Lesung und Diskussionsrunde mit dem Autor Florian Sitzmann

Copyright/Foto: Peggy Hamfler

 

Der halbe Mann – Dem Leben Beine machen
Anlässlich des „Welttages des Mannes“ 2012

 Eine Veranstaltung des Zentrums für Frauen- und Geschlechterforschung (FraGes) der Universität Leipzig und des FraGes-Verein e.V. Leipzig

In Zusammenarbeit mit dem Referat für Gleichstellung und Lebensweisenpolitik des StudentInnenRates der Universität Leipzig, der Genderbibliothek MONAliesA e.V. und dem LeMann e.V., Netzwerk Jungen- und Männerarbeit

Zum diesjährigen „Welttag des Mannes“ hat das Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung (FraGes) den Autor Florian Sitzmann an die Universität eingeladen. Gemeinsam mit der Genderbibliothek MONAliesA, dem LeMann e.V. und dem Referat für Gleichstellung und Lebensweisenpolitik des StudentInnenRates, Arbeitskreis „Barrierefreiheit“, konnte eine Veranstaltung organisiert werden, die am Lebensentwurf des Autors ein Nachdenken über praktische Alltagshindernisse für Menschen mit Beeinträchtigungen intensivieren, vor allem Denkmuster zur Überwindung mentaler Barrieren anlegen und gesellschaftliche Etiketten am Beispiel eines bemerkenswerten Menschen überschreiben wollte, der Leistungssportler, Vater und Kulturschaffender ist, den aber niemand nach seiner work-life-balance und seinem persönlichen Lebensmodell, seinen Zielen und Leidenschaften zuerst fragt. Vielmehr als für seinen Erfolg, dem Leben Beine zu machen, oder für sein Vaterglück, interessiert sich die soziale Umwelt für die in Körper und Seele vorausgesetzten Traumata infolge seines Unfalls.

 Der halbe Mann (Gütersloher Verlagshaus,5. Auflage, 2012) zeichnet sein Leben in einem Selbstverständnis, das auf die authentische Auflösung von Randgruppen und damit verbundenen Vorurteilen zielt und wodurch die klare Forderung nach einer wahrhaftigen Gleichbehandlung und Zusammengehörigkeit von Menschen mit Handicap und ohne Beeinträchtigung aufgestellt wird.

In seiner autobiografischen Erzählung führt Florian Sitzmann gleichzeitig Männlichkeitsstereotype vor, die er skeptisch hinterleuchtet, um normierte Vorstellungen typischen Mannseins auf ihre Gültigkeit in einer Gesellschaft zu prüfen, die Erwartungsbrüche nur schwer verkraftet.
Im Verlauf der Lesung, die von der Vereinigung von Förderern und Freunden der Universität e.V. finanziell unterstützt sowie von der Heidehof Stiftung und der Aktion Mensch außerdem gefördert werden konnte, hat der Autor ein Gespräch mit dem Publikum um den Gehalt gesellschaftspolitischer Begriffe wie Integration und Inklusion, Gleichstellung und Chancengleichheit, Vielseitigkeit und Individualität belebt, und dabei sehr offen auf Fragen geantwortet, die auf eine Wirklichkeit gerichtet sind, der er sich souverän lebensbejahend stellt. So heißt das neue Buch folgerichtig Bloß keine halben Sachen (Gütersloher Verlagshaus, 2012), während es die Behinderungen einer allgemeinen Öffentlichkeit kritisch aufzeigt: Deutschland – ein Rollstuhlmärchen.

Prof. Dr. Ilse Nagelschmidt
Direktorin des Zentrums für Frauen- und
Geschlechterforschung der Universität Leipzig

nach oben