Forschungsbericht 1995


Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie

Forschungstätigkeit an der Fakultät

Das Berichtsjahr im biowissenschaftlichen Teil der Fakultät war gekennzeichnet durch eine weitere strukturelle Stabilisierung der einzelnen Institute im Zusammenhang mit Neuberufungen und damit verbundenen Aufbauarbeiten in den einzelnen Arbeitskreisen. Obgleich dieser Prozeß noch nicht abgeschlossen ist, ist eine verbesserte Situation für Lehre und Forschung nachvollziehbar. Insbesondere beeinträchtigen aber die Nichtbesetzung der Professur Mikrobiologie (C4) (die erneute Ausschreibung ist gerade erfolgt) und die noch nicht erfolgte Besetzung der Professur Genetik (C3) trotz Erteilung des Rufes die Forschungsaktivitäten in der Abteilung Mikrobiologie und Genetik. Die sukzessive Nutzung des Gebäudes in der Johannisallee durch die Botanik, das Herbar, aber auch durch die Pharmazeutische Biologie, Mikrobiologie und Genetik wurde und wird begleitet durch eine Teilsanierung als Interimslösung und die Vorbereitung einer großen Baumaßnahme. Insbesondere hat die Spezielle Botanik ihren gesamten Forschungs- und Lehrbetrieb in die Johannisallee verlegt. Im Institut für Biochemie konnten für die Durchführung gentechnischer Arbeiten zwei kleinere S1-Laboratorien fertiggestellt werden, die zwangsläufig erst als Übergangslösung betrachtet werden können, aber für den Start der Arbeiten des Arbeitskreises Hahn essentielle Bedeutung hatten.

Die Forschungstätigkeit der Arbeitsgruppen am Institut für Zoologie war 1995 vor allem durch die Etablierung von 4 neu berufenen Hochschullehrern (Hauschildt, Rübsamen, Schlegel, Schildberger) gekennzeichnet. Es wurden dadurch neue Forschungsrichtungen (molekulare Verwandtschaftsforschung, systemische und zelluläre Neurobiologie, Verhaltensbiologie u. a. ) integriert, die vorher am Institut nicht vorhanden waren. Die Inbetriebnahme eines molekularbiologischen Labors und die Ausstattung anderer Labors mit hochwertigen Apparaturen, wie z.B. konfokale Mikroskopie, im Rahmen der Berufungszusagen sind positiv zu bewerten. Die erfolgreiche Bearbeitung der ins Auge gefaßten zoologischen Forschungsprojekte, unterstützt durch bewilligte und in der Beantragung befindliche Drittmittelanträge, besitzt somit eine solide materielle Basis.

Bisherige Forschungsfinanzierungen aus dem regulären Budget und Drittmitteln erlauben im Bereich des Botanischen Institutes einen bescheidenen Neubeginn bzw. Fortsetzung von vor der Berufung begonnenen Großprojekten (Morawetz). Angespannt ist allgemein die Lage vor allem in der Finanzierung von Doktoranden und wissenschaftlichen Hilfskräften. Im Rahmen der Forschungsprofilierung der Botanik bedeutete die Etablierung einer Regenwaldstation sowie eines Beobachtungskrans in Venezuela einen Durchbruch. Weitere Schwerpunkte sind: Realbeginn der Feldarbeit, Wiederbeginn von cytogenetischen Studien zur Evolution tropischer Holzpflanzen, Vorbereitung zu einem ultrastrukturell orientierten Forschungskomplex (u.a. Palynologie), Untersuchungen auf molekularer Ebene zur Anpassung der Photosyntheseapparate an Umweltfaktoren, Methodenentwicklung zur Messung von Plankton-Photosyntheseaktivität in situ, Boden- und Luftalgen als Umweltindikatoren sowie Algenviren.

Die Pharmazeutische Chemie im Institut für Pharmazie beschäftigt sich mit Struktur-Wirkungs-bezogenen Synthesen. An die Bearbeiter sind hohe Anforderungen gestellt, da einmal gezielte Derivate hergestellt und diese danach in ausreichender Menge für unterschiedliche Testsysteme zur Verfügung gestellt werden müssen (AK Eger, Eger mit Gütschow, Leistner, Briel). Ein weiterer Schwerpunkt ist die Synthese von Arzneistoffmetaboliten; diese werden entweder als Referenzsubstanzen benötigt oder mit Spacern als Haptene eingesetzt. Im analytischen Bereich steht die Qualitätsprüfung von Arzneistoffen im Vordergrund. Durch die zunehmende Verlagerung der Arzneistoffproduktion in asiatische Länder bzw. der Herstellung patentfreier Arzneistoffe in diesen Ländern kommen in zunehmendem Maß Rohstoffe auf den Markt, die nicht Arzneibuchqualität aufweisen und von den Behörden nicht akzeptiert werden, wenn nicht die Syntheseverunreinigungen bekannt sind. Verschiedene Arzneistoffe wurden untersucht, die Verunreinigungen abgetrennt und spektroskopisch untersucht. Im Zweifelsfall wurden Gegensynthesen durchgeführt und Verbesserungsvorschläge erarbeitet (AK Eger).

Als eine besondere wissenschaftliche Leistung in der Fachrichtung Pharmakologie für Naturwissenschaftler innerhalb des Institutes für Pharmazie ist 1995 das Erscheinen der Arbeit Hypoxic changes in rat locus coeruleus neurones in vitro (K. Nieber, J. Sevcik, P. Illes) in der Zeitschrift Journal of Physiology 486, 33-46, 1995 anzusehen. In der Arbeit werden elektrophysiologische Untersuchungen an Hirnschnitten dargestellt, die die Beteiligung von ATP-abhängigen K+-Kanälen (KATP) an Hypoxie-induzierten Veränderungen in der Neurotransmission an zentralen noradrenergen Neuronen belegen. Es konnte zum ersten Mal gezeigt werden, daß hierbei eine Interaktion zwischen Adenosin-A1-Rezeptoren und KATP besteht. Diese Untersuchungen bieten Ansatzpunkte für mögliche neue Konzepte zur Protektion hypoxischer Schäden.

An der erfolgreichen Beantragung des Innovationskollegs Chemisches Signal und biologische Antwort , das ab 1.1.1996 angelaufen ist, waren aus dem Institut für Biochemie die Arbeitskreise um Jakubke und Hofmann aktiv beteiligt. Entsprechend den Empfehlungen der DFG-Beratergruppe sind weitere Arbeitsgruppen der Fakultät (Drößler, Hahn, Hauschildt und Kleber) dem Innovationskolleg assoziiert worden. Die Weiterführung von Forschungsarbeiten zur enzymtechnischen Stoffwandlung unter ökologisch vorteilhaften Reaktionsbedingungen (AK Jakubke), Wirkstoff-Struktur-Aktivitätsstudien (Hofmann), neue Enzyme für die Carnitin-Synthese (AK Kleber) sowie die erfolgreiche Kristallisation einer neuen Mutante von Ribonuclease T1 (AK Hahn) belegen die international anerkannten Forschungsaktivitäten des Institutes für Biochemie.

Aufgrund der bereits geschilderten Umstände im Bereich Mikrobiologie und Genetik, verbunden mit der mangelhaften apparativen Ausstattung und angespannten personellen Situation (hohe Lehrbelastung des vorhandenen Personals), besteht trotz großer Anstrengungen der wenigen vorhandenen Mitarbeiter ein beträchtliches Defizit in der Forschung, das erst nach den realisierten Berufungen abgebaut werden kann.

Die engagierte wissenschaftliche Tätigkeit der im Rahmen des Wissenschaftler-Integrations-Programms (WIP) der Fakultät angegliederten Forschungsgruppen ist besonders lobend hervorzuheben. Die Abteilung Biotechnologie verkörpert die einzige größere Forschungseinheit an einer Universität im Freistaat Sachsen, die auf der Grundlage eines breiten Methodenspektrums verschiedene biotechnologische Forschungsthemen bearbeitet (drittmittelfinanziert!). Die Schwerpunkte der Forschung liegen u. a. in der Entwicklung von Prozeßführungsstrategien für die Synthese von bakteriellen Produkten und Pilzenzymen, der Metabolisierung von Schadstoffen, dem Monitoring und der Steuerung bakterieller Populationen.

Die globalen Ausführungen im vorangegangenen Berichtsteil zur Situation der Neuberufungen und des Aufbaus der Arbeitsgruppen sind ebenso für die psychologischen Institute der Fakultät zutreffend. Nachfolgend sollen einige Besonderheiten herausgestellt werden.

Das Fachgebiet Psychologie zeigt eine zunehmende Strukturierung im angewandten Bereich und in der Grundlagenforschung. Die Arbeiten konzentrierten sich auf Untersuchungen von Denkprozessen in ihrer Kombination mit modelltheoretischen und experimental-psychologischen sowie elektrophysiologischen Methoden. Es geht dabei um den Nachweis genereller Wirkprinzipien bei der menschlichen Informationsverarbeitung (Allgemeine Psychologie).

Gesundheitspsychologische Fragen nehmen einen zunehmenden Anteil im öffentlichen Interesse und in der psychologischen Forschung ein. Einen wesentlichen Schwerpunkt bildet dabei die Differentielle psychophysische Gesundheitsdiagnostik mit Indikationsstellung für eine typgerechte Gesundheitsförderung. Hierzu gehört auch die Entwicklung und Evaluierung entsprechender Interventionsprogramme (Klinische und Gesundheitspsychologie).

Es wurden ferner Analysen zur internen Repräsentanz von Objekten im Arbeitsgedächtnis vorgenommen und die Entwicklung von Sprache und Schriftsprache untersucht. Den besonders im Kindesalter vorkommenden Störungen (Legasthenie) wurde durch die Entwicklung eines spezifischen Trainingsprogrammes entgegengewirkt (Pädagogische Psychologie).

In der Differentiellen Psychologie und Psychodiagnostik konzentrierten sich die Arbeiten auf die in der Leipziger Tradition begründete Lernverlaufs- und Prozeßdiagnostik. Dabei geht es vor allem darum, eine computergestützte Psychodiagnostik zu erarbeiten. Im Ergebnis eines Forschungsfreisemesters wurde eine Monographie (Guthke/Wiedl) zum Dynamischen Testen erarbeitet.

In der Entwicklungspsychologie gibt es eine zunehmende Forschungsaktivität einerseits im Kleinkindalter, andererseits im höheren Lebensalter. In beiden Bereichen wird intensiv geforscht, wobei diese Untersuchungen als interdisziplinäre Forschungen (Kooperation von Medizin und Entwicklungspsychologie sowie Sportwissenschaften) und als Verbundforschungen zwischen mehreren Universitäten in Deutschland realisiert werden.

Die Problematik der Prävention und Bekämpfung von Drogenerkrankungen bildet ein wesentliches Arbeitsgebiet der Persönlichkeitspsychologie. Hier wurden sowohl epidemiologische, präventive als auch auch interventive Studien durchgeführt.

Habilitationen und Promotionen

Promotionen

Promotionsgebiet Biologie

Enzmann, Volker
Untersuchungen zur Wirkung von Streß auf die immunologische Reaktivität von Ratten und zum Einfluß der Neurotransmitter Arg-Vasopressin und Oxytocin auf verschiedene Leistungen immunkompetenter Zellen in vitro

Greising, Thomas
Untersuchungen an Eizellen und Embryonen des Rinds im Rahmen von Kerntransferexperimenten

Sonntag, Kerstin
Charakterisierung der oxidativen Aktivität neutrophiler Granulozyten bei der Rheumatoid-Arthritis

Strzelczyk, Petra
Ökofaunistische Studie zur Evertebratenfauna tiefer Gewölbekeller in der Kernstadt von Bautzen als Beitrag zur Kenntnis der Domikolfauna

Promotionsgebiet Biochemie

Hanschmann, Henning
Eigenschaften und Regulation von Carnitindehydrogenasen unterschiedlicher Stereospezifität aus Agrobacterium sp.

Holzer, Max
Charakterisierung eines monoklonalen Antikörpers gegen ein Markenprotein der Alzheimerschen Erkrankung und Analyse der Verteilung des Antigens im Nervensystem von Patienten mit Alzheimerscher Erkrankung

Koksch, Beate
Untersuchungen zum Einfluß von Q-TFM-Aminosäure-Substitution auf Proteasestabilität und Konformation von Peptiden

Müller, Dagmar
Untersuchungen zur Stabilität der Quartärstruktur von Phosphofructokinase-1 aus Saccharomyces cerevisiae-Mutanten

Roßner, Steffen
Charakterisierung eines neuartigen Immunotoxins zur spezifischen Ausschaltung cholinerger Zellpopulationen des basalen Vordergehirns der Ratte

Promotionsgebiet Sozialwissenschaft und Philosophie

Remke, Stefan
Erlebnisreaktionen des Verletzten zwischen Unfall und stationärer Behandlung - Möglichkeiten Psychiatrischer Erster Hilfe

Schreiber, Anett
Psychische Bewältigung existentieller Bedrohungen von Studenten in Ostdeutschland

Promotionsgebiet Pädagogik

Quast, Ulrike
Zum Effekt verschiedener Musikgenres auf suggestopädisches Lernen


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Roland Krause, Sven Türpe - Juni 1996