwissenschaft, von Geld und Währung sowie der Umwelt. Mit dem Thema "Ordnungstheoretische Aspekte der Integrationspolitik" wurden insbesondere Formen und Modelle europäischer und transatlantischer Wirtschaftsintegration hinsichtlich ihrer ordnungstheoretischen

    und -politischen Grundmerkmale analysiert, wobei die Bereiche Außenhandel, Währung, Wettbewerb und Verkehr die Schwerpunkte bildeten.

    Auf dem Gebiet der Finanzwissenschaft standen und stehen Fragen des Finanzausgleiches, insbesondere die gesetzlichen Regelungen zum Länderfinanzausgleich in Deutschland, die Frage nach der Relevanz eines Finanzausgleiches für die europäische Union und der Vergleich der Finanzausgleichsgesetzgebung zwischen Bundesländern im Mittelpunkt der Untersuchungen.

    Im Bereich Geld und Währung konzentrierten sich die Forschungsarbeiten auf die Aspekte Internationale Finanzmärkte, Bankenstruktur und Großunterehmen (Unternehmensfinanzierung und Unternehmenskontrolle in einer offenen Volkswirtschaft), Regelbindung versus Unabhängigkeit (Vergleich alternativer Vorschläge zur Lösung des Glaubwürdigkeitsproblems diskretionärer Geldpolitik) sowie Finanzintermediation und endogenes Wirtschaftswachstum.

    Bereich Wirtschaftsinformatik

    Im Rahmen eines DFG-Schwerpunktprogrammes in Zusammenarbeit mit Forschungsgruppen in Bern und Erlangen-Nürnberg zum Thema Virtuelle Unternehmen wurden theoretische und empirische Untersuchungen durchgeführt.

    Ein weiteres Forschungsgebiet lag bei der Untersuchung der Anwendbarkeit des fallbasierten Schließens für ausgewählte Klassen von Entscheidungsproblemen mit Beispielsanwendungen in den Bereichen der Kreditwürdigkeitsprüfung und Kundendienstunterstützung. Diese wurden als Konferenzbeitrag sowie in zwei Arbeitsberichten veröffentlicht. Ferner gab es Arbeiten zum Vergleich von multivariaten statistischen Analyseverfahren mit Künstlichen Neuronalen Netzen zur Klassifikation von Entscheidungsproblemen, zu Ökologischen Führungsinformationssystemen und zu einem integrierten Projekt-Informationssystem (Zusammenarbeit mit der Abo Akademi University Turku/Finnland, Arbeitsbericht 1996).

    Drei EU-Projekte mit folgenden Themen: Projekt Lambda: Fertigstellung eines Breitband-Telematik-Systems Lambda und prototypische Anwendung in Nordsachsen. Besondere Merkmale sind Videophonie, ein spezielles Benutzungsinterface und eine länderübergreifende (Schottland, Irland, Griechenland) Software-Technologie. Projekte RegioNet und Dali: Phasen User Research und Requirements Specification der Forschung und Entwicklung zum Informations- und Kommunikationssystem RegioNet-Westsachsen (Entwicklung und Projektmanagement Deutschland) sowie Design und Implementation des Stadtinformationssystems Leipzig (Auftragsentwicklung).



    Bereich Wirtschaftsingenieurwesen/Bauingenieurwesen

    Das 2. Massivbauseminar Leipzig fand am 16.04.1996 unter dem Thema "Der konstruktive Bauingenieur in der Denkmalpflege" (Prof. G. König) unter Mitwirkung der MFPA Leipzig statt. Eintägige Veranstaltung mit 11 wissenschaftlichen Beiträgen aus der internationalen Forschung und 270 Teilnehmern.

    Vortragsreihe "Ausgewählte Probleme der Bauingenieurpraxis" (Prof. G. König, Prof. R. Thiele, Prof. A. May). 6 Veranstaltungen mit jeweils 55-100 Teilnehmern.

    Das 3. Massivbauseminar Leipzig fand am 02.10.1996 unter dem Thema "Moderne Ideen und Entwicklungen im konstruktiven Ingenieurbau" (Prof. G. König) unter Mitwirkung der MFPA Leipzig statt. Eintägige Veranstaltung mit 12 wissenschaftlichen Beiträgen aus der internationalen Forschung und 260 Teilnehmern.

    Vortragsreihe "Ausgewählte Probleme der Bauingenieurpraxis (Prof. G. König, Prof. R. Thiele, Prof. K.-U. Graw, Prof. A. May). 7 Veranstaltungen mit jeweils 55-110 Teilnehmern.


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    Forschungskontaktstelle, Roland Krause - Oktober 1997