Paul Celan – ein Kampf gegen den Antisemitismus und um seine berufliche Integrität

Am 23. November 1920 wird Paul Celan in Czernowitz (Bukowina/Rumänien) in eine jüdische Familie geboren. Während der Schulzeit entwickelt er sein Interesse für Lyrik, mit 15 schreibt er erste Gedichte. Nach der Schule studiert er bis 1939 in Paris Medizin, zurück in Rumänien Romanistik. Mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht 1941 ändert sich sein Leben schlagartig: Bis 1944 wird er als Zwangsarbeiter im Straßenbau eingesetzt. Das Arbeitslager rettet ihn vor einer Deportation, die Eltern nicht.

„ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete 
dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen
Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland
er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng“
(Auszug aus „Todesfuge“)

Seine Eltern hat er nie wiedergesehen, beide sind im KZ ermordet worden. Die deutsche Sprache wird für ihn zur Mördersprache, in der er jedoch weiterhin schreibt. Seine Poesie kreist fortan um dieses Thema.

Die deutsche Sprache wird für ihn zur Mördersprache, in der er jedoch weiterhin schreibt.

1947 veröffentlicht er die ersten Gedichte. Seine „Todesfuge“ wird 1988 als Gedenken an die Reichspogromnacht im Bundestag zitiert. 1953 veröffentlicht er erstmals in der „Neuen Rundschau“ des S. Fischer Verlags, arbeitet und publiziert beim Verlag noch bis 1966. Erst 1967 wechselt er zu Suhrkamp.

Die Briefe zwischen Paul Celan und seinem Verleger Gottfried Bermann Fischer zeugen von der Begeisterung des Verlegers für seinen Autor und ihrer freundschaftlichen Beziehung. Doch unautorisierte Abdrucke von Übersetzungen und nicht genehmigte Veröffentlichungen der Werbeabteilung von Bildern Celans zehren an dieser Freundschaft. Halbkrank machen den Dichter Plagiatsvorwürfe Claire Golls, und er bittet seinen Verleger verzweifelt um Hilfe:

„Aber ich muss Sie jetzt bitten, zu erwägen, in welcher Form ich all diesen Machenschaften […] entgegentreten kann! (Sie kennen wohl nur einige wenige Aspekte dieser als ‚Fall Celan‘ – mit oder ohne Anführungszeichen – so oder so kolportierten Affäre.)“ (1962)

Doch in der bundesdeutschen Nachkriegsöffentlichkeit werden die Plagiatsvorwürfe nur allzu gern aufgenommen. Bis zu seinem Selbstmord 1970 muss Celan um seine berufliche Integrität kämpfen.

Wie wir heute wissen, waren die Vorwürfe haltlos und aus der Luft gegriffen. 2014 konnte Barbara Wiedemann in dem Buch „Paul Celan – Die Goll-Affäre“ zeigen, dass die wütige Witwe des Dichters Yvan Goll ihrerseits dessen Nachlass manipuliert und Zeilen von Gedichten gefälscht hatte. Auch sind einige der Verse von Celan bereits vor denen Yvan Golls erschienen.

Paul Celan wäre 2020 100 Jahre alt geworden. Suhrkamp veröffentlichte zum Gedenken an ihn eine Sammlung an Informationen über dessen Leben und Werk: www.suhrkamp.de/paul-celan/100-geburtstag_1580.html.

Autorin: Sophie Petersen

Quellen:

Emmerich, W. (1999). Paul Celan (Originalausg). Rowohlt.

Felstiner, J., & Fliessbach, H. (2014). Paul Celan: Eine Biographie (3. Aufl., unveränd. Nachdr). Beck.

Bermann Fischer, G., Bermann Fischer, B., Stach, R., & Schlapp, K. (1990). Briefwechsel mit Autoren. S. Fischer.

Wiedemann, B., Celan, P., & Goll, C. (Hrsg.). (2000). Paul Celan – die Goll-Affäre: Dokumente zu einer „Infamie“ (1. Aufl). Suhrkamp.