Der Briefwechsel zwischen Kurt Wolff und Karl Kraus beginnt im Jahr 1912, als der Verleger mehrere Anläufe unternommen hatte, um Kraus für seinen Verlag zu gewinnen.

Wolff war dem gefürchteten Satiriker im September 1913 zum ersten Mal in Wien begegnet. Nach diesen ersten Treffen entstand zwischen dem vierzigjährigen Karl Kraus und dem jungen Kurt Wolff ein Vertrauensverhältnis, begründet durch Claudius Gedichte, die in den Stürmen der folgenden Jahre Bestand hatten. Von dieser ersten Wien-Reise brachte Kurt Wolff die Zusage über zwei Verträge nach Leipzig: Den Vertrag über die nie erschienene Sammlung „Kultur und Presse“ und den Vertrag über den Band „Untergang der Welt durch schwarze Magie“.

Im Buch „Zwischen Jüngstem Tag und Weltgericht. Karl Kraus und Kurt Wolff. Briefwächsel 1912-1921“ schreibt Friedrich Pfäfflin, dass „vermuttlich hatte Adolf Loos den Verleger bei dieser Gelegenheit dazu angeregt, Oskar Kokoschka zur Illustrierung einer Luxusausgabe des Essays „Die chinesische Mauer “ von Karl Kraus zu verpflichten.“ Das Buch erschien nach der Überwindung mancher typographischen Fährnisse, als erstes und einziges Buch im Verlag Kurt Wolff. „Der hatte es bei diesem großformatigen Druck an Mitteln und Aufwand nicht fehlen lassen, denn Wolff wollte Kraus für seinen Verlag gewinnen. Doch Angriffe der Verlags-Autoren Max Brod und Kurt Hiller auf Kraus, die seine moralische Integrität infrage stellten, ließen die Zusammenarbeit scheitern, noch ehe sie wirklich begonnen hatte.“[1] Mit einem Brief von 9.12.1913 kündigte Kraus die Verträge für die beiden Bücher und übernahm die inzwischen angefallenen Produktionskosten.

In den ersten Kriegsjahren war der Verlag von Georg Heinrich Meyer geführt, der im Mai 1916 den „Verlag der Schriften von Karl Kraus `Kurt Wolff`“ erfand und einrichtete. In diesem Verlag für einen Autor erschienen zwischen Sommer 1917 und Herbst 1920 fünf Bände der „Worte in Versen“ in der ersten und zweiten Auflage, ferner Nachdruck der Sammlung „Die chinesische Mauer“ in dritter und vierter Auflage (1917, 1918), Nachdrucke der Aphorismenbücher „Sprüche und Widersprüche“ im Jahr 1918 und „Pro domo er mundo“ 1919, der Erstdruck des dritten Aphotismenbandes, „Nachts“ und schließlich die zweibände Ausgabe der im Krieg entstandenen Aufsätze, „Weltgericht “(1919).

Kurt Wolff war der erste Verleger der Gedichte von Karl Kraus. Er hatte ihre Herausgabe angeregt, und es fehlte nicht an denkbaren Bekundungen für das Erscheinen der „Worte in Versen“ in seinem Verlag. Sein letztes Buch für und von Karl Kraus war im Sommen 1920 seine Auswahl aus den ersten fünf Gedichtbänden. Sie erschien ohne jeden Herausgebervermerk.[2]

Die Zusammenarbeit mit Kurt Wolff von 1914, sowie zwischen 1916-1920 war der dritte und letzte Versuch von Karl Kraus sich im deutschen Buchmarkt einzurichten.

Der Abschied im Jahr 1920 zwischen dem Verleger Wolff und seinem Autor umfasst eine Reihe von Anspannungssituationen.

Der „Jüngste Tag“ und „Weltgericht“ erschienen von nun an in getrennten Verlagen. Mitte Oktober 1923 meldete die „Fackel“632-639: Der „Verlag der Schriften von Karl Kraus“ (Kurt Wolff), München und Leipzig, ist im August aufgelöst worden und seine Rechte sind auf den Verlag „Der Fackel“, Wien und Leipzig übergangen.

 

 


[1] Pfäfflin, Friedrich: Zwischen Jüngstem Tag und Weltgericht: Karl Kraus und Kurt Wolff, Briefwächsel 1912-1921., Wallstein Verlag, 2007, S.9

[2] Pfäfflin, Friedrich: Zwischen Jüngstem Tag und Weltgericht: Karl Kraus und Kurt Wolff, Briefwächsel 1912-1921., Wallstein Verlag, 2007, S.9