17 – Aus dem Gebetsbuch Kaiser Maximilians

DSCN3984Künstlerin: Tatjana Bergelt
Wohnort: Helsinki
Geburtsjahr: 1966
Beruf: Freischaffende Künstlerin
Illustrator: Albrecht Dürer

 

 

 

 

 

Als Tatjana Bergelt die Facsimilieausgabe „Aus dem Gebetsbuch Kaiser Maximilians“ in der Hand hielt, um eine mögliche Umgestaltung vorzunehmen, war sie verunsichert. Verunsichert durch die bereits vorhandenen Illustrationen Albrecht Dürers, welche es ohne Frage zu zerstören galt, um eine eigene Aussage zu treffen. Sie begann eher verhalten mit einer eigenen Farbgestaltung durch Übermalung und setzte somit einen eigenen Rhythmus fest. Als sie Dürers Abbildungen mit Farben unterlegte, empfand sie die Notwendigkeit und den Rhythmus dieses Stundenbuches noch anders, als nur durch Illustrationen, hervorzuheben. Denn ein Stundenbuch ist ein Gebetsbuch. Somit ergab sich für sie ein eigener Kreis philosophischer Begriffe, welchen Frau Bergelt zu visualisieren vermochte.

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Verschiedene Fragen über die Bedeutung, die Definition, die Messbarkeit und die unterschiedlichen kulturellen Ansichten der Zeit führten sie zu dem bildnerischen Symbol des Kreises. In der Physik spricht man von Zeitlöchern und in der Literaturwissenschaft von verzerrter Zeitwahrnehmung durch Asymmetrie im Romanaufbau. Der Kreis, das Loch, der Blick auf die Seite zuvor, auf das Wort danach, keine Geradlinigkeit sondern ein Kontinuum, in unendlich viele Zeitintervalle eingeteilt, subjektiv erlebt – das wurde ihre Bildsprache. Die deutsche Sprache beinhaltet durch die verschiedenen grammatikalischen Zeitformen die Möglichkeit einer expliziten Zeitpunktausage. Ein Punkt, der Ursprung eines Kreises. Somit entschied Frau Bergelt, die Seiten in selbstbestimmten Rhythmus zu perforieren und mit Wachs durchsichtig, in die vorhergehende und nachkommende Seite blickend, zu bearbeiten.

„Ich habe, wie viele andere zuvor, vermieden, zu etablieren, was die Wahrheit in Bezug auf das Dasein der Zeit sei. Dagegen habe ich versucht, durch verschiedene Fragestellungen meine bildnerische Aussage zu treffen. In dem Moment, als ich es tat, damals, jetzt, im Jahr 2012.“

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