Rufe aus Deutschland

„Es war, als wären die Toten auferstanden“, schrieb Gottfried Bermann Fischer über den Erhalt eines lang ersehnten Briefes von Peter Suhrkamp, welcher kurz nach Kriegsende bei ihm eintraf. Durch strenge Restriktionen, die Amerikanern im Verkehr mit Deutschen während des Krieges auferlegt wurden, war der Kontakt zwischen den beiden zum Erliegen gekommen.

„Unfaßbar, dieser Brief war wirklich, greifbar, trug die vertraute Handschrift eines ins Unbekannte Entschwundenen, der uns in tiefer Not rief und unser längst verloren geglaubtes Erbe, den uns entwundenen Teil des Verlages S. Fischer, in unsere Hände legen wollte.“

Suhrkamp schildert in seinem Brief die vergangenen Jahre, in denen er von der Gestapo wegen Hoch- und Landesverratsverdacht verhaftet wurde und sich in mehreren Gefängnissen, sowie im Konzentrationslager Sachsenhausen befand. Ihm sei es trotz ständigem Kampf gelungen, den Verlag durchzusteuern, allerdings habe er seine „Verlagstätigkeit die ganze Zeit über als eine Statthalterschaft oder Treuhänderschaft betrachtet“.

Kurz darauf erhielt Fischer einen zweiten Brief von Suhrkamp, in welchem er berichtet, dass das Verlagshaus in der Lützowstraße Ende April 1945 zerstört worden sei. Dennoch wolle er die Arbeit wieder aufnehmen, denn der Ruf des Verlages sei „rein und blank geblieben“. Mehrfach betont er, dass er den Verlag viele Jahre allein verwaltet habe und darauf warte, ihn endlich wieder in Fischers Hände übergeben zu können. Fischer konnte sein Glück kaum fassen. „Unfaßbar, dieser Brief war wirklich, greifbar, trug die vertraute Handschrift eines ins Unbekannte Entschwundenen, der uns in tiefer Not rief und unser längst verloren geglaubtes Erbe, den uns entwundenen Teil des Verlages S. Fischer, in unsere Hände legen wollte.“

Autorin: Sophie Hofmann

Quelle: Bermann-Fischer, G. (1967). Bedroht bewahrt. Weg eines Verlegers. Frankfurt am Main, S. Fischer.