Isolation und Ausreise

Es geht seinen Gang oder Erich Loests Isolation in der DDR

Erich Loest schrieb unter dem Pseudonym Hans Walldorf Kriminalromane, um nach seiner Entlassung aus der Haft Geld zu verdienen. Im Jahr 1976 sollte der Roman „Es geht seinen Gang oder Mühen in unseren Ebenen“ erscheinen, in dem der Protagonist Wolfgang Wülff eine Art Anti-Helden der DDR darstellte. Ein kritischer Roman, dessen Veröffentlichung nicht ganz ohne Mühen auskam. Von Johanna Sprenger

Zunächst schien der Zeitpunkt gelegen, ein so kritisches Buch zu veröffentlichen, da die Kulturpolitik mit dem Amtszeitbeginn Erich Honeckers 1971 liberaler wirkte. Aber schon Mitte der 70er Jahre kam es zu Unterdrückungen einflussreicher und kritischer Künstler, allen voran Liedermacher Wolf Biermann und Schriftsteller Stefan Heym. Als 1976 Biermanns Ausbürgerung erfolgte, blieb diese nicht unkommentiert: Viele Künstler sammelten Unterschriften gegen diese Maßnahme, darunter auch Erich Loest. Im Jahr 1978 veröffentlichte der Mitteldeutsche Verlag Erich Loests Roman „Es geht seinen Gang“, begrüßt von Kollegen und Publikum. Die erste Auflage war sofort vergriffen. Trotzdem wurde ihm eine Nachauflage verweigert, und wenig später begann man, Loest systematisch zu isolieren. Das Buch wurde von staatsnahen Literaturkritikern zerrissen, Erich Loest aus Lesungen ausgeladen, und hinzu kam, dass er kaum noch öffentliche Veranstaltungen besuchen konnte. Immer wieder wandte sich Loest an den Schriftstellerverband der DDR und das Ministerium für Kultur. Er bat darum, die fortlaufende Isolation seiner Person zu begründen. Er selbst vermutete, dass es mit seinem Engagement gegen die Unterdrückung Biermanns und Stefan Heyms zusammenhinge und einem von ihm mitunterzeichneten Protestschreiben an Erich Honecker. Warum jedoch auch sein erfolgreicher Roman neue Schwierigkeiten bereitete, ließ ihn im Dunkeln tappen.

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(Auszug aus Dokument – Brief von Erich Loest an Hermann Kant vom 22.1.1979)

Eine Auskunft darüber, warum sein Buch keine Nachauflage erhielt oder warum er aus dem Künstlerleben ausgeschlossen wurde, bekam er nicht. Loest zog seine Konsequenzen und trat 1979 aus dem Schriftstellerverband der DDR aus. Zwar gab es noch eine Nachauflage von 10.000 Exemplaren beim Greifenverlag, jedoch verschlimmerte sich die Lage danach drastisch. Erich Loest erhielt keine Aufträge mehr, um jede Publikation musste er kämpfen. Wenig später wandte er sich an Klaus Höpcke und bat um eine Ausreisegenehmigung in den Westen Deutschlands. Er begründete dies damit, dass er durch seine fortwährende Isolation nicht mehr in der Lage sei, als Autor tätig zu sein. Auch wenn er die DDR nicht verlassen wolle, einen anderen Ausweg sah er als Künstler nicht. Die einmalige Ausreise in die BRD genehmigte ihm Klaus Höpcke am 11.3.1981. Nach dem Ablauf des ersten Visums bewilligte die DDR ihm im Westen zu bleiben. Erich Loest ließ sich in Osnabrück nieder und arbeitete dort weiter als Autor.

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(Dokument Brief von Erich Loest an Klaus Höpcke, Leipzig 12.8.1980)