60iger Jahre

In den 60iger Jahren entwickelten sich die Anfänge der Buchkunst weiter. Durch unterschiedliche künstlerische Sichtweisen wurden Techniken wiederbelebt und weiterentwickelt. Der Holzstich als eine der Techniken wurde durch die „Leipziger Holzstichschule“ zu neuer Größe geführt und auch einzelne Künstler, wie Werner Schinko, bevorzugten diese Kunstform. Werner Schinko war außerdem Vertreter des narrativen Illustrationsstils. Dieser etablierte sich Anfang der 50iger und unterstützt die Literatur mit Illustrationen zu wichtigen Textstellen. Der Lyrikboom in den 60iger Jahren förderte diesen Illustrationsstil außerdem. Diese Form bildete die zweite Stimme zum Text und sollte das sinnliche Verstehen der Dichtung hervorheben.

Weiterhin folgen einige Beispiele der für die 60iger Jahre typischen Umschlaggestaltung.


„Lothar Kusche – Käse und Löcher“

60er01

Dieser Schutzumschlag verbildlicht den Titel des Buches „Käse und Löcher“ sehr gut. Zu sehen ist auf Vorder-­ und Rückseite ein gelber Hintergrund mit schwarzen Flecken. Natürlich assoziiert man damit, vor allem wenn man den Titel liest, einen Käse. In den schwarzen Löchern sind Personen und eine Rose abgebildet. Die Löcher sind verschieden groß, scheinbar wahllos angeordnet und ein guter Kontrast zu der Farbe Gelb. Diese Farbe dominiert den kompletten Umschlag und macht das Buch damit zu einem Blickfang. Die abgebildeten Menschen entsprechen keinem bestimmten Schema, da sie verschiedenen Alters und Geschlechtes sind. Das Bild weist keine Schattierungen oder bestimmten Perspektiven auf und ist damit Zweidimensional illustriert. Die Bildelemente entsprechen einer Streuung, da sie in unregelmäßigen Abständen, aber in einem ausgewogenen Verhältnis gegliedert sind. Das hat eine lebendige und dynamische Wirkung auf den Betrachter. Außerdem befindet sich auf der Vorderseite des Umschlages, sowie auf dem Buchrücken, der Autor und Titel des Buches in roter und weißer Schrift. Die Schriftart ist eher dezent als überladen und teilweise wurden nur Großbuchstaben genutzt.


„Thomas Mann – Der Tod in Venedig“

60er02

Dieser Buchumschlag wurde von Ilse Unterstein gestaltet. Das Werk gehört zur Reihe „Deutsche Volksbibliothek“ des Aufbau Verlags und ähnelt von der Gestaltung sehr anderen Büchern aus dieser Reihe. Der komplette Schutzumschlag ist in einem himmelblau gefärbt und auf der Vorderseite befindet sich ein Bild, sowie Titel und Autor des Buches. Als Schriftfarbe wählte man weiß, wodurch der Text sehr gut mit dem Himmelblau harmoniert. Zudem rückte man den Titel des Werkes, durch eine kursive Formatierung und Vergrößerung, in den Mittelpunkt. Sowohl Titel, als auch Untertitel und Autor sind zentriert gelagert. Eine farbliche Ausnahme bildet der Buchrücken, dessen Text in schwarz abgedruckt wurde. An der Unterseite des Umschlages findet man einen weißen Balken, welcher die Zahl 285 einschließt. Dies ist die Ziffer des Werkes in der Reihe. Besonders zu beachten ist das Bild, welches auf der Vorderseite zu sehen ist und einen Ausschnitt Venedigs zeigt. Abgebildet ist die berühmte Seufzerbrücker und eine Gondel, die im Wasser treibt. Damit ist der inhaltliche Bezug zum Titel gegeben. Das schwarz-­‐weiße Bild wird nur durch ein paar himmelblaue Farbelemente durchbrochen, wodurch es in den Umschlag eingebunden wird.


„Erwin Strittmatter – Ole Bienkopp“

60er03

Dieser Umschlag ist auf Vorder-­ und Rückseite des Buches gestaltet und im Mittelpunkt steht das Gesicht eines Mannes. Außerdem findet man im Hintergrund eine Stadt und auf der Rückseite des Werkes Vögel sowie das Gesicht einer Frau. Auf der Frontseite und auf dem Buchrücken sind zudem noch der Titel, der Autor und die Buchgattung zu sehen. Bei der farblichen Gestaltung des Buches setzte man überwiegend schwarze Illustrationen ein und kolorierte einzelne Objekte mit einem Gelbton. Die einzige Ausnahme ist dabei der Titel des Buches, welcher in roter Schrift die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Vor allem die Illustration der Gesichter ist durch großflächige Schattierungen sehr plastisch. Der Mann, der circa zwei Drittel der Vorderseite einnimmt, wurde mit besonders vielen Details gezeichnet, wodurch er der Schwerpunkt des gesamten Umschlages ist. Der Frauenkopf auf der Rückseite jedoch passt nicht wirklich in das Geschehen und wirkt isoliert zu den anderen Bildelementen. Die im Hintergrund gelegene Stadt weist einen hohen Wirklichkeitsgrad vor, da raumschaffende Mittel wie Höhen-­ und Größenunterschiede und Überdeckung genutzt wurden. Weiterhin wurde sie in einer Zentralperspektive gezeichnet.


„Manfred Bieler – Märchen und Zeitungen“

60er04

Auf dem von Harri Lütke gestalteten Schutzumschlag sind Wortfragmente in verschiedenen Schriftarten und Größen dargestellt, die den Titel und den Autoren beschreiben sollen. Der Umschlag wirkt wie eine Collage, da die Wörter „Zeitungen“ aus einzelnen Buchstaben zusammengesetzt wurden und somit keine einheitliche Schrift ergeben. Außerdem wurden die Wörter „Märchen“ in zwei verschieden Schriftarten und Farben abgedruckt. Die Collage beschränkt sich größtenteils auf die Vorderseite des Umschlages, wobei einzelne Buchstabenfragmente auch auf der Rückseite zu finden sind. Die Farbwahl des Schutzumschlages ist fast in schwarz weiß gehalten, wobei ein oranges Sonderzeichen heraussticht. Der Titel und der Autor des Werkes wurden nochmals in einer lesbaren blauen Schrift abgedruckt und zieren Frontseite und den Buchrücken. Auf diesem Umschlag gibt es eine Vielzahl unübersehbarer Elemente, wodurch Unruhe ausgedrückt wird. Durch gegensätzliche Formen und die zufällige Anordnung der Elemente wird Spannung und Bewegtheit erzeugt. Der Hintergrund ist auf dem kompletten Buchumschlag zu sehen. Er zeigt verschiedene Grautöne, die lasierend aufgetragen wurden. Das bedeutet, dass der weiße Untergrund immer noch durchscheint. So eine Technik gelingt meist durch die Arbeit mit Tusche oder Aquarellfarbe.


„Macourek – Die Wolke im Zirkus“

60er05

Dieser Buchumschlag wurde von Klaus Ensikat gestaltet. Besonders auffallend ist die Typografie, welche einen zentralen Bestandteil des Umschlages bildet. Der Autor und der Titel des Buches wurden mit einer ausgefallenen Schrift dargestellt, welche am oberen und unteren Teil der Vorderseite entlang verläuft und jeweils einen Bogen beschreibt. Die Textelemente sind achsensymmetrisch angeordnet und liegen somit an einer waagerechten Symmetrieachse. Besonders markant ist der Schriftzug „Zirkus“. Er ist aus Menschen und Fantasiewesen geformt und illustriert und weist viele Schattierungen sowie Details auf. Diese Art der Illustration ist das Markenzeichen des Künstlers Klaus Ensikat. Da die Textelemente im Bogen geformt sind, bilden sie eine Umrandung für das Bildelement in der Mitte der Frontseite. Zu sehen ist ein abstraktes Bild, welches die Fantasie anregt. Es bildet den Mittelpunkt des Umschlages und ist bunt koloriert. Auf der Rückseite findet man einen Schmetterling, der mit der gleichen Technik gemalt wurde, wobei dieses Element isoliert erscheint. Beide Bildelemente weisen eine gewisse Struktur auf, das heißt die Bildfläche ist mit einer Folge gleicher Muster gefüllt, wobei eine unruhige Wirkung erreicht wird. Der Hintergrund des Buchumschlages ist weiß gestaltet und hat eine lila Umrandung.