10 – Der geisteskranke Bibliomane

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„Das Verlangen eines starken Vorbehalts gegenüber der Bezeichnung der Bibliomanen als geisteskrank ist notwendig, um das Recht des Individuums, das Leben nach eigenem Geschmack zu leben, zu schützen. Ein jeder darf begehren, was er auch mag, wenn er seiner Umgebung, der Gesellschaft, dem Staate dadurch nicht schadet. Also muss ihm auch gestattet sein, sein Leben zu opfern und die Welt wegen eines wurmstichigen Oktavbandes aus dem 15. Jahrhundert zu durchstöbern, wenn er solches als seinen Lebenssinn ansieht. Wo der Bibliomane wegen seines Begehrens Unglück über sich bringt, so ist dies seine Verantwortung. Und so lange er diese trägt, kann er nicht als geisteskrank betrachtet werden.“

Dr. med. Karl Jörgensen, 1925

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Aus: Scholz, G. (Hrsg), 1983. Büchernärrisches Lese-Vergnügen für Bücherfreunde, -leser, -sammler, Bibliophile und Bibliomanen. Zürich: Schweizer Verlagshaus.