1 – Bücher, schleimig wie Sümpfe

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Bücher, schleimig wie Sümpfe, in denen man versinkt und vergeblich nach Rettung ruft, trockene, aber scharf geschliffene, kantige Bücher, die uns Wunden schlagen; weich gepolsterte Bücher, Marke Dunlopillo, die uns hochschnellen und zurückprallen lassen; Meteorbücher, die uns in unbekannte Regionen versetzen und uns Sphärenmusik hören lassen; flache und rutschige Bücher, auf denen wir ausgleiten und uns den Hals brechen; uneinnehmbare Bücher, in die wir nicht hineinkommen, weder durch die Mitte noch von vorn, noch von hinten; Bücher, so hell, daß wir in sie eindringen wie in die Luft, und die, wenn wir das Gesicht wenden, schon nicht mehr da sind; verpuppte Bücher, deren Stimme Jahre erst, nachdem wir sie gelesen haben, zu uns dringt; Bücher mit Haaren und Hoden, die uns Geschichten mit Haaren und Hoden erzählen; Orchester-, Sinfonie-, Chorbücher, die aber, so scheint es, vom Tambourmajor der Dorfkapelle dirigiert werden; Bücher, Bücher, Bücher…

– JULIO RÁMON RIBEYRO –

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Aus: Rabanus, Sven (Hrsg.), 1998. Büchertage. Münster: Daedalus Verlag.