Döblin – Der vergessene Dichter?

„Ich selbst, ein Einzelner unter so vielen Autoren, konnte und kann meine Anerkennung, – falsch gesagt –, meinen Respekt vor Ihrem Verlag nicht besser dokumentieren, als dass ich trotz vieler Ausbruchsversuche bei ruhiger Überlegung mich immer wieder für Sie entschied, – dass ich, allerlei geistige Spannungen unterdrückend, zwischen anderen blieb, die ich schwer ertrage, aber, quasi unter Ihrer Oberhoheit, ertragen kann.“ (Berlin, 1926)

Wir blicken zurück auf das Jahr 1926. Der S. Fischer Verlag ist just dabei, das 40-jährige Geschäftsjubiläum zu zelebrieren. Auch Alfred Döblin lässt sich nicht die Gelegenheit entgehen, seinem seit nunmehr 12 Jahren treuen Verleger Samuel Fischer zu gratulieren. Die geschriebenen Zeilen zeigen eindrucksvoll das angespannte wie auch höchst respektvolle Verhältnis zwischen Autor und Verleger. Wir gehen einen weiteren Schritt zurück und sehen uns die Anfänge Alfred Döblins und Samuel Fischers an.

Alfred Döblin, geboren 1878 in Stettin und aufgewachsen in Berlin, war sowohl Mediziner als auch Anreger und Repräsentant der literarischen Moderne. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts pflegte er Kontakte zu Literaturkreisen (darunter Herwarth Walden & Else Lasker-Schüler). In den 1910er Jahren begann Döblin die Arbeit an seinem China-Roman „Die drei Sprünge des Wang-lun“.

Döblin berichtet, er habe trotz seiner ärztlichen Tätigkeit stets Zeit zum Schreiben gefunden – sei es auf der Hochbahn, bei Nachtwachen in der Unfallstation oder zwischen Konsultationen.

Der Roman, welcher innerhalb von zehn Monaten verfasst wurde, stieß jedoch auf keinerlei Anklang in der Verlagswelt. Döblin versuchte vergeblich, einen Verleger für sein Manuskript zu finden. Der Roman sollte seinen ganz persönlichen Durchbruch in der Literaturwelt manifestieren. Erst nach zwei Jahren fortdauernder Suche zeigte sich schließlich der S. Fischer Verlag bereit, das Buch zu publizieren. Aufgrund kriegsbedingter Verzögerungen erschien 1916 der Roman, welcher sich mit dem Gegensatz von Handeln und Nichthandeln befasst. Im selbigen Jahr erhielt Döblin den renommierten Fontane-Preis. Die erste Auflage war aufgrund der positiven Resonanz bei Kritikern und Publikum innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Bis in das Jahr 1923 erlebte die Geschichte des Wang-lun insgesamt zwölf Auflagen. 

Der Beginn einer erfolgreichen Zusammenarbeit…?

Fortsetzung folgt…

Autorin: Anne Kirschtein

Quellen:
Becker, S. (Hrsg.). (2016). Döblin Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Stuttgart: J. B. Metz.
Bernhardt, O. (2007). Alfred Döblin. München: Deutscher Taschenbuch Verlag.
Peitz, W. (1968). Alfred Döblin Bibliographie 1905-1966. Freiburg i. Br.: Eckhard 
Becksmann. Rodewald, D., & Fiedler, C. (Hrsg.). (1989). Briefwechsel mit Autoren. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag.