Die Buddenbrooks – ein Roman durchschnittlichen Umfangs

„Ich würde mich aber freuen, wenn Sie mir Gelegenheit geben würden, ein größeres Prosawerk von Ihnen zu veröffentlichen, vielleicht einen Roman, wenn er auch nicht so lang ist.“ Mit diesem Wunsch Samuel Fischers an Thomas Mann begann am 29. Mai 1897 die Geschichte der Buddenbrooks. Ein Roman, der die Literaturwelt prägte, wie wenige vor und nach ihm. Der Autor nahm seinen Verleger beim Wort und setzte sich an das Werk.

Ein „Roman durchschnittlichen Umfangs […] zweihundertfünfzig Seiten, nicht mehr, in fünfzehn Kapiteln“ hatte Thomas Mann sich zum Ziel gesetzt.

Die erste Niederschrift begann Ende Oktober desselben Jahres. Ein „Roman durchschnittlichen Umfangs […] zweihundertfünfzig Seiten, nicht mehr, in fünfzehn Kapiteln“ hatte Thomas Mann sich zum Ziel gesetzt. Bereits bei seiner Rückkehr von Italien nach München im April 1898 begleitete ihn „ein schon ausfallend stattliches Manuskript“. In den folgenden Jahren widmete sich der Schriftsteller in jeder freien Minute seinem Roman. Das Manuskript lag stets „aufgeschlagen auf einem feierlich mit grünem Stoff behangenen Ausziehtisch“ in der Junggesellenwohnung im dritten Stock der Feilitzschstraße 5. Am 12. Januar 1900 macht S. Fischer seiner Spannung und Vorfreude auf den ausstehenden Roman in einem Brief deutlich: „Sehr erfreut hat mich Ihre Nachricht, daß Sie mir demnächst Ihren neuen Roman vorlegen würden; ich bin auf eine größere Arbeit Ihrer Feder sehr gespannt…“.

Thomas Mann setzte nicht sonderlich viel Hoffnung in seinen Roman. In einem Brief an seinen Freund Paul Ehrenberg im Jahr 1900 schrieb er: „Geld und Massenapplaus ist mit solchen Büchern nicht zu erlangen; aber wenn er nur wieder ein kleiner literarischer Erfolg wird, so will ich stolz und dankbar sein.“ Am 10. August 1900 war es schließlich vollbracht: „Die erste und einzige Niederschrift, das ungeschickteste Manuskript, auf liniiertem Geschäftspapier doppelseitig geschrieben, und so schickte ich es an Fischer, ohne viel Hoffnung, ohne viel Verzweiflung: hier denn, ich hatte getan, was ich konnte.“ Durch die doppelseitige Beschriftung täuschte das Manuskript in seinem Umfang, doch Thomas Mann wusste selbst, dass es für jeden Lektor eine Zumutung darstellte. Fischers Vorschlag eines „nicht so langen“ Prosawerks war obsolet. Aus den anfangs geplanten 12 wurden letztendlich 97 Kapitel, aus den 250 Seiten weit über 1000.

Der Verlag legte Thomas Mann nahe, das Werk „um die Hälfte [zu] kürzen“ bzw. „ganz neu [zu] schreiben“. Doch jetzt drohte der Autor zum Konkurrenzverlag Albert Langen überzulaufen und S. Fischer verlegte das Buch trotz des Umfangs.

Spätestens 1929, als Thomas Mann für sein Werk mit dem Nobelpreis der Literatur ausgezeichnet wurde, war der endgültige Durchbruch geschafft und die Buddenbrooks zum literarischer Klassiker geworden (von dem längst weit über 5 Millionen Ausgaben verkauft wurden).

Autorin: Leona Bürzle

Quellen:
Fischer, Samuel/Fischer, Hedwig: Briefwechsel mit Autoren. Hg. von Dierk Rodewald/Corinna Fiedler. Frankfurt a. M. 1989.
Mendelssohn, Peter de: S. Fischer und sein Verlag. S- Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1970.
Mattern, N., Neuhaus, S., & Buchhandlung, J. M. (Eds.). Buddenbrooks-Handbuch. JB Metzler Verlag, 2018.