Study Tour nach Houston

 

Prof. Dr. Hartmut Keil / Institut für Amerikanistik

 

Study Tour nach Houston, Texas „Immigration, Religion & Citizenship“

 

Die Studienreise „Immigration, Religion & Citizenship“ nach Houston, Texas, fand vom 19. September bis 5. Oktober 2013 als Kooperationsprojekt des American Studies Institute der Universität Leipzig und der Jagellionischen Universität Krakow/Polen statt. Es nahmen 17 Personen an der Reise teil: Zwölf Studierende der Universität Leipzig, vier Studierende der Jagellionischen Universität in Krakow, sowie Projektleiter Prof. Dr. Hartmut Keil. Der folgende Bericht nennt das zentrale inhaltliche Anliegen der Studienreise und leistet einen Überblick über die wichtigsten Treffen und Aktivitäten.

Zweck der Studienreise war die Auseinandersetzung mit gegenwärtiger Immigration in die USA und deren Einfluss auf die amerikanische Gesellschaft. Vor dem Hintergrund von Globalisierungsprozessen wie weltweiter Mobilität wurde zum einen nach der gesellschaftlichen Integration der zunehmend – ethnisch, religiös oder kulturell – heterogenen Bevölkerungsgruppen gefragt. Zum anderen war von Interesse, wie die Immigranten selbst ihr mitgebrachtes „cultural baggage“ und die Suche nach einer Identität als amerikanische Staatsbürger miteinander vereinen. Die wachsende Metropole Houston, in der keine ethnische Bevölkerungsgruppe mehr in der Mehrheit ist, eignete sich ideal, um kulturelle Diversität und sozialen Wandel als Folgen der Immigration zu erforschen.

Auf der Agenda standen zuvorderst die Besuche der Rice University und der University of Houston. Dabei wurde an die langjährige Partnerschaft der Universität Leipzig mit der University of Houston angeknüpft. Die kürzlich entstandene Kooperation der Universität Leipzig mit der Rice University wurde intensiviert.

An insgesamt drei Tagen wurde die Studiengruppe an der Rice University empfangen. Die Vorträge am 24. September nahmen direkt Bezug auf das Thema der Studienreise: Prof. John Boles sprach einführend zur Geschichte des amerikanischen Südens, Prof. Stephen Klineberg legte die demographische Entwicklung Houstons dar und Prof. Rick Wilson widmete sich der Zuwanderungswelle nach Hurricane Katrina im Jahre 2005. Dr. Uzma Quraishi präsentierte am 27. September ihr Forschungsprojekt zu südasiatischer Immigration nach Houston und gab den Studierenden im Anschluss eine Führung durch den Mahatma Gandhi District, einem Stadtteil, in dem der Anteil der Bevölkerung südasiatischer und arabischer Herkunft besonders hoch ist. Am 2. Oktober empfing der Präsident der Rice University David W. Leebron die Studiengruppe zum Gespräch. Die Gruppe traf außerdem Prof. Nicolas Shumway, Dean of Humanities, sowie Prof. Klaus H. Weissenberger, Professor of German and Slavic Studies, die sich je die Zeit für ein informelles Treffen genommen hatten.

Beim Besuch der University of Houston am 30. September nahmen die Studierenden am akademischen Unterricht der School of Social Work teil. Organisiert wurde der Besuch von Prof. Ira C. Colby, Dean of the Graduate School of Social Work, und Prof. Patrick Leung. Am Vormittag und am Nachmittag konnte zwischen verschiedenen Seminaren ausgewählt werden. Promotions- und Masterstudierende der Graduate School University of Houston betreuten die Tourteilnehmerinnen in Kleingruppen. Durch dieses Format wurden intensive Gespräche und Diskussionen möglich. Am Tag darauf interviewten die Teilnehmenden auf dem Sportcampus der Universität David Bassity, Associate Athletics Director for Communications, zu Fragen der Integration und Benachteiligung im Bereich des universitären Sports.

Immigrationspolitik und Probleme der Integrationsarbeit wurden am 23. September beim Besuch der City Hall thematisiert. City Council Member James G. Rodriguez sprach über aktuelle Entwicklungen und die größten Herausforderungen der Stadtregierung. Terence O’Neill, Division Manager des Office of International Communities, legte Probleme dar, die sich aufgrund der ethnischen Zusammensetzung der Bevölkerung sowie aus der hohen Immigrationsrate ergeben (v.a. Sprachbarrieren) und stellte Lösungsstrategien vor. Patricia Harrington, Director of the Mayor’s Anti-Gang Initiative, referierte über Straßengangs in Houston. Marsha Murray, Assistant Director at the City of Houston Office of Business Opportunity, stellte Maßnahmen zur wirtschaftlichen Förderung benachteiligter Firmen vor.

Am Tag darauf nahm die Gruppe an der Abendveranstaltung „Shine a Light on Human Trafficking“ ein, zu der die Bürgermeisterin Annise Parker öffentlich eingeladen hatte und die über Zwangsarbeit aufklären sollte. Neben Annise Parker sprachen unter anderem eine Abgeornete für Houston im amerikanischen Kongress und der Chief des Houston Police Department. Am 26. September besuchte die Gruppe das Campaign Headquarter der amtierenden Bürgermeisterin Annise Parker und sprach mit deren Wahlkampf-Manager Stuart Rosenberg. Ms. Parker begrüßte die Gruppe sogar kurz persönlich.

Durch Vermittlung von Professor Mohr vom Herzzentrum Leipzig konnte die Gruppe am 25. September das Texas Heart Institute und das Museum des Baylor College of Medicine (Teile der Texas Medical Institute, des weltweit größten Krankenhaus- und medizinischen Forschungszentrums) besuchen. Prof. William Cohn, ein bekannter Herzchirurg, nahm die Führung persönlich vor.

Am 3. Oktober wurde die Studiengruppe von der Houston Area Urban League (HAUL) willkommen geheißen, einer Organisation, die zu Gründungszeiten vor allem die Interessen von Afroamerikanerinnen vertrat, inzwischen aber darüber hinaus für die Gleichberechtigung aller Minderheitengruppen in der Öffentlichkeit eintritt. Fragen ethnischer Minderheiten wurden ebenfalls beim Besuch des spanisch-sprachigen Fernsehsenders Univision (am 2.10.) angesprochen.

Um die religiöse Vielfalt der Stadt zu erfahren, besuchte die Gruppe die Gottesdienste der afroamerikanischen Wheeler Avenue Baptist Church (am 29.09.) und der Lakewood-Church, einer „Megachurch“ (am 22.09.). Ein Teil der Gruppe besuchte eine Bar Mitzwa in einer jüdischen Gemeinde (am 27.09.). Während des Aufenthaltes ergab sich außerdem die Möglichkeit, mit zwei Vertretern des American Jewish Committee, der weltweit größten jüdischen Organisation, zu sprechen (am 1.10.). Als explizit säkulare Organisation versteht sich das Arab American Cultural & Community Center, das am 26.09. aufgesucht wurde, um mit Vorstandsmitglied Dania Dandashli über die Interessen der arabischen Community in Houston zu sprechen. Am letzten Tag trafen sich die Tourteilnehmerinnen mit Reverend Dr. Robert G. Moore für eine übergreifende Abschlussdiskussion und -reflexion zur religiösen Diversität in Houston und den USA im Allgemeinen.

Während der Reise wurde ein Blog verfasst: http://studytourhouston2013. wordpress.com/ Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer der Reise war für die inhaltliche Vorbereitung und Dokumentation von zwei bis drei Treffen verantwortlich. Einige Studierende bildeten ein Video-Team, das die Studienreise filmisch dokumentierte. Der entstehende Dokumentarfilm wird bei der Fotografie-Ausstellung zur Study Tour präsentiert, die für Frühjahr 2014 geplant ist.