Franz Kafka – Ein Mythos im S. Fischer Verlag

Kafka gilt heute allgemein als ein dunkler, mystischer Schriftsteller, der gerade im Deutschunterricht von Schülern gefürchtet ist. Seine Texte sind komplex, schwer zu lesen und fragmentiert. Dabei ist Kafka mehr als sein Mythos.

Nach Kafkas Tod 1924 dauerte es eine Weile, bis er für Aufsehen sorgte. Nur wenige kannten ihn zu seiner Lebzeit, doch in den 50ern war er plötzlich in aller Munde. Es gab Schulaufführungen, Studenten strichen ihre Wände schwarz oder trugen zumindest schwarze Kleidung – der Beginn des Existenzialismus. Es kursierte der Mythos des Mannes, der all seine wertvollen Werke nach seinem Tod vernichtet haben und nie Schriftsteller sein wollte. Ein Bild, das auch der S. Fischer Verlag prägte.

Bis Kafka 1950 zum S. Fischer Verlag kam, wurde er auch in anderen Verlagen veröffentlicht. Doch es war S. Fischer, der Kafkas düsteren Mythos in die Welt trug. Als großer Publikumsverlag konnte er den Autor für eine breite Masse zugänglich machen. Mit dem richtigen Image positionierte man Kafka also auf dem Markt. So veränderte der Verlag beispielsweise das letzte Porträt Kafkas, das als Autorenbild fungierte. Der Verlag retuschierte das Foto und verdunkelte es, um das Mystische und Seherische Kafkas zu betonen.

Während sein erster Verleger Kurt Wolff ihn für seinen größten Flop hielt, hielt Kafka sich selbst durchaus für einen guten Schriftsteller.

Das geschaffene Bild Kafkas ist verzerrt, denn der Autor hatte ein Gespür für die Komik der alltäglichen Dinge, die er in absurden Konstellationen und grotesken Figuren darstellt. So kommt es beispielsweise zu Beschreibungen von Beamten, die nichts anderes tun, als auf neue Akten zu warten oder der Erzählung „Der große Lacher“, in der er erklärt, wie er bei einer festlichen Zusammenkunft seiner Arbeit vor Lachen nicht an sich halten kann, bis er schließlich den Raum verlassen muss.

Einer seiner Freunde und Förderer, Max Brod, bemerkte Kafkas Talent und seine Komik. Brod erbte Kafkas Schriftstücke, mit ihnen den unerfüllten Auftrag, sie zu vernichten. Der erste veröffentlichte Roman Kafkas war 1925 „Der Process“ im Verlag „Die Schmiede“.

Während sein erster Verleger Kurt Wolff ihn für seinen größten Flop hielt, hielt Kafka sich selbst durchaus für einen guten Schriftsteller. Schon in seinen Jugendjahren schrieb Kafka fleißig im familiären Rahmen kleine Stücke, die seine Schwestern sogar aufführen mussten.

 Autorin: Frederike Schrewe

Quellen:
Kafka, F. (2018). Ein Käfig ging einen Vogel suchen – Komisches und Groteskes, Zusammengetragen von Klaus Walgenbach. Berlin: Verlag Klaus Walgenbach Verlag.

o. A. (o.A.). Homepage. Abgerufen am 22.11.2020 von http://franz-kafka.eu/biografie/

Deutsche National Bibliothek (2020). Kafka. Abgerufen von https://portal.dnb.de/opac.htm?method=showFullRecord&currentResultId=%22118559230%22+sortBy+jhr%2Fsort.ascending%26any&currentPosition=120

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o. A. (o.A.). Homepage. Abgerufen am 22.11.2020 von https://www.franzkafka.de/