21 – Iphigenie auf Tauris

DSCN4040Künstler: Lucas Kunz
WOhnort: Kleines Wiesental
Geburtsjahr: 1959
Beruf: freischaffender bildender Künstler/Grafiker
Autor: J.W. von Goethe

 

 

 

 

 

Julia Vermes konfrontierte Lucas Kunz mit einem Holzschnitt-Inselbuch der bekannten deutschen Expressionisten. Sie wollte ihn dazu bewegen, ein Teil ihres Inselprojektes zu werden. Bei dem Büchlein mit den Holzschnitten war ihm einerseits zu schwer, in bereits bildnerisch fertige Werke hinein zu gehen und andererseits hatte er selbst ein viel zu großes Interesse an den Holzschnitten, da diese ja auch sein Metier darstellen. In der gut sortierten Buchhandlung Freiburgs „Wettstein“ stieß er auf die Iphigenie. Aus Goethes wunderbarer, kraftvoller, toller Sprache könnte man etwas machen, dachte er sich. Doch die Sprache entpuppte sich schon als komplett und fertig. Daraufhin befasste er sich mit dem Mythos Iphigenie und der Interpretation Goethes. Die Sprache wurde dabei außen vorgelassen und der Fokus auf Hintergründe und mögliche Betrachtungsweisen gelegt.

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Iphigenie wird entführt und sie solidarisierte sich mit ihren Entführern. So kann das „Stockholm-Syndrom“ als eines von vielen möglichen Aspekten angesehen werden, was auch zum zentralen Thema seiner Bearbeitung wurde. Der Käfig symbolisiert die Gefangenschaft, wobei die Farbe Weiß gleichzeitig für die Unschuld der Iphigenie steht. Goldene Herzen und Rasierklingen geben wieder, dass Liebe ein schweres, seelisches und körperliches Leid erzeugen kann. Getrocknetes Laub: Es ist grünes Laub, also Frühling oder Leben und doch ist es gleichzeitig „Herbst“. Die getrockneten Pflanzen erinnern zudem an die Poesiealben junger Mädchen. Goldene Herzen und die getrockneten Blättchen sind natürlich furchtbar kitschig, aber das hat er mit einem Augenzwinkern absichtlich erzeugen wollen. Die Insel Krim wird als Ort der Handlung angegeben, was Kunz dazu bewegte, in seiner eigenen griechischen Münzsammlung nach entsprechenden Münzen zu suchen. Künstlerbücher sind Kunstwerke in Form von Büchern, sei es als Objekt oder dass das Buch nur zum Träger des Inhalts wird. Bei der Iphigenie trifft letzteres zu. Der Prozess, der zum Endprodukt führt, kann mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

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