Siegfried Lokatis/Ingrid Sonntag – „Heimliche Leser in der DDR – Kontrolle und Verbreitung unerlaubter Literatur“

Der Band »Heimliche Leser in der DDR« behandelt ein Phänomen, das dem geistig regen Bewohner des einstigen »Leselandes« und seinem westlichen Besucher bestens vertraut war: Man versuchte irgendwie an Literatur heranzukommen, die in der DDR ausgegrenzt oder verboten war. Dabei ging es nicht nur um Biermann und Bahro, sondern auch um Bravo und Erotika, um Bibeln und Orwell und um den Otto-Katalog.

Der Leser erfährt, dass 42 000 Exemplare des Wachtturms in einen VW-Bus passen und wie sich Bücher am Besten im Eisenbahnklo verstecken ließen. Die Nervenanspannung bei der Zoll­kontrolle kommt dabei genauso zur Sprache wie die unwiderstehliche Anziehungskraft von Giftschränken in Bibliotheken und das Verlangen nach Westliteratur an den Leipziger Messeständen.
Um solche Erfahrungen auszutauschen trafen im Herbst 2007 auf einer Tagung der Leipziger Buchwissenschaft erstmals Bücherschmuggler mit Zollexperten, Theologen mit Rolling-Stones-Importeuren und Post­kontrolleure der Stasi mit Orwell-Lesern zusammen. Sie geben in Aktenanalysen und Zeitzeugenberichten Ein­blicke in eine Welt voller leidenschaftlicher Leser und zugleich in eine Welt ohne Kopiergeräte und eigene Drucker, in der die Texte als besonders kostbar galten.

408 Seiten, Broschiert

Ch. Links Verlag; Auflage: 1., Auflage (1. Oktober 2008)

ISBN-10: 3861534940

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