Studientagung in Kohren-Sahlis

Prof. Alexander Deeg / Institut für Praktische Theologie

Bericht zur Studientagung in Kohren-Sahlis (3.-5.4.2013)

 

Leitung: Prof. Dr. Alexander Deeg, Pfarrer i.E. Johannes Misterek, Jörn Dege (Chefredakteur der Literaturzeitschrift „Edit“), Martin Golz (SHK)

 

Im Sommersemester 2013 wurde an der Theologischen Fakultät im Rahmen der Labor-Universität der Universität Leipzig das Projekt „Predigen lernen – Homiletisches Seminar im theologischen-kulturwissenschaftlichen Dialog“ durchgeführt. Das Projekt richtete sich an Studierende, die sich auf ihre spätere Rolle als PfarrerInnen vorbereiten. Im Homiletischen Seminar lernten die Teilnehmer nicht nur eigene Predigten zu verfassen und Gottesdienste zu halten, sondern sie erforschten zugleich die Rezeption einer Predigt im interdisziplinären Dialog zwischen Theologie, Sprach- und Theaterwissenschaften.

In der Rückschau auf Homiletische Seminare der Vergangenheit war aufgefallen, dass der Ablauf des Seminars und das Erreichen der Lernziele und Kompetenzen stark vom Arbeitsklima unter den Studierenden und zwischen den Studierenden und der Seminarleitung abhängig war. Da das Predigen ein zutiefst persönlicher Akt ist und die gemeinsame Arbeit an den Predigten ein gewisses Vertrauensverhältnis bedarf, sollte diesmal eine Studientagung in Kohren-Sahlis (3.–5.4.2013) durchgeführt werden. Wie erhofft hat sich während der Studientagung eine bemerkenswert vertrauensvolle und sachlich-konstruktive Arbeitsatmosphäre entwickelt, die über die gesamte Zeit des Projektes Bestand hatte. Neben den teambildenden Maßnahmen wurde die Tagung genutzt, um einen Einstieg in die Problemfelder der Homiletik zu geben. Dabei wurde der Versuch unternommen sich der „Predigt als Erlebnis“ zu nähern. Unter der Konzeption des „forschenden Lernens“ untersuchten die Studierenden das Erleben und das Rezeptionsverhalten von PredigthörerInnen. Im Vorfeld der Tagung wurde mit Studierenden des Seminars eine Studie zur emotionalen und kognitiven Rückmeldung des Predigthörers/der Predigthörerin durchgeführt, die mit einem Liveexperiment in Kohren-Sahlis abgeschlossen wurde. Im Rückgriff auf Methoden aus der musikpsychologischen Forschung wurde unter Zuhilfenahme der Software „Emujoy“ und „Trace2011“ eine simultane Emotions- und Aufmerksamkeitsmessung vorgenommen. Für die didaktische Durchführung des „forschenden Lernens“ war entscheidend, dass die Studierenden in zweifacher Weise an den Untersuchungen teilnehmen sollten: Sie waren einerseits selbst als Predigtrezipienten/innen (Studienteilnehmer/innen) tätig und andererseits gefordert, die Auswertung der Ergebnisse vorzunehmen. Auf diese Weise mussten sie ihre eigene Wahrnehmung zur Versuchspredigt mit der anderer abgleichen und hatten trotzdem die Möglichkeit ein objektives Bild vom Predigterleben zu ermitteln. Neben dem „forschenden Lernen“ wurde in Kohren-Sahlis die interdisziplinär angelegte Arbeitsweise aus homiletischer Reflexion und künstlerischer Praxis eingeübt. Bereits am ersten Tag entstanden durch die Anleitung von Literat Jörn Dege zahlreiche homiletische Schriftstücke, welche in literarischer und theologischer Reflexion nachbearbeitet wurden. In konstruktiver Zusammenarbeit entstanden erste Kurzpredigten, die von den Studierenden in Kleingruppen vorgetragen wurden. Im intermediären „Laborraum“ eröffneten sich zahlreiche neue Pfade, denen in der Seminarphase zurück in Leipzig nachgegangen werden sollte. In Kohren-Sahlis zeichnete sich ab, wie das Predigtschreiben als künstlerische und theologische Praxis neu in den Blick kommen kann.