80iger Jahre

Die politischen Veränderungen der 80iger Jahre zeigten sich nicht nur in der Entwicklung neuer literarischer Strömungen innerhalb der DDR, sondern auch durch Veränderungen in den Bildenden Künsten. Buchillustrationen folgen nicht mehr den Formen und Traditionen früherer Jahre, sondern schlagen in Expressivität und Explosivität um. Es entsteht eine kreative Zusammenarbeit von Künstlern und Dichtern. Große Verlage wie Aufbau können erst Ende der 80iger Jahre diese Strömungen in ihre Programme aufnehmen, sodass bis dahin nur Kleinstauflagen von dieser Kunst publiziert wurden. Die traditionelle Buchkunst blieb weiterhin bestehen und versuchte die neuen Entwicklungen einzubeziehen.

Weiterhin folgen einige Beispiele der für die 80iger Jahre typischen Umschlaggestaltung.


„Wolfgang Kröber – Am Rande der Stadt“

80er01

Der Schutzumschlag wurde von Irene Fischer gestaltet und zeigt die schwarz-­weiße Fotografie eines Zaunes. Das Foto erstreckt sich über die Vorder-­ und Rückseite des Umschlages. Betrachtet man nur die Vorderseite sieht man einen intakten Holzzaun. Wenn man das Buch umdreht findet man einen Zaun vor, dessen Latten sich ablösen. Markant ist, dass der Buchrücken als Übergang zwischen stabilen und kaputten Zaun fungiert. Da das Foto in schwarz-­weiß abgebildet wurde, wirkt es trist und hebt die negative Stimmung hervor, die der kaputte Zaun verursacht. Das Bild wurde in einem optischen Gleichgewicht fotografiert. Das heißt, dass der Zaun zwei Drittel des Bildes einnimmt und der Himmel ein Drittel, wodurch eine harmonische Bildkomposition gefördert wird. Die Anordnung des Zaunes, mit seinen vertikalen und horizontalen Latten, wirkt statisch, sodass Bewegungslosigkeit zum Ausdruck kommt. Die Fotografie wird auf der Frontseite und am Rücken des Buches durch eine markante schwarze und weiße Schrift überdeckt. Diese beinhaltet Autor, Titel und Gattung des Werkes. Die Schrift ist sehr dominant und deshalb ein Blickfang.


„Claus Hammel – Humboldt und Bolivar oder Der neue Kontinent

80er02

Dieses Buch gehört zu der Aufbau-­‐Reihe „Edition neue Texte“ und dessen Umschlag wurde von Heinz Hellmis gestaltet. Die Bücher dieser Reihe haben meist einen ähnlichen Aufbau in der Gestaltung. Auf der Vorderseite sieht man den Autor, den Titel, die Buchgattung, den Namen der Reihe und den Verlag abgedruckt. Alles wurde linksbündig ausgerichtet und die verschiedenen Größen der Schriftelemente drücken deren Wichtigkeit aus. Außerdem wurde ein Gemälde abgedruckt. Auf dem Buchrücken wiederholen sich Titel und Autor und auf der Rückseite steht eine Kurzbiografie des Autors. Das dargestellte Gemälde ist von Falk von Wangelin und das Besondere ist, dass es um die Frontseite des Umschlages herumgeht und auf dem Klapptext endet. Der Farbauftrag auf dem Gemälde ist malerisch, da man Pinselstriche sieht und es gibt viele Farbdifferenzierungen. Es zeigt die Momentaufnahme einer Gesellschaft und deren Gruppen, die in eine Landschaft eingebettet sind. Um den König und den Papst bildet sich ein Oval, das die Vollkommenheit und Macht der Obrigkeit verdeutlichen soll. Im ganzen Gemälde herrscht eine Dynamik, welche Unruhe und Bewegtheit verursacht.


„Bibliographie Arnold Zweig Band 1 Primärliteratur“

80er03

Dieser Buchumschlag wurde von Peter Friederici gestaltet. Vorder-­ und Rückseite des
Schutzumschlages sind hier losgelöst voneinander gestaltet. Auf der Vorderseite sieht man deutlich den Titel des Buches, welcher in einer weißen filigranen Schriftart dargestellt und durch einen blauen Balken hervorgehoben wurde. Das Weiß setzt sich gut von dem Dunkelblau ab, wodurch die Schriftelemente zu einem Blickfang werden. Außerdem wurde dieses Element linksbündig angeordnet. An der unteren Seite findet man den Untertitel, der im gleichen Stil wie der Titel gestaltet wurde. Einziger Unterschied ist, dass das Textelement zentriert formatiert wurde. Beide blauen Balken nehmen circa die Hälfte der Frontseite ein. Die andere Hälfte wurde mit einer Art Inhaltsverzeichnis gestaltet. Die Schrift ist deutlich kleiner und schwarz. Dadurch kommt eine Spannung zwischen den verschiedenen Elementen auf der Vorderseite auf. Die komplette Rückseite des Werkes besteht aus einer Radierung von Hermann Struck, die Arnold Zweig im Halbprofil zeigt.


„Capek – Reisebilder“

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Den Schutzumschlag für dieses Buch gestaltete Heinz Hellmis. Er verwendete dabei die Illustrationen des Autors. Diese Illustrationen sind eine gute Möglichkeit, um in die Gestaltung des Umschlages inhaltliche Aspekte einzubringen. Die Zeichnungen kann man voneinander unabhängig betrachten, denn alle zeigen ihre eigene Geschichte. Sie wurden mit feinsten Linien und Punkten gestaltet und wirken dadurch plastisch. Die Bildelemente wurden mit verschiedenen Perspektiven gezeichnet und dies hebt die Unabhängigkeit der einzelnen Bildchen hervor. Durch die gegensätzlichen Formen der Bildelemente wird Spannung und Unruhe erzeugt. Zudem sind sie unregelmäßig und asymmetrisch ausgerichtet, wodurch sie eine dynamische Wirkung bekommen. Diese Unausgewogenheit wird durch den Hintergrund noch verstärkt. Dieser wurde mit Hilfe von Aquarellfarben oder Tusche koloriert, wobei der Untergrund noch durchscheint. Ein weiteres wichtiges Element ist die Schrift auf dem Umschlag. Der Name des Autors wurde mit einer futuristischen fetten und schwarzen Schrift gestaltet, die einen Schwerpunkt auf dem Buschumschlag ausmacht. Der Titel des Buches wurde jedoch mit einer unauffälligen Schrift bedacht und auseinandergerissen.


„Irmtraut Morgner – Die wundersamen Reisen Gustavs des Weltfahrers“

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Der Schutzumschlag zu diesem Buch wurde von Günter Lerch entworfen. Das Bild, welches auf diesem Umschlag abgebildet ist, besteht aus einem gelben Hintergrund, einer Lokomotive und dem Autoren und Titel des Werkes. Es erstreckt sich über Vorder-­ und Rückseite des Buches und wird durch die Kennzeichnung von Autoren und Titel am Buchrücken durchbrochen. Die Farbe Gelb dominiert das gesamte Bild, da sie auch die einzige Farbe ist. Plastizität wird durch den Linienduktus hervorgerufen, mit dem die Lokomotive und deren Umgebung gemalt wurde. Die feinen Linien lassen Licht und Schatten, sowie Hell und Dunkel sichtbar werden und die dicke Linienführung unterstreicht das Hervortreten der Lokomotive. Sie nimmt die zentrale dominante Position ein und bildet damit den Schwerpunkt. Gleichzeitig ruft die Lok durch den Eindruck von Bewegtheit und Unruhe eine Dynamik hervor. Im oberen Teil des Bildes findet man den Titel und den Autor des Buches. Beides wurde mittels einer Handschrift dargestellt. Das Bild scheint durch die Linienführung sehr chaotisch und unruhig zu sein, doch durch das reine Gelb in Hintergrund und dessen Kontrast zu den schwarzen Bildelementen wirkt der Buchumschlag klar.