KAMPF UM DEN VERLAG I

Ein Briefwechsel von Zuckmayer und Suhrkamp

Ein Jeder, der länger mit Peter Suhrkamp zusammen war, weiß wie sehr Samuel Fischer Vorbild für Peter Suhrkamp war‘‘ (Unseld, 1991, S. 79).

Infolge der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 war nicht nur das Leben der Familie Fischer in Deutschland, sondern auch deren Verlag in Gefahr. Die jüdische Familie war unter der Regierung Hitlers zur Emigration gezwungen. Die Bedrohung einer kalten Arisierung ihres Lebenswerks wehrten sie mit der Etablierung von Peter Suhrkamp als Verlagschef ab. Dieser kaufte 1936 den Teil des S. Fischers Verlages, der nicht ins Exil transferiert werden konnte. Unter Druck der Nationalsozialisten musste selbst der verbliebene jüdische Verlagsname verschwinden. 1941 trat der Verlag unter dem Namen Suhrkamp auf. Nach dem Krieg begann der Kampf um den Verlag zwischen Gottfried Bermann Fischer und Peter Suhrkamp.

Nach dem Krieg begann der Kampf um den Verlag zwischen Gottfried Bermann Fischer und Peter Suhrkamp.

Während Bermann Fischer für breitenwirksame Literatur eintrat (Stichwort: Taschenbuch), favorisierte Suhrkamp eine elitenorientierte Konzeption. Auch sperrte sich Suhrkamp gegen die Änderung des Verlagsnamen.

1948 ließ er seinen Emotionen in einem Brief an Zuckmayer freien Lauf: „Du weisst, Gottfried ist sehr naiv. Er äussert denn auch, dass er auf seinen Reisen von einer Firma zur anderen, ins Gefühl bekommen hat, dass er Herr ist über einen grossen Konzern. Du kannst Dir denken, dass mir der Konzern gar nicht liegt und dass ich ihm etwas Wermuth in seinen Champagner tröpfeln werde.‘‘

Nach einem Jahr verschärfte sich die Lage: „Ich habe täglich Aussprachen, teils sehr heftige‘‘, […] Eine wirkliche Verständigung zwischen Gottfried und mir halte ich danach für unmöglich.‘‘‘

Zuckmayer war sich der Gefahr für den Verlag bewusst und resümierte den Disput mit den Worten: „Auch um des Verlages und der Autoren willen müssen zwischen Bermann und Dir einmal die Würfel fallen.‘‘

 Autorin: Fabienne Bicke

Quellen:

Langner, I. (2013): Wie Peter Suhrkamp sich seinen Verlag ergaunerte, online unter: https://www.cicero.de/kultur/fischer-wie-peter-suhrkamp-sich-den-verlag-ergaunerte/54562, aufgerufen am 15.11.2020.

Unseld, S. (1991): Peter Suhrkamp. Zur Biographie eines Verlegers in Daten, Dokumenten und Bildern, Bibliothek des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Frankfurt am Main.

Weiß, U. (2002): Zur Diskussion: Zuckmayers ‚ Geheimreport‘. Und andere Beiträge zur Zuckmayer- Forschung. Zuckmayer-Jahrbuch, Bd. 5, Wallstein.