Omnia vincit labor?

Omnia vincit labor? Narrative der Arbeit und Arbeitskulturen in medialer Reflexion

Internationale Tagung, 30.05.-01.06.2012

Torsten Erdbrügger (Research Academy), Ilse Nagelschmidt (Institut für Germanistik), Inga Probst (GWZO)

 

Arbeit ist ein medial vielgestaltiges Narrativ und wird, das zeigen Film, Theater, Literatur der Gegenwart, in Zeiten der Krise wieder verstärkt erzählt. Ausgehend von dieser Beobachtung lud die internationale Tagung Omnia vincit labor? Narrative der Arbeit und Arbeitskulturen in medialer Reflexion, gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung, dem BMBF und der Vereinigung von Förderern und Freunden der Universität Leipzig ins Geisteswissenschaftliche Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas (GWZO). An drei Tagen diskutierten 25 Wissenschaftler_innen der germanistischen und slawistischen Literaturwissenschaft, der Philosophie, Medien- und Kulturwissenschaft in acht Themenpanels u.a. folgende Fragen: Mit welchen künstlerischen Mitteln lässt sich Arbeit inszenieren, und wie wird sie erzählt? Löst sich Arbeit im Zuge der Globalisierung von nationalstaatlichen Zuschreibungen? Wie haben sich die ökonomischen und historischen Rahmenbedingungen von Arbeit verändert, wie unsere Kollektivvorstellung von Arbeit? Und: Welchen Stellenwert kann künstlerische Arbeit im auf Effizienz und Wachstum fokussierten Arbeitsdiskurs (noch) für sich beanspruchen? Umrahmt wurde die Veranstaltung von zwei Plenarvorträgen und einer Lesung der Schriftstellerin Kerstin Hensel. Prof. Franziska Schößler (Trier) eröffnete die Tagung mit einem methodisch-theoretischen Überblick über die sich in gegenwärtigen und vergangenen Arbeitsverhältnissen spiegelnden Geschlechterrollen. Prof. Wolfgang Müller-Funk (Wien) entwarf abschließend ein Panorama historischer und gegenwärtiger Arbeitsverweigerungsstrategien und -utopien. Die fachwissenschaftlichen Vorträge der Referent_innen zu den thematischen Schwerpunkten der Prekarität, der Arbeitsmigration und der Arbeitslosigkeit in ihrer medialen Bearbeitung wurden praxisbezogen ergänzt von einem Rundgang zur Plagwitzer Industriegeschichte sowie von der Präsentation zweier Dokumentarfilme und eines studentischen Theaterstücks in den Räumen des Westwerks. Unter dem Titel Gehen sie über Los? wurde die Arbeitsbelastung des Studienalltags und die drohenden prekären Arbeitsverhältnisse danach dramatisiert. Dank des Engagements der Studierenden, das nicht zuletzt auch als Zeichen für die Brisanz der Gesamtthematik gewertet werden kann, wurde die Veranstaltung durch Posterpräsentationen, bspw. zur Geschichte der tschechischen Schuhfabrik Bat’a, erweitert.

Vor Fragehorizont der Erzählbarkeit von Arbeit lässt sich folgendes Fazit aus der Leipziger Tagung ziehen: Literatur und Film erschöpfen sich nicht im Müßiggang jenseits der Arbeit. Stattdessen sind sie „intellektuelles Reflexionsmedium“ (Müller-Funk), mit dessen Hilfe sich gegenwärtige Tendenzen des Arbeitsdiskurses erfassen und kritisieren lassen. Demnach kann eine kulturwissenschaftliche Literaturwissenschaft das nötige Werkzeug liefern, gängige Diskursmuster zu dechiffrieren, auch indem das Wissen anderer Disziplinen für einen interdisziplinären Zugang fruchtbar gemacht wird. Seit Frühjahr 2013 liegt die Publikation zur Tagung unter dem Titel Omnia vincit labor? Narrative der Arbeit – Arbeitskulturen in medialer Reflexion, herausgegeben von Torsten Erdbrügger, Ilse Nagelschmidt und Inga Probst im Verlag Frank & Timme vor.

Programmflyer