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Subkulturelle Identitäten denken

Arbeitskreis Kultur- und Sozialphilosophie und das Institute for American Studies präsentieren:

Country ain’t what I hear, it’s what I am”!

Subkulturelle Identitäten denken

Vortrag: Dr. Ann-Kristin Iwersen (Hamburg)

Ort: GWZ, Institut für Kulturwissenschaften, Raum 5-116

Datum: Donnerstag, 29.11.2012, 17:00 Uhr

Bericht zur Veranstaltung

Am 29.11.2012 luden der Arbeitskreis Kultur- und Sozialphilosophie und das Institute for American Studies gemeinsam zu einem Vortrag mit Dr. Ann-Kristin Iwersen aus Hamburg zum Thema „‘Country ain’t what I hear, it’s what I am‘! Subkulturelle Identitäten denken” in den Seminarraum 5-116 im Institut für Kulturwissenschaften.

Die Organisator_innen haben Frau Iwersen eingeladen, weil sie in ihrer Dissertation („‘The Cowboy in Me‘? Verhandlung kultureller Identitäten und das Phänomen des Identitätsswitches in zeitgenössischer Countrymusik“. Hamburg: Verlag Dr. Kovač 2012) eindrucksvoll versucht, sich dem Phänomen der Countrymusik in den USA aus (musik)ethnologischer Perspektive anzunähern und dabei die Frage nach Identität berührt.

Die Frage nach Identität ist sowohl eine kulturphilosophische Frage als auch für viele Fragen im Rahmen der Kulturstudien in den American Studies prägend. Frau Iwersen macht darüber hinaus in ihrer transdisziplinären Forschung in überzeugender Art und Weise die beiden klassischen kulturtheoretischen und -philosophischen Autoren Ernst Cassirer und Homi Bhabha für die empirischen Kulturwissenschaften fruchtbar. Insofern sollte der Vortrag für Kultur- und Sozialphilosoph_innen und für Amerikanist_innen zahlreiche Ansatzpunkte zur Diskussion über Frau Iwersens Forschungserkenntnisse im Besonderen und die transdisziplinäre Perspektive im Allgemeinen bereitstellen. Über den inhaltlichen Gewinn des Vortrages hinaus, sollte Studierenden und Promovierenden der Kulturwissenschaften und der American Studies mit dem Vortrag ein Angebot unterbreitet werden, konkrete Möglichkeiten des interdisziplinären Zugangs an einen Forschungsgegenstand kennenzulernen.

Frau Iwersen zeigte zu Beginn ihres Vortrages, dass Country als Genre in den USA nicht alleinig der Soundtrack von Rednecks und Bewohnern der Südstaaten ist. Country beschrieb Frau Iwersen als ein populäres Massenphänomen und entwickelte aus dieser Beschreibung ihre Forschungsfrage. Weil in den verschiedenen Sparten des Country das einfache Leben auf dem Land im Süden der USA beschworen wird, sich die Hörer_innen dieser Songs jedoch nicht nur räumlich, sondern auch lebensweltlich gänzlich von dem besungenen Ideal unterscheiden, stellt sich die Frage, wie sich die Hörer_innen zu den vermittelten Inhalten in Beziehung setzen.

Die Untersuchung des Sich-In-Beziehung-Setzens, das Plausibilisieren der eigenen „Identitätsswitches“, wurde von Frau Iwersen nachfolgend überzeugend dargelegt und als „dissoziative Hybridität“ zu beschreiben versucht. Pointiert vermochte es Frau Iwersen zu zeigen, wie sie dieses Konzept aus der Forschung über dissoziative Identitätsstörungen und zu hybrider Kulturalität bei Homi Bhabha entwickelt hat. Ernst Cassirers symbolphilosophische Beschreibung des mythischen Denkens fungierte dafür als Ausgangspunkt. Es gelang ihr so im Vortrag gleichsam eine Brücke zwischen kulturphilosophischer Tradition und Theoriebildung und ethnologisch-praktischer Forschung zu schlagen.

In der sich anschließenden Diskussion wurde dieser Brückenschlag positiv gewertet. Die Teilnehmer_innen diskutierten mit der Referentin und untereinander sowohl über den Wert und den Gehalt des Identitätsbegriffs im konkreten Forschungszusammenhang bei Dr. Iwersen als auch über die konkrete Frage nach „Identitätsswitches“ hinaus. So entwickelte sich eine lebhafte und anregende Diskussion, die beim gemeinsamen Abendessen im Anschluss zwischen Referentin, Organisator_innen und Teilnehmer_innen noch bis zum späteren Abend weitergeführt wurde.

Der Vortrag wurde vom Institut für Kulturwissenschaften und durch die Vereinigung von Förderern und Freunden der Universität Leipzig e.V. finanziell und logistisch unterstützt.

von Philipp Seitz

(Doktorand am Institut für Kulturwissenschaften im Fachbereich Kultur- und Sozialphilosophie)