Veranstaltung zum 8. Freiburg-Leipzig-Forum

In Naumburg ausgestellte Reproduktionen des vom Naumburger Meisters gestalteten Westlettners im Mainzer Dom, Foto: Heidi Vogel

Exkursion nach Naumburg (23.–24. Februar 2017)

Von Frank Buschmann / Institut für Germanistik

Das Freiburg-Leipzig-Forum dient der Förderung, dem intensiven wissenschaftlichen Austausch und der Vernetzung von NachwuchswissenschaftlerInnen innerhalb der germanistischen Mediävistik und angrenzender Disziplinen. Das Forum findet turnusmäßig jedes Semester im örtlichen Wechsel zwischen Freiburg i. Br. und Leipzig statt und wird gemeinsam von Prof. Dr. Martina Backes (Universität Freiburg) und Prof. Dr. Sabine Griese (Universität Leipzig) organisiert.

Verschiedene Vorträge zu im Entstehen befindlichen Abschlussarbeiten (v. a. Bachelor- und Masterarbeiten) und Promotionsprojekten und deren methodische und inhaltliche Diskussion bilden den Grundstock des Forums und werden durch ein variierendes Begleitprogramm ergänzt. Als solches wurde für das 8. Freiburg-Leipzig-Forum eine Exkursion nach Naumburg durchgeführt. 

Der spätromanisch-frühgotische Naumburger Dom St. Peter und Paul (heute Teil der als Stiftung 1930 gegründeten Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz) ist eines der herausragenden hochmittelalterlichen Kulturdenkmäler Mitteldeutschlands. Bekannt ist dieser u. a. für die vom sog. ‚Naumburger Meister‘ geschaffenen Stifterfiguren  – allesamt weltliche Herrscher – im Westchor, einen ehemals im gleichen Chor befindlichen Hauptaltar, dessen Flügel Abbildungen Maria Magdalenas von Lucas Cranach d. Ä. zieren, und neuzeitliche Glasfenster des Leipziger Künstlers Neo Rauch.

Am 23. Februar 2017 reisten die Teilnehmer des Forums aus Freiburg und Leipzig mit dem Zug nach Naumburg an, wo zwischen 14.15 und 18.00 Uhr ein reichhaltiges Angebot an Führungen auf uns wartete: Zu Beginn eines zweistündigen Ganges durch verschiedene Bereiche des Domstiftes Naumburg erhielten wir eine profund geleitete einstündige Domführung, die u. a. Informationen zum bekannten Westlettner und -chor mit seinen Stifterfiguren (darunter auch die „schönste Frau des Mittelalters“: Markgräfin Uta von Naumburg), zur ältesten bildlichen Darstellung der hl. Elisabeth von Thüringen in der Turmkapelle des Nordwest-Turmes und den dortigen Glasfenstern von Neo Rauch bot. Einen besonderen Eindruck zur Gebrauchssituation liturgischer Handschriften hinterließen die 1580 gefertigten Buchpulte im Ostchor, auf denen noch im 19. Jh. die zwischen 1500 und 1504 wohl in Leipzig gefertigten und bis zu 45 kg schweren liturgischen Handschriften bei Bedarf aufgeschlagen lagen.

Im Anschluss begaben wir uns in die 2006 eröffnete Ausstellung des Domschatzes. Dieser befindet sich heute in einem ehemals zu Lagerungszwecken errichteten und etwa 285 m² großen Kellergewölbe, das nach seinem Umbau nun verschiedene sakrale Ausstellungsobjekte und Urkunden aus der Geschichte des Doms beherbergt. Den vorläufigen Abschluss des ersten Führungsblockes bildete ein kommentierter Besuch der umfangreichen Ausstellung zum namentlich unbekannten ‚Naumburger Meister‘, welcher, beeinflusst von der Baukunst in Nordfrankreich, im 13. Jh. für die Gestaltung des Westflügels am Naumburger Dom verantwortlich war.

Nach einer kurzen Pause und einem Abstecher in die ehemaligen Räume der Domschule, die heute einen Großteil des etwa 50.000 Bände umfassenden historischen Bestandes der Domstiftsbibliothek beherbergen, besichtigten wir gemeinsam mit dem Domstiftsarchivar Matthias Ludwig das Domstiftsarchiv. Von einigen Aus- und Umbauten abgesehen befinden sich die mittelalterlichen Archivalien und Handschriften bereits seit dem 12. Jh. in den noch heute erhaltenen Gewölben. Da sich diese nur langsam an die Außentemperaturen anpassen und lediglich geringfügige Schwankungen der Luftfeuchtigkeit aufweisen, bieten sie in konservatorischen Belangen optimale Voraussetzungen für die Aufbewahrung der Sammlung. Neben den aufschlussreichen Hinweisen zu dessen Geschichte und seiner Lagerung in z. T. noch erhaltenen zeitgenössischen Aufbewahrungsmitteln (mittelalterliche Truhen und sog. Fluchtkisten) brachte uns Matthias Ludwig weitere Besonderheiten des Naumburger Bestandes näher: Die Ketten zum Schutz vor Entwendung an den teilweise öffentlich zugänglichen Bänden sind bei Naumburger Handschriften noch immer erhalten und wurden nicht, wie dies in anderen Bibliotheken und Sammlungen der Neuzeit der Fall war, von den Deckeln der Codices entfernt. Neben einem Blick in eines der Chorbücher wurde uns zum Abschluss noch die Möglichkeit gewährt, das bei der Erschließung der Naumburger Bestände von Matthias Eifler (Universität Leipzig, Handschriftenzentrum) entdeckte und heute ausgelöste Fragment des ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach (natürlich unter Glas) näher zu betrachten (siehe auch: https://blog.ub.uni-leipzig.de/wp-content/uploads/2014/06/presseaussendung.pdf).

Für die finanzielle Unterstützung, die das umfangreiche Programm der Exkursion ermöglichte, danken wir der Vereinigung der Freunde und Förderer der Universität Leipzig sehr!