Kurt Pinthus an der Universität Leipzig

„Ich, Kurt Pinthus, mosaischer Religion, bin am 29. April 1886 in Erfurt geboren als ältester Sohn des Kaufmanns Louis Pinthus und seiner Ehefrau Bertha, geb. Rosenthal. Ich besuchte das Königliche Gymnasium meiner Heimatstadt und verliess es Ostern 1905 nach bestandener Reifeprüfung, um mich dem Studium der Literaturgeschichte und Philosophie zu widmen. Ich besuchte die Universitäten Freiburg i.B., Berlin, Genf, Leipzig und hörte hauptsächlich Vorlesungen über deutsche Literaturgeschichte, Philosophie, Kulturgeschichte, französische Literatur und Kunstgeschichte.“ (UAL, Phil.Fak.Prom. 908, 4)

getipptes CV Kurt Pinthus

getipptes CV Kurt Pinthus

So beschreibt Kurt Pinthus seinen Lebenslauf im Antrag zu seiner Dissertation. Nach Semestern in Freiburg, Berlin und Genf schrieb er sich schließlich am 19. Oktober 1906 unter der Matrikelnummer 1867 an der Universität Leipzig ein. Hier besuchte er vor allem Vorlesungen in Philosophie, Literaturwissenschaft und Kulturgeschichte, aber auch in Romanistik oder in Psychologie bei Wilhelm Wundt. In Leipzig schloss er auch Bekanntschaft mit Kurt Wolff und Walter Hasenclever, mit dem er wenige gemeinsame Vorlesungen besuchte. Insgesamt sollte er acht Semester hier studieren.

Studentenblatt KP

Studentenblatt KP

 

Am 3. November 1910 reichte er seinen Antrag zur Dissertation mit dem Titel „Die Romane Levin Schückings, ein Beitrag zur Geschichte und Technik des Romans“ ein. (UAL, Phil.Fak.Prom. 908, 1) Als Fächer für die mündlichen Prüfungen wurden Deutsch, Geschichte, Philosophie“ bestimmt. (UAL, Phil.Fak.Prom. 908, 1)

Antrag Promotion KP

Antrag Promotion KP

Der Erstgutachter Albert Köster beurteilt die Arbeit wohlwollend, kritisiert jedoch auch die Sprache: „Hier haben wir wieder einmal eine Arbeit, die sehr sorgfältig vorbereitet und in die ein ganz außerordentlicher Fleiß gesteckt ist, die aber dann der Verfasser nicht die erforderliche letzte Formgebung hat zuteilwerden lassen. Der Kand. hat die 150 – 200 Bände, die Schücking zusammengeschrieben hat, mit größtem Eifer aufgearbeitet. (…)Aber alles, was er sich erarbeitet hat, trägt er in einem Stil vor, der schlechterdings nicht annehmbar ist. Ich kann dieser Annahme der Arbeit nur mit der Bedingung vorschlagen, daß der Kand. mir das verbesserte Manuskript vor dem Druck noch einmal vorlegt. Für die Diss., so wie sie vorliegt, ist nur die Note III zu beantragen. Doch möchte ich, wenn kein Widerspruch erfolgt, mir die Vollmacht erbitten, diese Censur bei wirklich gelungener Umarbeitung noch auf eine Note II erhöhen zu dürfen.“ (UAL, Phil.Fak.Prom. 908, 1)

Druckformular der Dissertation KP

Druckformular der Dissertation KP

Die vollständige Beurteilung von Zweitkorrektor Sievers lautet: „Mit allem einverstanden, auch mit dem Schlusspassus betr. eventuelle Erhöhung der Note.“ (UAL, Phil.Fak.Prom. 908, 2)
Der Beschluss lautet: „Demnach Annahme der Arbeit mit Note III“. (UAL, Phil. Fak. Prom. 908, 2) Die Umarbeitung der Arbeit muss jedoch erfolgreich gewesen sein, denn unter dem Formular zur Zustimmung zum Druck der Arbeit vom 17. Februar 1911 ist von Köster handschriftlich vermerkt: „Ich beantrage nunmehr, der Arbeit die Note II zuzuerkennen.“ (UAL, Phil.Fak.Prom. 908, 6)

Auch die mündlichen Prüfungen am 19. und 20. Dezember 1910 waren erfolgreich: „Demnach Prüfung bestanden mit Note III“ – in Geschichte erhielt er eine „II“, in Deutsche eine „Noch III“ und in Philosophie eine „III“. (UAL, Phil.Fak.Prom. 908, 2)