Referenten des Symposiums: v.l.n.r. Dr. Runge, Prof. Meibauer, Dr. Spreer, Dr. Dohmen, C. Wirts, Dr. Sallat, Prof. Glück, B. Achhammer, Dr. Degner

Projektbericht Pragmatik

Interdisziplinäre Tagung „Sprache & Kommunikation“: Fokus Pragmatik

Prof. Dr. Christian W. Glück, Institut für Förderpädagogik, Erziehungswiss. Fakultät

Gerade der interdisziplinäre Blick ist dem vielschichtigen Gegenstand 'Sprache' angemessen. Die neubegründeten Reihe „Leipziger Frühjahrssymposium Sprache & Kommunikation“ nimmt diese Perspektive ein. So entstehen für die Praxis und Forschung wertvolle Anregungen. Für den Auftakt der Reihe wurde der „Fokus Pragmatik“ gewählt. In Vorträgen stellten Sprachwissenschaftler, Sonderpädagogen, Psychologen und Sprachtherapeuten unterschiedliche Aspekte pragmatischer Fähigkeiten in Grundlagen, Forschung und diagnostisch-therapeutischer Anwendung vor.

Jörg Meibauer (Germanistik Universität Mainz) führte in den Fokus "Pragmatik" des Symposiums ein und verdeutlichte an launigen Beispielen, dass wir Menschen uns nur verstehen können, weil wir das unmittelbar Gesagte beim Hören anreichern, und wie wir Menschen uns auch darauf verlassen können, dass der Zuhörer kooperativ ist und diese Interpretationsarbeit auch leistet. Wie diese Feinabstimmung im Prozess der Kooperation sich entwickelt, konnte Anna Runge (Germanistik Universität Hamburg) ganz verblüffend an den alltäglichen "hm"s und "aha"s nachweisen, die wir beim Zuhören von uns geben. Aus seiner reichhaltigen Erfahrung beim Aufbau des Autismus-Beratungszentrums Erfurt destilliert Martin Degner (Sonderpädagoge) die Studiendesigns für die Erforschung der Kommunikation bei Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen, die oft gar nicht zur Lautsprache kommen oder deren Interpretation von Sprache besonders ist, indem sie bei bildhafter Sprache alles wörtlich nehmen und sich nicht in die Perspektive des Sprechers hineinversetzen können. 

Wie kann Kindern und Jugendlichen mit pragmatischen Störungen geholfen werden? Für die Sprachförderung und Sprachtherapie liegen in Deutschland nur vereinzelt Konzepte und Forschungsergebnisse vor. Die Grundlage muss eine differenzierte Diagnostik bilden. Als neueste Forschungsarbeiten hierzu präsentierten Claudia Wirts (Institut für Frühpädagogik, München) ein videogestütztes Beobachtungsverfahren sowie Markus Spreer und Stephan Sallat (Sonderpädagogik Universität Leipzig) einen Einschätzbogen für Erzieherinnen und Eltern. Gerade auch die Strukturierung in therapeutischen Profilen, die Andrea Dohmen (Entwicklungspsychologie Oxford University) vorstellte und die Umsetzung einer spezifischen Therapiekonzeption mit den allgemeinen Mitteln des Improvisationstheaters von Bettina Achhammer (Sprachtherapie Universität München) stießen auf großes Interesse bei den etwa 70 Teilnehmern des Symposiums, da viele von ihnen in Schulen, Kindergärten, Kliniken und Praxen im Bereich Sprachtherapie und Sprachförderung arbeiten.

Zum Abschluss des Symposiums verwies Richard Moore vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig auf die Grundlagen der Kommunikation. Auch bereits die Zeigegeste, die für sich genommen nichts aussagt, muss vom "Zuhörer" erst gedeutet werden und erhält erst in der kooperativen Beziehung der Kommunikationspartner ihren Sinn. Und in der Ausprägung dieser Kooperation gibt es wohl – bei allen Ähnlichkeiten mit den großen Affen – besondere Qualitäten beim Menschen.

Und die Kooperation der Wissenschaftsdisziplinen wiederum hat dieses Symposium „Sprache & Kommunikation“ zum Erfolg geführt. Dazu beigetragen hat ebenfalls die Vereinigung von Förderern und Freunden der Universität Leipzig e.V., die die Tagung durch Übernahme von Referentenreisekosten unterstützt hat.

Im Rahmen des Symposiums konnte auch von Prof. C. W. Glück und Prof. A. Blechschmidt eine Erasmuspartnerschaft mit der Fachhochschule Nordwestschweiz in Basel formell begründet werden.

Diesem Auftakt folgt 2013 das 2. Frühjahrssymposium Sprache & Kommunikation mit dem Titel: Fokus Sprachförderung. Konzepte, Bedingungen, Wirkungen.


www.symposium-sprache-kommunikation.de