Forschungsbericht 1995


Fakultät für Physik und Geowissenschaften

Forschungstätigkeit an der Fakultät

Fakultätsstruktur

Zur Fakultät gehören das Institut für Theoretische Physik, die Institute für Experimentelle Physik I und II, das Institut für Meteorologie, das Institut für Geophysik und Geologie und das in Gründung befindliche Institut für Geographie sowie der Bereich Didaktik der Physik. Abgesehen von dem noch in Gründung befindlichen Institut für Geographie sind die Berufungen abgeschlossen. Die Ausschreibung der noch offenen C3-Professuren der Geographie ist erfolgt, und die Bemühungen zum Aufbau dieses Institutes sind so weit vorangekommen, daß im Jahre 1996 dessen Gründung erfolgen kann. Der Lehrbetrieb zu den Studiengängen Geologie und Geographie ist aufgenommen worden.

Materielle Voraussetzungen

Im Jahre 1995 ist ein weiterer wesentlicher Fortschritt hinsichtlich der materiellen Bedingungen für die Forschung, aber auch teilweise für die Lehre erreicht worden. Dies bezieht sich vor allem auf den Abschluß der Rekonstruktionsarbeiten für den Bauabschnitt I (Großer Hörsaal, Zweigstelle Physik der Universitätsbücherei, verschiedene Labors, Verwaltungs- und Wissenschaftlerzimmer) im Rahmen der Gesamtrekonstruktion des Gebäudes Linnéstraße 5 der Fakultät, die bei vollem Lehr- und Forschungsbetrieb erfolgt ist, auf kleine Baumaßnahmen im Objekt Stephanstraße (Meteorologie) und auf die schrittweise Sanierung der Geologisch-Paläontologischen Sammlung . Die Realisierung bzw. haushaltrechtliche Anerkennung verschiedener HBFG-Anträge hat zur weiteren Verbesserung der gerätetechnischen Ausstattung beigetragen, und es ist ebenfalls eine Stabilisierung und Verbesserung der Drittmitteleinwerbung zu verzeichnen. Der erreichte Stand der Drittmitteleinwerbung ist eng verbunden mit der erfolgten weiteren Profilierung der Forschung, auf die im weiteren eingegangen werden soll.

Forschungsprofilierung und Forschungsschwerpunkte

Die Forschungsprofilierung soll zunächst an Hand größerer interdisziplinärer Forschungsaktivitäten bewertet werden:

Das Institut für Theoretische Physik beteiligt sich federführend an der Arbeit des Naturwissenschaftlich-Theoretischen Zentrums im Rahmen des Zentrums für Höhere Studien der Universität. Hierbei werden Probleme auf den Gebieten der Festkörpertheorie, der Quantenfeldtheorie des Festkörpers, der mathematischen Physik und der nichtlinearen Dynamik bearbeitet. Die erfolgreiche Arbeit des Graduiertenkollegs Quantenfeldtheorie: Mathematische Strukturen und Anwendungen in der Elementarteilchen- und Festkörperphysik ist dabei hervorzuheben, in dessen Rah-men auch die traditionell gute Kooperation zur Fakultät für Mathematik und Informatik weiter gestaltet wird.

Eine weitere wichtige Schwerpunktbildung im Bereich der Experimentalphysik ist durch die Bewilligung des Innovationskollegs Phänomene an den Miniaturisierungsgrenzen erfolgt, das auch die Kooperation mit der Fakultät für Chemie und Mineralogie und mit der Medizinischen Fakultät einschließt und dessen Aktivitäten mit Wirkung vom 1.1.1996 beginnen.

Die Arbeit des Sonderforschungsbereiches 294 Moleküle in Wechselwirkung mit Grenzflächen , der Beiträge aus den Instituten für Experimentelle Physik I und II, dem Institut für Theoretische Physik, Arbeitsgruppen aus der Medizinischen Fakultät und der Fakultät für Chemie und Mineralogie einschließt, ist durch 53 Publikationen überzeugend ausgewiesen. Zahlreiche SFB-Seminare und SFB-Kolloquien haben darüber hinaus zur Verstärkung der nationalen und internationalen Kooperation auf diesem Gebiet geführt. Dies ist auch durch die wachsenden Aktivitäten auf internationalen Tagungen ausgewiesen.

Die Fakultät ist am Graduiertenkolleg Physikalische Chemie der Grenzflächen beteiligt, das federführend an der Fakultät für Chemie und Mineralogie eingerichtet wurde.

Mit diesen Aktivitäten konnte die derzeitige Profilierung der Forschung auf den Gebieten der theoretischen und experimentellen Physik im wesentlichen abgeschlossen werden, und die weitere Arbeit konzentriert sich bereits im letzten Drittel des Jahres 1995 auf die Vorbereitung des Fortsetzungsantrages zum SFB 294, der im Jahre 1996 gestellt wird.

Mitarbeiter des Instituts für Experimentelle Physik II beteiligen sich darüber hinaus am Schwerpunktprogramm der DFG Pseudosymmetrische Kristalle , an verschiedenen Verbundprojekten mit Großforschungszentren und an Forschungsnetzwerken, die von der Europäischen Kommission gefördert werden. Weitere Förderungen (BMBF, VW-Stiftung u.a.) sind im einzelnen bei den Drittmittelprojekten der verschiedenen Institute ausgewiesen.

Schwerpunkte der geophysikalischen Forschung im Institut für Geophysik und Geologie sind anwendungsorientierte hochauflösende Detailuntersuchungen zur Struktur und Lithographie des oberflächennahen Bereichs (Hohlräume, Grundwasser, Kontamination, Standsicherheit) und geologische Beiträge zur Paläoklimatologie und Paläoökologie Mitteleuropas. Voraussetzung für die erfolgreiche Bearbeitung war eine deutliche Verbesserung der meßtechnischen Grundausstattung des Instituts durch eingeworbene Drittmittel. Die sehr großen Bemühungen dieses Instituts zur Bearbeitung von Drittmittelprojekten verdienen eine besondere Beachtung. Vor allem soll auf die Tatsache verwiesen werden, daß zahlreiche Projekte mit kommunalen Auftraggebern realisiert werden.

Eine besondere Aufmerksamkeit verdienen auch die Bemühungen zur Profilierung auf dem Gebiet der meteorologischen Forschung. Der neugegründete Studiengang Meteorologie entwickelt sich positiv. Es muß aber in diesem Zusammenhang auf teilweise erhebliche strukturelle Mängel in der Grundausstattung an Geräten und Räumen hingewiesen werden. Eine Reihe von zukunftsorientierten meteorologischen Forschungsvorhaben sind verbunden mit zahlreichen Drittmittelprojekten.

Die Forschungsaktivitäten werden in allen Instituten im Rahmen umfangreicher Kooperationsbeziehungen im nationalen und internationalen Maßstabe realisiert, die sich vor allem auch durch eine rege Publikationstätigkeit ausweisen lassen.

WIP-Gruppen

An der Fakultät sind folgende WIP-Gruppen wirkungsvoll in die Forschungsaktivitäten eingefügt worden: Moleküldynamik/Computersimulation, Dünnschichttechnik, Geochemie, Geographie. Die zuerst genannte Gruppe hat für die Bearbeitung theo-retischer Fragestellungen innerhalb des Sonderforschungsbereiches 294 eine wesentliche Bedeutung. Die Fakultät vertritt insgesamt die Auffassung, daß eine Weiterführung der Arbeit dieser Gruppen aus sachlichen Gründen auch nach dem zu erwartenden Abschluß des WIP gesichert werden sollte, was mit individuellen Entscheidungen für jede einzelne im Rahmen des WIP geförderte Wissenschaftlerin und jeden Wissenschaftler verbunden sein sollte.

Publikationen

Es ist zu betonen, daß in der Regel nur solche Publikationen aufgeführt worden sind, die in Zeitschriften mit Refereesystem oder in international erfaßten Monographien im Druck erschienen sind. Mit 242 Publikationen, die im Jahre 1995 im Druck erschienen sind, ist eine wesentliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahr erkenntlich, und die Fakultät bewertet dies als ein Anzeichen von wiedergewonnener Leistungsfähigkeit und von einer vorteilhaften Entwicklung der Fakultät. Sie ist aber auch ein Ausdruck für eine Stabilisierung der Fakultätsstruktur und für ein erfreulicherweise gutes Arbeitsklima trotz aller noch erkennbarer Probleme bei der Sicherung der Voraussetzungen für einige Studiengänge, die ganz allgemein mit der noch nötigen Verbesserung der Infrastruktur in Verbindung zu bringen sind.

Zusammenfassend möchte die Fakultät für Physik und Geowissenschaften mit diesem Forschungsbericht demonstrieren, daß sich die Erwartungen des Wissenschaftsrates in seiner Bewertung aus dem Jahre 1992, daß unter verbesserten Arbeitsbedingungen eine in Ausbildung und Forschung hochwertige Einrichtung entstehen wird (Empfehlungen zur künftigen Struktur der Hochschullandschaft in den neuen Ländern und im Ostteil von Berlin, Teil IV, S.195), auch anhand der vorgelegten Forschungsergebnisse belegen lassen. Eine gute Voraussetzung dazu waren neben der bedeutsamen materiellen Förderung durch zahlreiche Investitionen und durch wesentliche Erweiterung der Drittmittelforschung vor allem die Bemühungen um die Entwicklung neuer Forschungslinien im Rahmen der erfolgten Neuberufungen und die Realisierung einer Verschmelzung der neuen Linien mit den tradionsreichen Aktivitäten der Forschung.

Habilitationen und Promotionen

Habilitationen

Brunner, Eike
Charakterisierung aktiver Oberflächenzentren in Zeolithen mit Hilfe NMR-spektroskopischer Verfahren

Haase, Jürgen
Magnetische Kernresonanz bei Quadrupolwechselwirkung in Festkörpern

Promotionen

Appel, Matthias
Untersuchung der anomalen Diffusion in Polymersystemen mit Hilfe der NMR-Feldgradiententechnik

Bauch, Holger
ENDOR-Untersuchungen zum Studium des Ordnungsverhaltens der Protonen in Betainphosphit, teildeuterierten Betainphosphit und im Mischkristall Betainphosphat0,15Betainphosphit0,85

Devantier, René
Wolkenbildungsprozesse über der südwestlichen Ostsee - Anwendungen eines neuen Wolkenschemas in einem mesoskaligen Modell

Engländer, Tino
Untersuchungen zum Hydratationsverhalten von biologisch relevanten Polymeren

Gutzmann, Andreas
Oberflächeninstabilitäten amorpher Substanzen unter Bestrahlung mit hochenergetischen, schweren Ionen

Häcker, Uwe
Kernresonanzuntersuchungen zu Struktur und Dynamik in der Normalphase und in den inkommensurabel modulierten Phasen von Betainkalziumchlorid-Dihydrat

Knese, Katja
Untersuchungen zum Spinzustand des Eisens in Fe(III)-Komplexverbindungen des Thiosemicarbazons der Benztraubensäure mit Hilfe der Mößbauerspektroskopie

Kolley, Holgar
Analyse von Verfahren zur Bestimmung intramolekularer Abstände in Festkörpern mit Hilfe der kernmagnetischen Resonanz

Krause, Holger
Untersuchungen zum Realbau von InP nach Zink-Dotierung mittels Diffusion und MeV-Implantation

Krüger, Annett
Eigenschaften und Dynamik von umweltrelevanten Metallen in Böden und Fließgewässern unter dem Einfluß von Huminstoffen

Laubach, Johannes
Charakterisierung des turbulenten Austauschs von Wärme, Wasserdampf und Kohlendioxid über niedriger Vegetation anhand von Eddy-Korrelations-Messungen

Lippert, Karen
Gedächtnis im Immunsystem - Architektur und Dynamik des idiotypischen Netzwerks

Lüsse, Steffen
NMR-Relaxationsuntersuchungen zur Wasser- und Kationen-Bindung in Knorpel und polymeren Modellsystemen

Stefani, Frank
Eine neue Methode zur quantenfeldtheoretischen Behandlung ungeordneter Systeme: die g-Feld-Technik

Vo, Thi Thanh Ha
Untersuchungen tiefer Störstellen in AlxGa1-xAs und GaxIn1-xP mittels DLTS


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Roland Krause, Sven Türpe - Juni 1996