Zeitzeugeninterviews und Zeitstrahl

Im Sommer 2011 begann das Universitätsarchiv mit der Aufnahme von Zeitzeugeninterviews auf Video. Ein Fragenkatalog liegt in drei Versionen mit jeweils etwa 20 Fragen vor: für Professoren, Mitarbeiter und Studenten. Einige Fragen sind in allen Gruppen jeweils ähnlich, andere dem jeweiligen Erfahrungshorizont angepasst, und natürlich ergeben sich in jedem Gespräch individuelle Nachfragen oder zusätzliche Themen.

Im Jahr 2011 sind 5 Personen zur Universitätsgeschichte und zu ihrer Biographie befragt worden. Im Folgejahr 2012 lag die Anzahl der Interviews bei 12, im ersten Halbjahr 2013 sind weitere 13 Universitätsangehörige vor laufender Kamera befragt worden.

Insgesamt sind bisher 560 Interviewsequenzen entstanden, das heißt 560 Fragen mit den jeweiligen Antworten wurden aufgezeichnet und als Video separat geschnitten. Davon wurden 243 Interviewsequenzen für eine öffentliche Verwendung freigegeben.

Anfang 2013 wurde die technische Nachbereitung umgestellt, damit konnten wir die Anzahl der Interviews im Vergleich zum Vorjahr verdoppeln. Für das zweite Halbjahr 2013 wurden bereits 30 weitere Personen als Interviewpartner mit Terminvorschlägen angeschrieben. Darüber hinaus haben wir noch 70 Personen aus der jüngsten Universitätsgeschichte als Interviewpartner mit Kontaktdaten erfasst.

Die Interviews decken das gesamte Spektrum der jüngeren Universitätsgeschichte von der Wiedereröffnung nach dem Krieg 1946 bis in die Gegenwart hinein ab. Beispiele dafür sind Professoren wie Gottfried Geiler, die in der schwer kriegszerstörten Leipziger Universität ein Studium begannen und der Hochschule beruflich dann für viele Jahrzehnte verbunden blieben, um schließlich nach 1990 Ämter in der Universitätsleitung zu übernehmen. Die Neuorientierung und Aufbauphase nach 1990 wiederum haben insbesondere Altmagnifizenz Cornelius Weiss und Peter Gutjahr-Löser eindrücklich geschildert.

Besonders interessant wird das Projekt, wenn Personen von verschiedenen Positionen aus universitätsgeschichtliche Ereignisse beschreiben, so berichteten sowohl Altmagnifizenz Franz Häuser als auch ein studentischer Teilnehmer von der Rektoratsbesetzung im Jahr 2009.

Gemeinsam ist vielen Interviews die grundsätzliche Anerkennung für die positiven baulichen Veränderungen der Universität in den letzten Jahren und, bei allen unterschiedlichen Positionen im Einzelnen, die Vorfreude auf die endgültige Fertigstellung der Gebäude am Augustusplatz.

 

Gegenwärtiger Umsetzungsstand des Projektes

Als Nadelöhr bei der Projektumsetzung hat sich der Videoschnitt erwiesen. Selbst beim Einsatz modernster digitaler Videotechnik, benötigt die Aufbereitung eines mehrstündigen Videos immer noch einmal die gleiche Zeit für den Schnitt, die Szenenbeschreibung mit Verschlagwortung und die diversen Formatumrechnung. Mit dem eigenen Archivpersonal war das nicht mehr zu realisieren, so beschäftigt das Universitätsarchiv seit Anfang 2013 auf eigene Rechnung nun zwei Honorarkräfte für dies zeitaufwendigen Arbeiten.

Während die Programmierung der Webseite bereits erfolgt ist, und auch die Archivdatenbanken bereitstehen, soll das Onlineprojekt jedoch erst starten, wenn hinreichend viele Interviewsequenzen zur Verfügung stehen: das wird beim gegenwärtigen Tempo von Interview und Schnittdauer etwa zum Jahresanfang 2014 der Fall sein: dann dürften mehr als 500 Videosequenzen für die Webseite als zeitgeschichtliche Annotationen zur Verfügung stehen.

In den Jahren 2014 und 2015 soll das Interviewprojekt jeweils mit weiteren 25 bis 30 Personen intensiv fortgeführt und schließlich auch nach 2016 mit einer verringerten Interviewanzahl aufrecht erhalten werden. Das mittelfristig weiter aufgezeichnete Material wird ebenfalls auf der Webseite implementiert werden.

 

Prototyp der Webseite

Die „Zeitstrahl“-Webanwendung basiert auf einem Symfony Framework in Kombination mit dem Elasticsearch-Suchindex. Über die im Index gelistete Datierung, werden Objekte und Datensätze mit weiteren Informationen, z.B. der Anzahl der Digitalisate und deren Typ (Audio, Bild, Video etc.), verknüpft.

Videos werden in die webtauglichen Formate VP8 WebM und H.264 transformiert. Die Bereitstellung in beiden Formaten ist notwendig, um eine möglichst breite Browser-Unterstützung zu gewährleisten. Zusätzlich werden aus den Original-Dateien mit einer Open Source-Anwendung (ffmpeg) automatisiert Vorschaubilder für die Anzeige auf dem Zeitstrahl erzeugt. Die Webanwendung kombiniert in der Detailansicht zu einem historischen Zeitpunkt (in der Regel ein Kalenderjahr) die Informationen aus dem Suchindex mit den Vorschaubildern/Videos. In einer semantischen Tag cloud werden die Kalenderjahre eingeblendet und automatisch nach der unterschiedlichen Trefferzahl in verschiedener Größe angezeigt.

Konzeptversion der Webseite (Stand Juni 2013)